Aldi Süd: Discounter plant Onlineshop in China

Aldi Süd: Discounter plant Onlineshop in China

, aktualisiert 21. November 2016, 19:17 Uhr
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Aldi-Süd: Von Mülheim an der Ruhr ins Reich der Mitte.

von Henryk Hielscher und Niklas Dummer

Aldis weltweite Expansion nimmt Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2017 will der Discounter einen Onlineshop in China starten. Auch auf dem Stammmarkt ist Aldi nach einer Zeit der Stagnation wieder auf Wachstumskurs.

Der Titel klang verheißungsvoll: „Moon“ war ein Strategiepapier überschrieben, das einst in der Zentrale von Aldi Süd zirkulierte und reichlich Aufregung im Topmanagement verursachte. Schließlich befasste sich die interne Analyse mit den künftigen Expansionsmöglichkeiten des Discounters, der sich in Europa schon damals seinen Wachstumsgrenzen näherte.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Globus

    Bruttoumsatz 2015: 4,82 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Rossmann

    Bruttoumsatz 2015: 5,75 Milliarden Euro

  • Platz 8

    dm Drogeriemarkt

    Umsatz in Deutschland: 7,03 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Tengelmann-Gruppe

    Bruttoumsatz 2015: 7,7 Milliarden Euro ( Außenumsatz aller Vertriebsbereiche (Obi inkl. Franchisenehmer))

  • Platz 6

    Lekkerland

    Bruttoumsatz 2015: 9,08 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Bruttoumsatz 2015: 26,13 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Bruttoumsatz 2015: 27,8 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Bruttoumsatz 2015: 34,54 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Bruttoumsatz 2015: 39,61 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Bruttoumsatz 2015: 53,28 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Die Kernaussage: Nur der Ausbau des US-Geschäfts sowie ein Markteintritt in China böten Wachstumspotenzial für Jahrzehnte, berichtet ein ehemaliger Aldi-Manager, der Einblick in die damals geheimen Moon-Papiere hatte.

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Während sich die Supermarkt-Konkurrenz um Rewe und Edeka gut zwei Jahre mit dem Übernahmehickhack um Kaiser’s Tengelmann aufgehalten haben, hat Aldi in künftiges Wachstum investiert: Die Mühlheimer wenden Milliarden auf für die Modernisierung ihres deutschen Filialnetzes – und planen weltweit neue Standorte.

Wie Aldi groß wurde

  • Die Idee

    Wer hatte eigentlich die Idee Aldi so zu gründen, wie wir es heute kennen? Es wird wohl nie endgültig zu klären sein. Aber viele Indizien deuten darauf hin, dass es eher Karl Albrecht war als sein Bruder Theo. Das soll aber nicht schmälern, welch wichtigen Beitrag auch Letzterer beitrug.

  • Wiege im Hinterstübchen

    Der Krieg war aus. 1946 im zerbombten Essen-Schonnebeck begann die Erfolgsgeschichte zwischen Lebensmittelkartons und Krämerware. Das Brüderpaar Karl und Theo Albrecht erkannte die Chance, die die Phase der sozialen Umorientierung bot. Sie bauten den Tante-Emma-Laden der Eltern aus.

  • Es reicht nicht

    Karl und Theo Albrecht erkannten rasch, dass der Laden der Eltern ihnen beiden keine Zukunftsaussicht bot. Sie entdeckten die betriebswirtschaftliche Zauberformel der Zeit „Nachfrage versus Bedarfsdeckung“ für sich und schafften es, sie im Sinne des Kunden zu lösen.

  • Das geniale Gespann

    Karl und Theo Albrecht lebten die Anforderungen der damaligen Zeit in perfekter Symbiose. Sie hatten weder äußerlich viel gemeinsam noch waren sie ähnlich gepolt. Theo überragte seinen Bruder um Kopfeslänge. Doch der „Kleinere“ war Vordenker und Impulsgeber. Ungeduldig, beredt, rastlos, bisweilen explosiv war Karl. Theo wirkte dagegen eher zurückhaltend, sogar zögerlich abwägend.

  • Die Aufgabenteilung

    Die beiden Brüder waren in ihrer uniformen Arbeitsauffassung füreinander ein Glücksfall. Von vornherein waren die Aufgaben geteilt: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichende Menge zu erhalten. Theo betreute die Verkaufsstellen sowie die Verwaltung und Buchhaltung.

  • Der Aufstieg

    1946 begann es mit dem kleinen Laden der Eltern. 1950 nannten die beiden Brüder eine Kette von 13 Läden inklusive Bedienungen ihr Eigen. Nun strukturierten sie ihre Läden nach dem Discountprinzip um. 1961 trennten sie ihre Geschäfte in Aldi Nord und Aldi Süd.

  • Die Lebensweise der Brüder

    Zur moralischen Stabilität ihrer Konzerne trug maßgeblich die persönliche Lebensweise der Brüder bei. Beide waren im Auftreten zurückhaltend und lebten bescheiden. Sie waren nach alter Schule nach den Prinzipien Sparsamkeit und Kargheit erzogen.

  • Der einzige Luxus

    Als einzigen „Luxus“ erlaubten sie sich ein eigenes Auto. Auf sein Golfschloss in Donaueschingen schickte Karl Albrecht seine Führungskräfte zum Entspannen. Die Brüder kannten keine Scheu vor ihrer kleinbürgerlichen Herkunft. Die Adresse Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck wollten sie nie abstreifen. Sie waren stets praktizierende Katholiken und wollten in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich wahrgenommen werden.

  • In dubio pro Theo

    Theo Albrecht hatte eine Marotte: Er wollte jede Filiale sehen, bevor die zentrale Schreinerei an die Fertigung der Regale und Einrichtungsteile ging. Dabei kümmerte den Hobbyarchitekten die Delegation von Aufgaben zur eigenverantwortlichen Erledigung nur bedingt. Es galt: In dubio pro Theo.

  • Strategische Grundsatzentscheidung

    Es gab durchaus Spannungen zwischen dem quirligen Theo und dem abwägenden Karl Albrecht. Besonders deutlich wurde das beim ersten Schritt über die Grenzen Deutschlands. 1971 expandierte Aldi nach Österreich. Karl war es, der die Familie als erster international aufstellte. Heute firmiert Aldi Nord in Österreich übrigens unter dem Namen „Hofer“.

  • Die Aldi-Burka

    Verschwiegenheit war stets Trumpf im Hause Albrecht. Aldi lässt sich partout nicht in die Karten schauen. Die totale Verschleierung aller Kulissen ist institutionalisiert. So wenig undichte Stellen wie möglich, lautet die Devise.

  • Selbstverordnete Kasteiung

    Die Brüder gaben sich Maßregeln, die zu unverrückbaren internen Prinzipien wurden: Keine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Keine Firmensprecher. Keine Interviews im Radio oder Fernsehen. Keinerlei mondäner Lifestyle. Keine Lobbyarbeit. Keine Firmenjubiläen. Lückenlose Rückgabe von Werbegeschenken.

  • Zurückhaltung aus gutem Grund

    Die Zurückhaltung hatte einen guten Grund: Abgucker und Schmarotzer sollten keine Gelegenheit  zur Einsicht in Interna haben. Die innovative Discount-Struktur war eine zarte Pflanze und schutzbedürftig. Das neue Konzept musste sich in Ruhe verfestigen. Erfahrungen waren Gold wert.

  • Der Verwaltungsrat

    Aldis Verwaltungsrat ist ein frei schwebendes Organ. Gesellschaftsrechtlich ist es nirgendwo in den Statuten eingebunden. Seine Mitglieder haben freiberuflichen Status, sind aber dennoch die „Macher“: Der Verwaltungsrat ist das zentrale Machtorgan des Konzerns. Aldi steht seit jeher zu seinem Führungssystem, dass sich mit dem Wort Durchgriffs-Management am besten umschreiben lässt. Der Verwaltungsrat hat den Alleinführungsanspruch.

  • Der Mustermitarbeiter

    Aldi stellte stets besondere Anforderungen an seine Mitarbeiter und richtet seine Personalsuche darauf ab. Vorstellungsgespräche sind exzessiv angelegt, manchmal über mehrere Sitzungen. Man lotet die charakterlichen und sozialen Hintergründe des Bewerbers genau aus. Personalvermittlungen kommen nicht zum Zug.

     

  • Das Aldianer Stellenprofil

    Natürlich variiert das Anforderungsprofil je nach Stelle, aber es gibt gewisse Grundvorstellungen: Der Bewerber sollte unauffällig und zurückhaltend im Auftreten sein, seine Bekleidung schlicht und gediegen, seine Herkunft möglichst bodenständig, die Familienverhältnisse geordnet, Sparsamkeit wird sehr geschätzt wie auch Pflichtbewusstsein und Normalität hinsichtlich des Lebensprinzips.

  • Hauseigene Führungskräfte

    Das Warenumschlagssystem von Aldi mit seinen schematisierten Abläufen erfordert erfahrene Praktiker. Es wird nicht vorrangig Kopfarbeit am Schreibtisch verlangt. Wer richtig aufsteigen wollte, hatte bei den Albrechts eine Ochsentour vor sich. Ein Akademikerstatus ist entbehrlich.

  • Zeitmanagement und Prämien

    Für Aldi liegt das Geheimnis des langfristigen Erfolges im Zeitmanagement der Führungskräfte. Es gibt eine detaillierte Planungsphilosophie und strenge Normen nach dem Motto: Plan dich oder friss dich! Zudem hat Aldi ein umfangreiches Prämiengerüst. Bezirksleiter bekommen solche und vergeben wiederum welche an ihre Filialleiter. Einzig der Geschäftsführer bekommt keine Prämie.

  • Die Handbücher

    Wer den Ansprüchen Aldis gerecht werden will, muss sie beherrschen: die Handbücher. Das gilt aber vor allem für die regionalen Geschäftsführer. Aldi Nord hat im Laufe der Jahre alles, was Firmeninterna angeht, in solchen Handbüchern fortgeschrieben. Da ist einiges Zusammengekommen – viel Lesestoff.

  • Wenig zu lachen

    Aldi-Mitarbeiter lachen wenig. Zu stark lastet der Druck auf allen. Er wird von der Spitze her aufgebaut und durchgereicht. Das einzige, was lacht, ist die Liquidität.

  • Der Autor

    Es ist auch für Journalisten vom Fach sehr schwierig, Details über die beiden Aldi-Konzerne herauszubekommen. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert und somit nur zu bestimmten Veröffentlichungen verpflichtet. Umso wertvoller sind glaubwürdige und detaillierte Berichte, wie sie Eberhard Fedtke in seinem Buch nun geliefert hat. Er war viele Jahre lang Gesellschafter bei dem Konzern.

     

    Bibliografie:

    Eberhard Fedtke

    Aldi Geschichten. Ein Gesellschaftler erinnert sich

    NWB Verlag, Herne 2011

    296 Seiten

     

Der Vorstoß zeigt Wirkung: In Amerika erweitert der Handelskonzern derzeit mit voller Kraft sein Filialnetz, rund 500 neue Standorte sollen in den nächsten Jahren dazukommen. Und auch in China will Aldi nun starten.

Bereits "im zweiten Quartal 2017" will der Discounter in China ausgewählte Artikel aus seinem Sortiment über eine Online-Handelsplattform verkaufen. Das bestätigte eine Sprecherin der australischen Aldi-Landesgesellschaft der WirtschaftsWoche. In dem Online-Shop sollen demnach vor allem Weine und ungekühlte Lebensmittel angeboten werden.
Aldi habe den chinesischen Markt zuvor über mehrere Jahre intensiv untersucht und die Optionen für den Markteintritt geprüft. Später könnten auch stationäre Shops folgen, heißt es in der Branche.
Australien, wo Aldi Süd seit 2001 aktiv ist, dient als Sprungbrett für die Expansion. Australische Lieferanten würden einen Großteils des Sortiments für den Online-Shop stellen und "bekommen so Zugang zum weltgrößten Markt mit 1,4 Milliarden Kunden", teilte das Unternehmen mit.

Trotz der Expansionspläne verliert der Billigheimer auch den heimischen Markt nicht aus den Augen.

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