Easy-Apotheken: Vom Kollegen im Bauausschuss ausgebremst

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Easy-Apotheken: Vom Kollegen im Bauausschuss ausgebremst

von Jürgen Salz

Mystery-Einkäufe, Gerichtsverfahren, Anfeindung: Mit unfeinen Methoden bekämpfen Pharmazeuten den Billigkonkurrenten. Die heftige Gegenwehr ist nicht unbegründet - Easy-Apotheken ziehen bis zu drei Mal mehr Kunden an.

Der Ärger dreht sich um ein 20 Quadratmeter großes Stück Stoff. Genauer gesagt, um ein grelles Banner mit der Aufschrift "Erste Hilfe gegen Apothekenpreise", das vor der Easy-Apotheke in Heinsberg bei Aachen wehte. Inhaber Lutz Steinfurth möchte seinen Kunden Supermarktflair und dauerhaft billige Medikamentenpreise bieten – und hisste, damit das jeder mitbekommt, die Werbefahne. Wegen übertriebener Werbung schaltete ein Apothekerkollege darauf das zuständige Berufsgericht in Köln ein. Das verdonnerte Steinfurth zu 3000 Euro Geldbuße.

Bereits etwa 70 der grün-blauen Easy-Apotheken gibt es in Deutschland. Jährlich sollen nun 20 bis 30 weitere Discountpharmazien hinzukommen. Die Easy-Apotheker werben mit im Schnitt 20 bis 30 Prozent günstigeren Preisen für nicht verschreibungspflichtige Medikamente, die sie für die Kunden frei zugänglich in Regalen mitten im Geschäft aufstellen. Die zunehmende Billigkonkurrenz scheint jedoch manche der alteingesessenen Apotheker so sehr zu schrecken, dass einige sich beim Kampf dagegen auch unfeiner Methoden bedienen: Sie schnüffeln und schwärzen Easy-Apotheker wegen angeblicher Verfehlungen bei der Aufsicht an.

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"Viele Kollegen, die gerade neu eröffnen, haben Ärger mit den zuständigen Aufsichtsbehörden, da andere Maßstäbe als an konventionelle Apotheken angelegt werden", klagt Alexander Irrgang, der in Berlin die Easy-Apotheken am Ku’damm und am Prenzlauer Berg betreibt. Wenn es etwa um Ware wie "4711"-Fläschchen geht, die eigentlich nicht in einer Apotheke verkauft werden dürfen, seien die Aufsichtsbehörden bei Easy-Apotheken besonders kritisch, ist Irrgang überzeugt. Er selbst musste bereits apothekenunübliche Teesorten aus dem Regal räumen. Der Apotheker vermutet, dass die Beschwerden von Standeskollegen kamen, möchte jedoch keine Namen nennen. Von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Apothekerverband warnt vor übermäßigem Pillenkonsum

Doch so sehr manche Pharmazeuten die Franchisekette mit dem giftgrünen Logo drangsalieren – es nützt ihnen meist nichts. Bei den Kunden scheint das Easy-Konzept, das neben günstigen Preisen auch auf gute Beratung setzt, anzukommen. Während klassische Apotheken nach Berechnungen der Steuerberatung Treuhand Hannover einen durchschnittlichen Umsatz von 1,3 Millionen Euro erwirtschaften, kommt eine Easy-Apotheke auf mehr als zwei Millionen Euro. Insgesamt setzten alle Franchisepharmazien im Jahr 2011 etwa 140 Millionen Euro um.

"Pro Tag haben wir dreimal mehr Kunden als die klassischen Apotheken", sagt Vorstandschef Lars Horstmann. Da die Systemzentrale in Düsseldorf den Einkauf zentral verhandelt, können die Easy-Apotheker Kosmetikmarken, rezeptfreie Pillen und Salben günstiger anbieten. Bei rezeptpflichtigen Mitteln, die Easy, wie andere Apotheken auch, hinter dem Tresen vorhält, gelten dagegen Preisvorgaben.

Die etablierten Weißkittel stören sich vor allem am schrillen Auftritt des Konkurrenten. Immer wieder warnen Vertreter des Apothekerverbandes ABDA davor, Arzneien dürften nicht zur Ramschware verkommen. Durch übertriebene Werbung, fürchten sie, könnten Kunden zu übermäßigem Pillenkonsum verführt werden.

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