60 Millionen Euro: Kapitalspritze für den Weltbild-Verlag

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60 Millionen Euro: Kapitalspritze für den Weltbild-Verlag

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Mitarbeiter der Weltbild Verlagsgruppe demonstrieren am 26.10.2013 in Augsburg (Bayern) vor dem Dom für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Das den deutschen Diözesen gehörende Unternehmen kündigte an, Arbeitsplätze ausgliedern zu wollen.

Rote Zahlen, nichts als rote Zahlen. Der Weltbild-Verlag verdient seit Monaten nichts. Jetzt soll es eine Finanzspritze von 60 Millionen Euro geben, um die Liquidität im Weihnachtsgeschäfts zu sichern.

Die defizitäre Verlagsgruppe Weltbild erhält einem Medienbericht zufolge eine Kapitalspritze. Aus dem Kreis der Gesellschafter, darunter zwölf katholische Bistümer, habe es bis zum Ende der vergangenen Woche Zusagen in Höhe von etwa 60 Millionen Euro gegeben, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montagausgabe) in einer Vorabmeldung. Kurzfristig solle das Geld dem in Augsburg ansässigen Unternehmen im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft Liquidität verschaffen. Auf mittlere Sicht solle das Kapital die Verlagsgruppe in die Lage versetzen, eine strukturelle Liquiditätslücke zu schließen und nach einer Restrukturierung im Jahr 2015 wieder profitabel zu arbeiten.

Ende September hatte Weltbild für 2014 weitere Verluste angekündigt. Erst „ab dem übernächsten Jahr werden wieder dauerhaft positive Ergebnisse erwartet“, teilte Unternehmenssprecherin Eva Großkinsky damals mit. Grund für die roten Zahlen sei der Umbau des Buchhandelshauses, das sich künftig auf das Onlinegeschäft konzentrieren soll. Nach Gewerkschaftsangaben ist auch ein Personalabbau geplant. Die Weltbild- Gruppe, von der sich die Kirche wegen Erotik- und Esoterikangeboten trennen will, hat 6800 Beschäftigte, darunter 2300 in Augsburg. Der Konzernumbau führe „in diesem und im nächsten Jahr zu vorübergehenden, geplanten Verlusten“, sagte die Weltbild- Sprecherin. Die Filialen würden auf eine ergänzende Funktion für das Onlinegeschäft ausgerichtet. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi könnte der Umbau des Unternehmens mehreren hundert Beschäftigten den Job kosten. Kürzlich hatte das Unternehmen angekündigt, den Kundendienst auszulagern und somit 140 Stellen abzubauen.

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Seit November soll der Sanierungsexperte Josef Schultheis dem Verlag helfen, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Gemeinsam mit den Geschäftsführern Carel Halff und Martin Beer werde er den Umbau zugunsten des digitalen Buchhandels vorantreiben, hieß es von Unternehmensseite. Schultheis gilt als Mann für schwere Fälle, nicht immer kamen seine Kunden später wieder in die Spur: Er hatte zeitweise die Sanierung des Kaufhauskonzerns Karstadt als Finanzchef begleitet. Bis ins vergangene Jahr saß er im Vorstand der strauchelnden Baumarktgruppe Praktiker, die jedoch mittlerweile abgewickelt wird. Auch der österreichische Baukonzern Alpine hatte Schultheis als Restrukturierungsmanager an Bord geholt. Zwei Monate nach seinem Abschied brach Alpine im Juni zusammen - es war die größte Pleite Österreichs.

Mit seinem Verlagsgeschäft und der zusammen mit dem früheren Konkurrenten Hugendubel betriebenen Buchhandelskette zählt Weltbild zu den Marktführern in Deutschland. Der Konzernumsatz liegt bei 1,6 Milliarden Euro. Online ist die Augsburger Gruppe mit dem Portal weltbild.de und dem zusammen mit Axel Springer und Georg von Holtzbrinck betriebenen Shop buecher.de einer der größten Konkurrenten von Amazon.com in Deutschland.
Im Gespräch sind seit Längerem ein Verkauf des Unternehmens oder die Überführung in eine Stiftung. Weltbild hatte das Tempo des digitalen Umbruchs in der Branche unterschätzt. Während das Geschäft in den Buchläden rasant schrumpft, bestellen die Kunden zunehmend Bücher im Internet oder laden sich gleich E-Books herunter.

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