Energiewende: Deutschlands Solarbranche stürzt ab

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Energiewende: Deutschlands Solarbranche stürzt ab

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Die deutsche Solarindustrie wird vor der eigenen Haustür überrollt

von Mario Brück

Mit Subventionen in Milliardenhöhe wollte die Bundesregierung eine global agierende Solarindustrie aufbauen. Doch Deutschlands größter Solarpark ist ein Mahnmal des Niedergangs. Von den deutschen Fördermilliarden profitieren andere.

Wer an diesem Mittwochvormittag im August an die Zukunft der Solarenergie in Deutschland glauben möchte, muss mit reichlich Fantasie und Zuversicht gesegnet sein.

Es regnet. Schon seit Stunden. Nicht der schüchternste Sonnenstrahl verirrt sich durch die dunkelgraue Wolkendecke hinab auf die nagelneuen Module des Solarparks Meuro, die sich zu Zehntausenden im 30-Grad-Winkel gen Himmel recken. Auf einer Fläche von 210 Fußballfeldern mit einem Investitionsvolumen von 140 Millionen Euro entsteht rund um das Dorf Meuro einer der größten Solarparks der Republik.

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Am tristen Horizont drängt sich die Vergangenheit ins Bild: ein stillgelegter Schaufelradbagger vom benachbarten Braunkohletagebau. Hier in der brandenburgischen Gemeinde Schipkau, im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, zwischen Dresden und Cottbus, treffen Vergangenheit und Zukunft der deutschen Energiewirtschaft aufeinander. Der Braunkohletagebau rund um das Dörfchen Meuro ist tot, grüne ersetzt die braune Energie.

Doch Meuro ist nicht allein ein Symbol für die Energiewende in Deutschland. Der Solarpark ist auch ein Lehrstück über den Niedergang der deutschen Solarindustrie, über Aufstieg und Fall einer der hoffnungsvollsten Branchen der vergangenen Dekade. Vor allem die einstigen Börsenstars, die Hersteller von Zellen und Modulen, leiden unter Überkapazitäten und Preisverfall. Einige von ihnen kämpfen ums Überleben.

Ove Petersen dagegen ist ein Gewinner. "In Sektor drei werden gerade Module montiert. Da fahren wir mal hin", sagt der 37-jährige Diplom-Agraringenieur, zieht sich eine schwarze Outdoorjacke mit dem gelben Schriftzug GP Joule über und schwingt sich in einen schwarzen Pick-up.

GP Joule steht für die Projektierfirma aus dem schleswig-holsteinischen Reußenköge bei Husum, deren Gründer und Geschäftsführer Ove Petersen und Heinrich Gärtner sind. GP Joule entwickelt Wind- und Solarparks sowie Biogasanlagen, beschafft Standorte, kümmert sich um Genehmigungen und Finanzierung sowie die kaufmännische und technische Betriebsführung nach dem Bau der Projekte.

Das Unternehmen, das sich den Untertitel "Die Freilandspezialisten" verliehen hat, ist einer der Shootingstars der Solarbranche. 2008 gegründet, erzielte GP Joule mit 50 Mitarbeitern 2010 einen Umsatz von 180 Millionen Euro. 2011 sollen es rund 250 Millionen Euro werden. Ende des Jahres, wird GP Joule schon mehr als 200 Megawatt erneuerbare Energiequellen installiert haben, die Grünstrom für pi mal Daumen 60 000 Haushalte produzieren können.

Die Nordfriesen rangieren schon auf Platz elf der größten Projektierer der Fotovoltaikbranche weltweit, so eine Studie des britischen Marktforschers IMS Research. Bei Freiflächenanlagen zwischen einem und fünf Megawatt ist es sogar Platz acht. In Deutschland sind nur die Branchenriesen Juwi, Belectric und Q-Cells größer.

Seit April ziehen Petersens Leute auf den Abraumhalden des Tagebaus einen Solarpark der Superlative hoch. Mehr als 300.000 Module werden installiert. Trotz der gigantischen Ausmaße sollen Ende August schon alle am Netz sein. Die Projektverantwortlichen drücken aufs Tempo, um noch die maximal mögliche Einspeisevergütung zu bekommen, bevor wieder gekürzt wird. Die Bundesregierung fördert mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Bau von Solaranlagen. Jedoch sinkt die Einspeisevergütung seit Jahren: auf belasteten Freiflächen – dazu zählt der einstige Tagebau – von 45 Cent pro Kilowattstunde auf heute 22 Cent, garantiert für 20 Jahre ab Inbetriebnahme.

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