Konzertveranstalter DEAG: Wirtschaftsprüfer sehen hohe Risiken durch Rockfestivals

Konzertveranstalter DEAG: Wirtschaftsprüfer sehen hohe Risiken durch Rockfestivals

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Die Festivals in Gelsenkirchen und München finden Ende Mai statt, das in Wien Anfang Juni. Wie hart das Rock-Debakel die Deag trifft, wird sich in den kommenden Wochen herauskristallisieren.

von Florian Zerfaß

Mit neuen Festivals wollte der Konzertveranstalter Deag den Musikmarkt rocken: Doch die Wirtschaftsprüfer haben das Testat für Teile des Deag-Abschlusses verweigert – und warnen, dass die Existenz auf dem Spiel stehen könnte.

Beim Blick auf die Homepage der Deutschen Entertainment AG (Deag) springt Besuchern derzeit unter anderem eine große Werbung für Peter Maffay entgegen. „Niemals war es besser“, heißt die nächste Tournee des Altstars, die Ende des Monats beginnt und für die die Deag derzeit um Besucher buhlt.

Sollte der börsennotierte Konzertveranstalter auf die Idee kommen, seinen Vorstand um den Vorsitzenden Peter Schwenkow selbst auf Tournee zu schicken, müsste sich die Berliner Combo aber einen ganz anderen Titel dafür ausdenken. „Lange war es nicht mehr so schlimm“ könnte eine brauchbare Variante sein: Bei der Deag brennt im Moment die Hütte.

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Die Aktie kennt seit Monaten nur noch einen Kurs – nach unten. Die Probleme bei den mit großem PR-Bohei neu eingeführten Rockfestivals sind massiv, die Risiken kaum überschaubar – weshalb die Wirtschaftsprüfer für den nun vorgestellten Jahresabschluss in Teilen das Testat verweigert haben. Mehr noch: Sie warnen auch vor einer Situation, in der das Unternehmen sogar „im Bestand gefährdet“ sein könnte.

Nürburgring-Festival ist schon geplatzt

Grund für die Misere sind just die neuen Rockfestivals, mit denen die Deag eigentlich kräftig Kasse machen wollte. „Wachstumsschub durch massiven Eintritt in den Rockfestivalmarkt“, jubelte die Deag im November. „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ Ende Mai am Nürburgring als Nachfolger des legendären „Rock am Ring“, parallel dazu „Rockavaria“ im Münchner Olympiapark, eine Woche später „Rock in Vienna“ auf der Wiener Donauinsel – so stellte sich die Deag ihre neuen Gewinnbringer vor.

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Doch das Festival am Nürburgring ist schon geplatzt, es soll nun in der Gelsenkirchener Arena stattfinden. Nach dem öffentlich zelebrierten Zerwürfnis mit dem Nürburgring-Betreiber ist die Wachstumsmagie passé, mehr noch: Der nun veröffentlichte Geschäftsbericht offenbart, wie viel fauler Zauber in manch vollmundiger Ankündigung der Deag steckt. In sachlich-spröden Worten entzaubern die Wirtschaftsprüfer Schwenkows PR-Hokuspokus.

„Wir konnten mangels ausreichender Prüfungsnachweise die Höhe der erwarteten Ticketverkäufe auf Basis der Vorverkaufszahlen sowie mögliche Kostenreduktionen im Fall des Eintretens von deutlich unter Planwerten liegenden Ticketverkäufen nicht abschließend beurteilen“, halten die Prüfer der BDO AG fest. Somit könnten sie „keine hinreichende Sicherheit“ über die Angemessenheit der Höhe von bereits vorgenommenen Wertberichtigungen und eine mögliche Pflicht für Drohverlustrückstellungen gewinnen.

Ob die getroffene Risikovorsorge angemessen ist, sei „von uns nicht prüfbar.“ Die Angaben unter dem Punkt „Finanzielle Verpflichtungen“ im Jahresabschluss seien daher entgegen der Regelungen des Handelsgesetzbuchs „nicht ausreichend dargestellt.“

Testat teilweise verweigert, Bestand gefährdet

Die Folge: Bezüglich des Festivalbereichs verweigern die Wirtschaftsprüfer das Testat für den Abschluss. In einer Ad-Hoc-Meldung betont die Deag zwar, dass das Testat „nur in diesem einen Punkt“ eingeschränkt ist. Doch genau in diesem Punkt hat die Deag so massiv expandiert, dass ein Flop potenziell die Existenz des gesamten Konzerns gefährden könnte, wie die Wirtschaftsprüfer ebenfalls klar machen.

Die zehn größten Musikfestivals nach Umsatz 2014

  • Rang 10

    Das Bravalla Festival in Schweden zog im vergangenen Jahr fast 60.000 Besucher an. Die spülten 16,3 Millionen US-Dollar in die Kassen der Betreiber.

    Quelle: Pollstar

  • Rang 9

    70.000 Besucher lockten die Betreiber von Rock im Park im vergangenen Jahr nach Nürnberg. Damit machten sie einen Umsatz von 16,7 Millionen US-Dollar.

  • Rang 8

    Das Lollapalooza Chile spielte einen Umsatz von 16,8 Millionen US-Dollar ein. Verkauft wurden dafür 110.000 Tickets.

  • Rang 7

    Zum Stagecoach in den USA kamen 190.000 Besucher. Die Betreiber machten damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,6 Millionen US-Dollar.

  • Rang 6

    Das Outside Lands Music & Arts Festival in San Francisco lockte mehr als 200.000 Besucher. Der Umsatz betrug 19 Millionen US-Dollar.

  • Rang 5

    Rock am Ring ist das größte deutsche Festival. Im vergangenen Jahr kamen 82.000 Besucher zum Nürnburgring und sorgten für einen Umsatz von mehr als 20 Millionen US-Dollar.

  • Rang 4

    Das Lollapalooza in den USA lockte vergangenes Jahr 300.000 Festival-Besucher. Die Betreiber machten einen Umsatz von 28,8 Millionen US-Dollar.

  • Rang 3

    Zehn Millionen US-Dollar mehr spielte Austin City Limits Music in den USA ein. 450.000 Tickets verkauften die Veranstalter.

  • Rang 2

    Das zweit-umsatzstärkste Festival der Welt ist das Mysteryland – ein Festival das ebenfalls in den USA stattfindet. 48 Millionen US-Dollar betrug der Umsatz 2014. Verkauft werden mussten dafür nur 40.374 Tickets.

  • Rang 1

    Das umsatzstärkste Festival der Welt ist das Coachelle Valley Music & Arts Festival. 579.000 Besucher generierten vergangenes Jahr einen Umsatz von 78 Millionen US-Dollar.

Sie verweisen ausdrücklich auf eine im Lagebericht enthaltene Warnung und schreiben, „dass der Fortbestand der Gesellschaft bzw. des Konzerns gefährdet wäre, wenn bei einer deutlichen Abweichung der tatsächlichen Umsätze und der damit verbundenen tatsächlichen Zahlungsmittelzuflüsse aus Ticketverkäufen für die Festivals von den Prognosen eine Liquiditätsunterdeckung eintreten sollte und der Deag die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen nicht in ausreichendem Maße gelingen sollte.“

Die Prüfer geben damit fast wortgleich die Warnung des Vorstands im Lagebericht wieder. Auch dieser warnt, dass bei deutlichen Abweichungen von den Prognosen eine Liquiditätsunterdeckung eintreten könnte, in der „die Deag auf die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen (Fremd- oder Eigenkapital) angewiesen“ sei – also zum Beispiel auf zusätzliche Kredite oder eine Kapitalerhöhung. „Sollte dies dann nicht in ausreichendem Maße gelingen, wären die Gesellschaft und der Konzern im Bestand gefährdet.“

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