Libor-Skandal: Drei Ex-Barclays-Händler schuldig gesprochen

Libor-Skandal: Drei Ex-Barclays-Händler schuldig gesprochen

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Drei Mitarbeiter der britischen Barclays Bank schuldig gesprochen.

Ein Londoner Gericht hat drei ehemalige Mitarbeiter der britischen Großbank Barclays in Sachen Libor schuldig gesprochen. Das offizielle Urteil folgt am Donnerstag.

Drei ehemalige Mitarbeiter der britischen Großbank Barclays sind wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor schuldig gesprochen worden. Die Männer im Alter von 35, 37 und 45 Jahren verschafften sich nach Ansicht eines Londoner Gerichts zwischen 2005 und 2007 betrügerisch Vorteile, indem sie den Zinssatz, den Banken für Geschäfte untereinander verlangen, manipulierten.

Ein wichtiges Beweismittel der Ermittler von der britischen Betrugsbehörde SFO (Serious Fraud Office) war der E-Mail-Verkehr der Beteiligten.

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Den Schuldspruch fällte eine Jury bereits vergangene Woche, aber der zuständige Richter hob erst am Montag eine Berichtssperre auf. Ein Urteil soll es am Donnerstag geben.

Worum es beim Libor-Skandal geht

  • Was ist der Interbankenmarkt?

    Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, war nach der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.

  • Was ist der Libor?

    Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.

  • Wie kann der Libor überhaupt manipuliert werden?

    Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen etwa von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.

  • Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?

    Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.

  • Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?

    Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.

  • Weiß man, wie viel Geld mit den Zinsmanipulationen „gemacht“ wurde?

    Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.

  • Warum ist das nicht früher aufgefallen?

    Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.

  • Gibt es jetzt eine andere Kontrolle der Banken?

    Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.

  • Welche Folge hat das für Privatkunden?

    Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.


Der Skandal um manipulierte Zinssätze war 2011 ins Rollen gekommen, die Aufarbeitung läuft noch. Einer der Drahtzieher war vergangenen August zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, die Strafe wurde später auf elf Jahre heruntergeschraubt. Insgesamt hat das SFO bislang 13 Personen angeklagt, gegen sieben Händler von Barclays und Deutscher Bank soll der Prozess in einem Jahr beginnen. Auch in den USA müssen sich mehrere frühere Händler auch von der Deutschen Bank vor Gericht verantworten.

Viele der weltweit mindestens 16 darin verwickelten Banken mussten bereits teure Vergleiche und Strafen zahlen. Der Libor-Zinssatz ist ein Richtwert, der jeden Tag Finanzgeschäfte in dreistelligem Billionen-Volumen maßgeblich beeinflusst.

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