Global Risk Map: Die gefährlichsten Länder der Welt für Unternehmen

Global Risk Map: Die gefährlichsten Länder der Welt für Unternehmen

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Drogenkrieg in Mexiko

von Harald Schumacher

Wo Investoren und Unternehmen 2011 weltweit mit neuen Gefahren rechnen müssen, zeigt die aktuelle Risikokarte des Sicherheitsdienstleisters Control Risks.

Wenn die Sicherheitschefs deutscher Unternehmen unter sich sind – etwa bei Fachkongressen –, fallen professionelle Vorsicht und Zurückhaltung von ihnen ab, dann wird ausgesprochen, was die Öffentlichkeit nicht hören soll. Der Sicherheitsverantwortliche eines Dax-Konzerns etwa schweift von seinem Thema „Terrorprävention“ ab und berichtet über einen krassen Fall, von dem in keiner deutschen Zeitung zu lesen war: „In Südafrika wurde kürzlich einer unserer Mitarbeiter hinterrücks erschossen.“

Der Sicherheitsexperte eines global tätigen Konzerns aus Süddeutschland erzählt: Aus Südamerika meldete ein verängstigter Mitarbeiter, seine Tochter sei gekidnappt worden. Die Täter forderten, sofort 3000 Dollar zu zahlen, sonst werde das Kind getötet. Doch plötzlich meldete sich das Mädchen guter Dinge per Handy – die Straftat war vorgetäuscht. „Virtuelles Kidnapping“ nennen das Experten. Seine Aufgabe beschreibt der Sicherheitsexperte, der die Story preisgab, so: „Wir sensibilisieren Mitarbeiter für ihr Umfeld im Ausland und bereiten sie in praxisnahen Trainings auf sicherheitsrelevante Situationen intensiv vor.“

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Fälle wie diese fließen – ebenso wie politisches Umfeld, Terrorismus, Rechtssicherheit und viele andere Faktoren – in die Beurteilung der globalen Risiken durch internationale Sicherheitsdienstleister ein. Die bekannteste Analyse stellt das Sicherheitsserviceunternehmen Control Risks in seiner jährlich erscheinenden Risikokarte für alle Länder der Welt plakativ dar. Die Weltkarte, in der Control-Risks-Experten das Risiko in über 200 Ländern auf einer Skala von „unbedeutend“ bis „extrem hoch“ einschätzen, gehört in den Sicherheitszentralen vieler Unternehmen zum Wandschmuck.

Am Montag legte der Sicherheitsspezialist mit 34 Niederlassungen und rund 1500 Mitarbeitern weltweit – davon 30 in Berlin – die neue Risikokarte vor. Die WirtschaftsWoche bekam Einblick in die begleitenden Analysen.

Sicherer ist die Welt demnach nicht geworden. In 17 von 202 Ländern bewertet Control Risks politische oder Sicherheitsrisiken negativer als 2010, für elf Länder haben sich die Einschätzungen verbessert. Auch im Zehnjahresvergleich nimmt der Anteil von Ländern mit hohem oder extrem hohem Risiko zu – von 13 Prozent in der Karte für 2001 auf 16 Prozent in der Einschätzung für 2011.

Erpressung ist alltäglich

Ein bedrückendes Kapitel widmet Control Risks den Drogenkartellen in Mittel- und Südamerika. Sie entwickeln sich zur Gefahr für die legale wirtschaftliche Entwicklung und für Auslandsinvestments.

Mexiko etwa, das lange als Vorbild unter den Schwellenländern Lateinamerikas galt, wird für ausländische Unternehmen ein immer gefährlicherer Standort. „Erpressung ist alltäglich“, heißt es in der Analyse. Kriminelle und legale Strukturen vermischten sich: Die Drogenkartelle nutzten zunehmend Transportmittel und Lager legaler Unternehmen. Zwar stehe Mexiko als Staat nicht insgesamt vor dem Scheitern, doch Gewalt, Korruption und rechtsfreie Räume „werden fortdauern“.

Besonders krass ist das in Ciudad Juárez unweit der Grenze zu den USA zu beobachten. Die Stadt gilt als eine der brutalsten der Welt. Der Anti-Drogen-Kampf des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon entfesselte einen Krieg, der seit Beginn der Regierungsoffensive 2006 rund 30.000 Menschen das Leben kostete. 3100 davon starben allein 2010 in Ciudad Juárez.

Nach der Gründung der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta waren in Ciudad Juárez zahlreiche Fabriken gebaut worden. Heute kehren frühere Zuwanderer aus anderen Teilen Mexikos dem brutalen Millionenmoloch am Rio Grande aus Angst den Rücken. Ein europäisches Unternehmen, weiß Hans-Jürgen Stephan, Deutschland-Chef von Control Risks, hat seine Niederlassung in der nordmexikanischen Stadt 2010 dichtgemacht. Sein Kollege Michael Denison aus der Londoner Control-Risks-Zentrale würde trotzdem nicht grundsätzlich davon abraten, im Norden Mexikos zu investieren: „Es kommt unter anderem auf die Branche und den genauen Standort an.“

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