Werner knallhart: Alkoholfreies Bier: Gesunder Durstlöscher für Kinder?

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kolumneWerner knallhart: Alkoholfreies Bier: Gesunder Durstlöscher für Kinder?

Kolumne von Marcus Werner

Deutschland hat ein neues Nationalgetränk: alkoholfreies Bier. Natürlicher als Cola light, als isotonisches Sportgetränk sogar empfohlen nach dem Hochleistungssport. Jetzt nicht patzen, dann wird es ein Welterfolg!

Neulich in einem türkischen Fisch-Restaurant auf der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg.

"Ich hätte gerne ein alkoholfreies Weizenbier."

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"Nein, wir haben kein Bier", antwortete der Kellner, "wir verkaufen keinen Alkohol.“

Notgetränk für Deppen

Teilweise gibt es das immer noch: Alkoholfreies Bier gilt als Abart von alkoholhaltigem Bier - und das war in Deutschland jahrzehntelang das Problem der alkoholfreien Biere. Es war verdammt als Notgetränk für Schwangere und die Deppen, die an diesem Samstagabend die Autofahrer waren.

Das alkoholfreie Bitburger hieß bis 2007 denn auch Bitburger Drive. Die Variante von Jever wird bis heute so albern "fun" genannt. Man brauchte bislang als Entschuldigung schon gute Argumente dafür, statt eines richtigen Biers zur Langweiler-Variante zu greifen. Deshalb bestellten sich viele stattdessen lieber eine Cola.

Aber dann der Wendepunkt: Mitten in der zuckerfreien Cola-light-zero-Phase sprach sich ab 2008 plötzlich massenhaft herum, dass alkoholfreies Weizenbier ein isotonisches Sportgetränk ist. Gesund wie Apfelsaft mit Mineralwasser. Sogar nach Marathon-Läufen wie in Köln wurde den Athleten direkt nach dem Zieleinlauf ein alkoholfreies Weizen in die Hand gedrückt. Das war der Ritterschlag!

Alkoholfreies Bier war nicht einfach nur ein Bier mit weniger Alkohol. Es hatte den richtigen Bieren etwas voraus. Wer heute alkoholfreies Bier trinkt, ist nicht mehr der Loser. Er ist Sportler. Er ist gesundheitsbewusst.

Die Top Ten Brauereien in Deutschland

  • 1. Radeberger

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 11.440 Export: 560

  • 2. AB InBev

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 8000 Export: 4000

  • 3. Oettinger

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 7015 Export: 507

  • 4. Bittburger Braugruppe

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 6983 Export: 507

  • 5. Krombacher

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 5510 Export: 168

  • 6. Brau Holding International

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 4400 Export: 1000 (v.a. Paulaner)

  • 7. Warsteiner Gruppe

    Verkauf 2012 in Hektoliter: Deutschland: 3970 Export: 590

  • 8. TCB/Frankfurter Brauhaus

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2700 Export: 200

  • 9. Carlsberg Deutschland

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2660 Export: 240

  • 10. C. & A. Veltins

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2621 Export: 166

Dazu kommt der Geschmack: Früher war er eine Beleidigung für den Gaumen. Wässrig, metallisch, fad. Heute müssen viele Brauer den sensorischen Vergleich ihrer alkoholfreien Schätzchen mit den alkoholhaltigen nicht mehr scheuen - zumindest wenn man nicht direkt die alkoholische Variante nebenher probiert. Ich behaupte: Selbst gestandene Feierabend-Säufer werden mit der ein oder anderen Marke zu überlisten sein, was den Geschmack angeht.

Einem Kollegen habe ich mal erzählt: „Ich streiche nun statt Butter öfters Tomatenmark aufs Brot. Ist gesünder.“ Da guckt mich mein Kollege an, als wäre ich nicht mehr ganz dicht: „Hä? Tomatenmark schmeckt doch nicht wie Butter!“

Ja, na und? Es schmeckt eben anders lecker. Und deshalb muss alkoholfreies Bier auch nicht exakt wie alkoholhaltiges Bier schmecken. Solange es gut schmeckt.

Und den Deutschen scheint es tatsächlich zu schmecken: 2013 haben die deutschen Bierbrauer fast fünf Millionen Hektoliter alkoholfreies Bier verkauft. Das sind immerhin fünf Prozent der gesamten deutschen Bierproduktion, jede zwanzigste Flasche. Mehr als doppelt so viel wie vor dem Beginn des Booms 2008. Und es wird immer mehr, obwohl der Bierkonsum in Deutschland insgesamt seit Jahren rückläufig ist - mit minus zehn Prozent zwischen 2003 und 2013. 

Alkoholfreies Bier kann man mittlerweile mit Ausnahme der Läden wie dem Fischrestaurant auf der Oranienstraße selbstverständlich bestellen. Waren es anfangs vor allem die alkoholfreien Weizenbiere, kommt es mir so vor, als ob nun auch in der Gastronomie das alkoholfreie Pils im großen Stile Einzug hält.

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