Air Berlin will Bürgschaften von Berlin und NRW: Krisenairline will Stütze vom Staat

Air Berlin will Bürgschaften von Berlin und NRW: Krisenairline will Stütze vom Staat

, aktualisiert 08. Juni 2017, 16:32 Uhr
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ARCHIV - Flugzeuge von Air Berlin stehen auf dem Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER, aufgenommen am 19.05.2017 in Schönefeld (Brandenburg). Bei Air Berlin fehlen derzeit Maschinen und fliegendes Personal. Deshalb mussten auch am Samstag wieder Flüge annulliert werden. (zu dpa «Wieder Flugausfälle bei Air Berlin» vom 03.06.2017) Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Quelle:Handelsblatt Online

Nachdem die Ferienflieger-Fusion mit Tuifly geplatzt ist, bittet Air Berlin jetzt die Politik um Finanzhilfe. Warum die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Berlin für den Krisenflieger bürgen sollen.

Die schwer angeschlagene Fluglinie Air Berlin sucht Hilfe bei der Politik. Die Fluggesellschaft habe bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt, sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Donnerstag. Sprecher der Staatskanzleien wollten sich dazu nicht äußern. Die Flughäfen Düsseldorf und Berlin nutzt Air Berlin als wichtige Drehkreuze. In der Bundeshauptstadt hat der Konzern seinen Firmensitz.

Air Berlin hatte voriges Jahr knapp 800 Millionen Euro Verlust eingeflogen und ist auf Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad angewiesen. Die „Welt“ hatte zuerst über die Anfrage berichtet. Tatsächlich braucht Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft dringend eine neue Strategie, um die Krise hinter sich zu lassen.

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Der Grund: Ihr Großaktionär Etihad verfolgt das Ziel eines gemeinsamen Ferienfliegers von Air Berlin mit Tuifly nicht weiter, wie die arabische Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte der Tui-Konzern bekanntgemacht, dass die Verhandlungen über das geplante Joint Venture nicht fortgeführt würden. Damit ist ein wichtiger Baustein der geplanten Sanierung von Air Berlin weggebrochen. „Die Urlaubsflüge der Air Berlin Group werden nun als separate Geschäftseinheit weitergeführt, unter der Marke Niki“, heißt es in der Stellungnahme von Etihad. Weitere Details dieser Struktur würden „zu gegebener Zeit“ von Air Berlin bekanntgegeben.

Air Berlin hatte das Touristikgeschäft an ihren österreichischen Ableger Niki abgegeben und dafür bereits im Dezember und Januar 300 Millionen Euro von Etihad erhalten. Niki sollte unter Führung von Etihad in einem Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tuifly aufgehen, der zum Reisekonzern Tui gehört.

Etihad teilte mit, in monatelangen Verhandlungen hätten die Beteiligten keine Übereinkunft über die „endgültige Beschaffenheit eines solchen Joint Venture“ erreicht. Air Berlin stellte fest, mit dem Abbruch der Verhandlungen sei ausschließlich eine Änderung der Gesellschafterstruktur verbunden. Dies habe „keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Air Berlin Group“. Der Winterflugplan der Tochter Niki sei freigeschaltet und Niki fliege ihre Ziele auch planmäßig an.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und hält sich seit langem nur noch mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Zuletzt hatte der deutsche Branchenprimus Lufthansa offen Interesse an einer Übernahme von Air Berlin bekundet.

Allerdings müssten dazu die Betriebskosten der Airline sinken, Etihad müsse die Schulden übernehmen und die Aufsichtsbehörden müssten zustimmen, stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar. Ein Teil von Air Berlin ist seit Februar bereits für die Lufthansa unterwegs. Der Konzern hat 38 Maschinen samt Personal für seine Töchter Eurowings und Austrian Airlines gemietet.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann fasst zumindest eine erweiterte Partnerschaft mit der Lufthansa ins Auge. „Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen“, hatte der Manager kurz vor der jüngsten Entwicklung der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt. „Ich prüfe alles, was für Air Berlin Sinn ergibt und die Arbeitsplätze langfristig sichert.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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