Open-Air-Kinos: Das riskante Geschäft der Freiluftkinos

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Open-Air-Kinos: Das riskante Geschäft der Freiluftkinos

von Jacqueline Goebel

Die Freiluftkino-Saison ist angebrochen. Das Geschäft mit den Open-Air-Kinos ist spannender als mancher Film, den sie zeigen. Werbekunden und Wetter stellen die Nerven der Betreiber auf die Probe.

Die Kinobesucher sammeln noch die letzten Sonnenstrahlen ein, bevor der Film startet. Langsam neigt sich die Sonne dem Rhein zu, die Leinwand fährt hoch. Die ersten Töne des Kult-Musicals Rocky Horror Picture Show erklingen. Das Publikum hat sich schick gemacht für das Event am Düsseldorfer Rheinufer. Die Zuschauer tragen lila oder grüne Perücken, breite Brillen, buschige rote Federboas, passend zu den Travestie-Darstellern. Hier in Düsseldorf wird der Kult um das Musical ausgelebt: Die Kinobesucher rufen dem Erzähler zu, zünden Wunderkerzen an, spritzen mit Wasserpistolen, schmeißen mit Reis. Das Düsseldorfer Spektakel ist die vielliecht kurioseste Ausprägung eines Sommer-Trends: dem Filmvergnügen unter freiem Himmel.

Die Freiluftkino-Saison ist angebrochen. In ganz Deutschland versammeln sich Kinobesucher in Biergärten, im Freibad und auf Parkwiesen. 550 Open-Air-Kinos gab es laut Filmförderungsanstalt (FFA) im vergangenen Jahr in Deutschland. Damit machen die Leinwände unter freiem Himmel immerhin 11,1 Prozent aller deutschen Kinosäle aus. Aber: Der Jahresumsatz der Freiluftkinos bertug im vergangenen Jahr nur 8,8 Millionen Euro. Ihr Anteil am Gesamtumsatzes des Kinogeschäfts liegt damit bei gerade mal 0,9 Prozent.

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Das Geschäft ist risikoreich: Nur in wenigen Wochen im Jahr können Open-Air-Kinos öffnen. Die Besucher kommen nur dann, wenn sich die Natur dazu entschließt, den Sommer auch mit sommerlichen Temperaturen zu begleiten. Hinzu kommen oft langwierige Verhandlungen mit Kommunen und Behörden um geeignete Plätze und die entsprechende Pacht. Schon deshalb sind die größeren Anbieter auf die Kooperation mit wankelmütigen Partnern angewiesen.

Angst vor dem plötzlichen Aus

In Düsseldorf verlassen die Gäste die Sitzplätze, der Reinigungstrupp steht schon bereit. Der Boden ist voller Müll, Reis und abgebrannter Wunderkerzen. "Verdienen tun wir mit so einem Abend nichts, das geht für die Reinigungskräfte drauf", sagt Eva Haub, Betreiberin des Düsseldorfer Freiluftkinos. "Aber für die Rocky Horror Picture Show kommen die Gäste aus ganz Deutschland", sagt ihr Geschäftspartner Sven Kukulies.

Die Kinobranche in Zahlen

  • Zahl der Kinos

    In Deutschland gibt es ein Kinosterben. Zwischen 2003 und 2013 ging die Zahl der Lichtspielhäuser um rund 200 zurück. Vor allem in Kleinstädten und Randgebieten gaben Kinobetreiber auf. Aber auch in Großstädten fällt immer häufiger der letzte Vorhang. Knapp 1700 Spielstätten gibt es derzeit noch – Tendenz sinkend.

  • Besucherzahlen

    Die Deutschen gehen immer weniger ins Kino. 2003 kauften nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) noch 149 Millionen Besucher eine Eintrittskarte. Im Jahr 2013 waren es fast 20 Millionen weniger.

  • Umsatz

    Trotz der sinkenden Zahl an Zuschauern setzen die Kinobetreiber mehr Geld um. Von 850 Millionen Euro im Jahr im Jahr 2003 ist der Gesamtumsatz der Branche in Deutschland auf 1,023 Milliarden im Jahr 2013 gestiegen.

  • Preis für eine Kinokarte

    Grund für das Umsatzwachstum ist der stetig steigende Ticketpreis: 5,70 Euro kostet eine Eintrittskarte im Jahr 2003 durchschnittlich. Bis 2013 kletterte der Durchschnittspreis auf 7,89 Euro. Besonders die üblichen Aufschläge für 3D-Filme treiben den Preis in die Höhe.

Seit 20 Jahren gibt es das Düsseldorfer Open-Air-Kino mittlerweile. 19 Jahre davon war es als "Frankenheim Kino" bekannt, benannt nach der örtlichen Altbier-Marke. Dieses Jahr findet die Veranstaltung erstmals unter dem Namen "Commerz Real Cinema" statt. Für die zur Warsteiner Gruppe gehörende Frankenheim-Brauerei wurde der Sponsorenvertrag immer mehr zur finanziellen Belastung. Die Brauerei entscheid sich, den Vertrag nicht weiter zu verlängern.

Die Nachricht kam für die Veranstalter Sven Kukulies und Eva Haub im vergangenen Jahr zum ungünstigsten Zeitpunkt, kurz vor Start der Saison. "Wir haben das Publikum zur ersten Vorstellung begrüßt und wussten noch nicht, ob es im nächsten Jahr auch noch eine geben wird", sagt Kukulies.

Denn Sponsoren sind für Kinobetreiber oft die wichtigste Einnahmequelle: Rund ein Drittel des über eine Millionen Euro hohen Umsatz macht das Commerz Real Cinema mit Sponsorengeldern, sagt Kukulies. Weitere Einnahmequellen sind nur die Gastronomie und der Ticketverkauf. Doch davon bleibt den Veranstaltern nicht viel: Um die 50 Prozent der Ticketpreise gehen an die Filmverleiher, die die Klassiker und Kino-Blockbuster zur Verfügung stellen. Außerdem sind die Einnahmen stark vom Wetter abhängig. In einem durchschnittlichen Jahr bleiben etwa 20.000 Euro Gewinn übrig, berichtet Kukulies. In einem verregneten Jahr können schnell 70.000 Euro Verlust entstehen.

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