RWE startet mit Ökostrom-Tochter: Eine Stiftung für die Braunkohle

RWE startet mit Ökostrom-Tochter: Eine Stiftung für die Braunkohle

, aktualisiert 29. März 2016, 11:32 Uhr
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Rolf Martin Schmitz, derzeit noch stellvertretender Vorstandsvorsitzender, soll bald die Führung bei RWE übernehmen.

von Angela Hennersdorf

RWE startet am ersten April mit seiner neuen Öko-Tochter. Doch zum Gestalten hat der zukünftige neue RWE-Boss Rolf Martin Schmitz kaum Spielraum. Er muss sanieren. Loswerden muss er vor allem die Braunkohle.

Unauffällig kommt Rolf Martin Schmitz daher. Wenn der Topmanager des Energiekonzerns RWE mit Hut und langem beigem Trenchcoat durch Berlin eilt, könnte er als Chef einer Detektei durchgehen. Doch das klassisch-konservative Outfit täuscht. Ein Leisetreter ist der 58-Jährige nicht.

Das passt auch nicht zu seiner Mission: Als jetziger Vize und künftiger Vorstandschef zieht er die politischen Strippen für den Krisenkonzern in der Hauptstadt. Dort feilscht er seit Monaten mit der von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission um die Summen, die RWE in einen Fonds für Atomaltlasten einzahlen soll. Da redet er Klartext, gern laut und emotional. RWE könne es sich nicht leisten, einen Aufschlag zusätzlich zu den derzeitigen Rückstellungen in Höhe von zehn Milliarden Euro zu zahlen: „Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen“, so schlecht sehe es bei RWE aus.

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Bald soll Schmitz für einen Neuanfang bei RWE stehen. Noch-Konzernchef Peter Terium leitet ab April den abgespaltenen Ökostrombereich. Schmitz soll dann das Ruder bei der Konzernmutter übernehmen, sobald Terium im Herbst zunächst zehn Prozent der Anteile an der Ökostromsparte an die Börse gebracht hat. Langfristig sollen 49 Prozent der Tochtergesellschaft an die Börse.

Ein wirklicher Neuanfang wird der Wechsel an der Spitze jedoch nicht. Formal ist zwar Schmitz der neue Chef und muss seinem Ex-Boss künftig auf die Finger klopfen. Das war’s aber auch schon. „Schmitz kann nur Defensivarbeit leisten und den größten Schaden von RWE abwenden“, sagt ein Betriebsrat.

Nächste Aufgabe: Den Braunkohle-Ausstieg aushandeln

Im Klartext heißt das: Schmitz kann wenig gestalten, muss aber viel sanieren. Sein Ziel ist es, in Berlin die Belastungen für RWE so gering wie möglich zu halten. Denn im künftigen Mutterkonzern verbleiben nur das Handelsgeschäft sowie die Kohle-, Gaskraft- und Atomkraftwerke. Der letzte Atommeiler wird in sieben Jahren abgeschaltet. Als Nächstes muss er mit der Politik einen Ausstieg aus der Braunkohle aushandeln. Dafür bastelt Schmitz an einem neuen Plan, zusammen mit Werner Müller, Chef der Steinkohle-Stiftung RAG. Ähnlich wie Müllers Steinkohle könnten die RWE-Braunkohleaktivitäten in eine Stiftung wandern und dort abgewickelt werden.

Konzernumbau Schmitz soll neuer Chef von RWE werden

RWE hat laut Medienberichten die Personalentscheidungen für den Konzernumbau getroffen. Rolf Martin Schmitz wird neuer Chef der RWE AG. Peter Terium, der diesen Posten bisher inne hatte, wird die Ökostrom-Tochter leiten.

Rolf Martin Schmitz, der designierte RWE-Chef. Quelle: dpa

Doch dazu braucht er die Politik, auf die er jetzt gerne eindrischt: „Keine Branche ist so stark reguliert wie die Energiewirtschaft“, beschwerte er sich auf der Jahrestagung des Berliner Instituts für Energie- und Regulierungsrecht vor einigen Wochen. Die Politik sei schuld daran, dass die Energiewende bei RWE noch nicht rund laufe. Depressionen habe er noch nicht wegen der katastrophalen finanziellen Lage seines Unternehmens; der ein oder andere Manager in seiner Finanzabteilung schon, witzelte Schmitz.

Vordringlich sanieren muss er das Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken, die wegen der gefallenen Großhandelspreise für Strom nur noch Geld verbrennen. Aufräumbedarf gibt es auch bei der kriselnden RWE-Tochter npower in Großbritannien. Dort sollen rund 2400 Jobs wegfallen. Schmitz, ist aus Konzernkreisen zu hören, werde die britische Tochter erst sanieren und dann verkaufen. Spielraum, den Konzern auf Wachstum zu trimmen, hat er nicht: Schmitz ist auf Teriums Erfolg mit der neuen Ökotochter angewiesen, die provisorisch RWE International heißt und intern unter NewCo firmiert.

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5 Kommentare zu RWE startet mit Ökostrom-Tochter: Eine Stiftung für die Braunkohle

  • "Als jetziger Vize und künftiger Vorstandschef zieht er die politischen Strippen für den Krisenkonzern in der Hauptstadt. Dort feilscht er seit Monaten mit der von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission um die Summen, die RWE in einen Fonds für Atomaltlasten einzahlen soll."
    Diese Regierung versteht sich als Dienstleister der Industrie und deshalb ist der Ausgang dieser "Beratungen" im Hinterzimmer der Politik ja eigentlich mal wieder klar.
    Der größte Player in diesem Spiel, nämlich der strompreiszahlende Verbraucher, auch schon mal Wähler genannt, sitzt natürlich nicht mit am Tisch.
    Seine Rolle ist ja auch klar: Z A H L E N , wie immer!
    Und da wundern sich die Damen und Herren Politiker in Berlin und anderswo über den Aufschwung der AfD?
    Ich wundere mich nicht. Gegen eine solche Politik bedarf es tatsächlich nicht einmal eines Wahlprogrammes, das wird von den etablierten Parteien kostenlos selbst geliefert.

  • Eine Stiftung für die Braunkohle und nach der Stiftung für die Steinkohle noch eine ewige Altlast für die Steuerzahler. Als nächstes folgt noch eine Stiftung für bankrotte Solarzellenhersteller und klamme Windmühlenbetreiber. Frohe Ostern!!!!!!!!!!!!!

  • Interessant: Erst fördern wir die Erneuerbaren, um dann, wenn diese erfolgreich sind, die Braunkohle zu fördern.
    Wirtschaftlicher Sachverstand klingt für mich anders. Solche Ideen sind in der Tat eine sehr gute Werbung für die AfD. Sie bestätigen das Misstrauen gegen die bisherigen Parteien.

    Im Übrigen: Wer behauptet denn, dass die Braunkohle noch benötigt wird? Die Grundlast, für die Braunkohlekraftwerke konzipiert worden sind, ist Geschichte. Was wir heute brauchen, sind flexible Kraftwerke, um die Lücken zwischen den Erneuerbaren zu füllen.

    Braunkohle ist hierfür denkbar ungeeignet und verursacht sogar negative Strompreise durch ihre Inflexibilität.

    Allerdings kann die Steinkohle für eine Übergangszeit von ca. 10 Jahren noch eine Rolle mit schwindender Last erfüllen.

    Es ist höchste Zeit, dass durch die Schließung der Braunkohlekraftwerke der Markt bereinigt wird, die Strompreise sich erholen und sich auf diese Weise der Betrieb von Spitzenlastkraftwerken wieder lohnt. Es müssen dringend Investitionsanreize für Anlagen entstehen, die zu den Erneuerbaren passen.

    Die Braunkohle gehört nicht dazu.

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