Genossenschaftler Werner Böhnke: "Die Krise ist nicht vorbei"

Genossenschaftler Werner Böhnke: "Die Krise ist nicht vorbei"

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Die Staatsschuldenkrise bleibt ungelöst - ein Fehler, meint Werner Böhnke.

von Marc Etzold

Was ist die Antwort auf Finanzkrise, Brexit und Trump? Die Idee der Genossenschaft, meint Werner Böhnke, Chef der Raiffeisen-Gesellschaft. Was Banken und Staaten nach der Finanz- und Euro-Krise besser machen müssen.

In diesem Jahr haben sich die Briten für den Brexit entschieden und die Amerikaner für Donald Trump. Isolation und das „Ich“ bestimmen den Zeitgeist. Zugleich wird die genossenschaftliche Idee von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Wie wollen Sie diese Idee in dieser Zeit wieder mit Leben füllen?
Es stimmt, wir erleben in unserer globalisierten Welt derzeit vielerorts einen Rückzug aus der Gemeinschaft. Viele sind verunsichert und begreifen gewisse Entwicklungen nicht mehr. Die Genossenschaften aber glauben an den Satz: Was der einzelne nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam. Diese Idee führt im Übrigen auch weg vom Egoismus.

Aber erreicht diese Idee die Menschen überhaupt noch?
Zwei Zahlen: In Deutschland verbinden die Genossenschaften 22 Millionen Mitglieder, weltweit sind es etwa 800 Millionen. Die Idee wird gelebt, jeden Tag. Genossenschaften arbeiten lokal – ob in der Landwirtschaft, Energieversorgung oder im Finanzdienstleistungsbereich. Das verankerte Regionalprinzip macht Dinge begreifbar, nachvollziehbar und transparent. Und das hilft, in unserer globalisierten Welt Orientierung zu geben.

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Zur Person

  • Werner Böhnke

    Werner Böhnke (Jahrgang 1951) ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft. Böhnke ist zudem stellvertretender Aufsichtsratschef der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank (DZ-Bank). Von 2000 bis 2013 war er Vorstandsvorsitzender der Westdeutsche Genossenschafts-Zentralbank (WGZ BANK).

Viele empfinden die Globalisierung aber als Bedrohung.
Und das besorgt mich. Denn viele profitieren von der Globalisierung. Dass wir all jene Produkte und Waren aus aller Welt kaufen können, die wir im Supermarkt und den Einkaufzentren sehen, gilt vielen als Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht. Wir müssen wieder klarer machen, wie sehr wir von einer globalisierten Welt profitieren und zugleich das regionale Prinzip hoch halten.

Wie wollen Sie den Gemeinschaftsgedanken der Genossenschaften revitalisieren?
Der Gedanke war ja nie weg. Wir beobachten aber neue Phänomene. Ein Beispiel: Vor 30 Jahren war ein eigenes Auto das Ziel jedes jungen Menschen. Heute bevorzugen viele Carsharing und verzichten auf ein eigenes Fahrzeug. Das Bewusstsein – gemeinsam mehr erreichen – ist hoch aktuell.

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Aber der Begriff „Genossenschaft“ wirkt doch etwas antiquiert.
Vielleicht nutzt die junge Generation den Begriff nicht mehr so wie meine. Aber das Konzept ist hochmodern. Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat die genossenschaftliche Bewegung in Deutschland gegründet und gesagt: Entdecke, was in dir steckt. Trau dir was zu. Verstehe Anstrengung nicht als etwas belastendes, sondern als etwas Großartiges. Wer sich ein Ziel setzt, daraufhin arbeitet und es erreicht, der tankt Selbstvertrauen. Wenn wir das wieder stärker leben, hilft es uns im Übrigen auch, die Ängste vor der Globalisierung zu mindern. Und das ist doch alles andere als antiquiert.

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Sollte unsere Wirtschaft noch stärker genossenschaftlich organisiert werden?
Der genossenschaftliche Gedanke ist in der deutschen Wirtschaft bereits fest verankert. Beträchtliche Bereiche der Energieversorgung regeln wir beispielsweise zunehmend über regionale Genossenschaften – Stichwort Energiewende. Wir haben Genossenschaften auch in sozialen Bereichen, in der Landwirtschaft, im Weinbau oder im Gewerbe – auch im Finanzwesen.

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