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Küken töten bleibt erlaubtGlückliche Eier sind schwer zu finden

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat entschieden: Das massenhafte Töten männlicher Küken ist mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Wer das als Kunde durch seinen Einkauf verhindern möchte, hat es nicht leicht.Thorsten Firlus 20.05.2016 - 14:45 Uhr

Die umstrittene Praxis, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu töten, verstößt laut Gericht nicht gegen das Tierschutzgesetz.

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Der Kunde bestimmt. Dieses Argument wird immer wieder herangezogen, wenn es darum geht, dass Produkte nicht hergestellt werden, wie es ethisch geboten scheint.

Die gängige Argumentation lautet, dass wenn der Kunde aufhört, T-Shirts für wenige Euro oder Fleisch zum Niedrigpreis zu kaufen, würde sich auf lange Sicht etwas an den Produktionsbedingungen in Bangladesch oder in den Ställen der Fleischproduzenten ändern. Kaufen mit gutem Gewissen – das wollen immer mehr Menschen.

Dass es nicht immer so einfach ist, zeigt sich am Hühnerei. Besonders heute, nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster. Dort wurde erneut darüber gestritten, ob das Töten von Millionen von männlichen Küken verboten werden kann.

Verbraucher wollen keine Gentechnik. Etwa 83 Prozent der deutschen Verbraucher lehnen nach einer Forsa-Umfrage (Juni 2012) gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Ein Grund, warum es hierzulande kaum Lebensmittelhersteller gibt, die Zutaten aus Gen-Pflanzen direkt verarbeiten. Nicht ganz so erfreulich schaut es hingegen bei tierischen Artikeln wie Fleisch, Eiern und Milch aus, denn 80 Prozent der Gen-Pflanzen landen am Ende im Tierfutter.

Foto: dpa

Die Umweltorganisation Greenpeace präsentiert in ihrer neuen Broschüre „Essen ohne Gentechnik“ die Ergebnisse einer spannenden Untersuchung. Die Experten haben getestet, ob Markenhersteller bei tierischen Produkten Gen-Pflanzen im Tierfutter einsetzen und zeigen, welche Supermarktketten auf Produkte ohne Gentechnik setzen.

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Platz 1: Alnatura

Der südhessische Bio-Händler Alnatura schneidet am besten ab. Hier werden nur Produkte aus biologischer Produktion verkauft, die frei von Gentechnik sind. Die Naturkostkette vertreibt auch Bio-Lebensmittel unter einer eigenen Marke, die auch in Partnerschaft mit anderen Händlern wie dm, Tegut und Budni verkauft werden.

In der ökologischen Landwirtschaft sind Gentechnik in Lebensmitteln oder im Tierfutter sowie chemisch-synthetische Spritzmittel tabu. Auch die Tierhaltung erfolgt nach strengeren Kriterien und Kontrollen.

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Platz 1: Dennree

Der Bio-Großhändler Dennree, der seinen Hauptsitz im Nordbayrischen Töpen hat, teilt sich den ersten Platz mit Alnatura und setzt ebenfalls keine Gen-Pflanzen ein; auch in der Tierfütterung nicht. Mit einem Umsatz von 420 Millionen Euro hat Dennree im vergangenen Jahr ein zweistelliges Wachstum von 12,8 Prozent erreicht. Das 1974 gegründete Unternehmen gilt als Bio-Pionierunternehmen und startete damals mit vier Bio-Milchprodukten in den Handel. Inzwischen sind täglich gut 200 firmeneigene Lkws unterwegs, um über 1.300 Naturkostfachgeschäfte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol/Italien mit inzwischen über 11.000 Artikeln zu beliefern.

(Foto: Dennree GmbH)

Foto: PR

Platz 2: Tegut

Die deutsche Supermarktkette Tegut legt viel Wert auf Bio-Ware und Produkte ohne Gentechnik. Kunden, die in einem Tegut-Markt einkaufen, erkennen das an dem Logo auf den Produkten. Die Firma hat als erste Kette ihre Eigenmarken bei Milch, Sahne, Schmand und Joghurt mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel ausgezeichnet und betreibt sogar eine eigene Fleischerei für Schweineprodukte. Unter der Eigenmarke „LandPrimus“ garantiert Tegut eine gentechnikfreie Fütterung.

Andere Eigenmarken, bei deren Herstellung auf Gentechnik verzichtet wird, sind „tegut...Bio“, „Herzberger Bäckerei“ und „Rhöngut“. Außerdem alle Eiermarken.

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Platz 3: Aldi Nord

Bio-Lebensmittel vom Discounter sind beliebt und müssen nicht mehr teuer sein. Inzwischen gibt es auch bei Aldi eine Menge Natur-Lebensmittel. Im Greenpeace-Ranking landet Aldi Nord auf dem dritten Platz, weil der Konzern seit zehn Jahren bei der Geflügelfütterung auf Gentechnik verzichtet. Nur bei Schweine- und Rindfleisch könnte das Engagement wohl noch etwas mehr sein.

Mit „Gut Bio“ bietet Aldi Nord eine Eigenmarke an, bei deren Herstellung auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet wird - das gilt auch für alle Eiermarken. Bei Hähnchen- und Putenfleisch sind es die Marken „Bauernglück“ und „Farmfreude“.

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Platz 4: Aldi Süd

Identisch sieht es bei dem Discounter Aldi Süd aus, der ebenfalls mit zusätzlichen Bio-Produkten mehr Kunden in seine Filialen locken will. Vor zehn Jahren hat sich das Unternehmen bei der Geflügelfütterung von Gentechnik verabschiedet. Nachholbedarf besteht jedoch noch bei Schweine- und Rindfleisch.

Aldi Süd hat mit der Eigenmarke „bio“ ein garantiert gentechnikfreies Produkt im Regal. Außerdem sind alle Eiermarken gentechnikfrei.

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Platz 4: Kaufland

Der Handelskonzern Kaufland „liegt beim Verzicht auf Gentechnik im besseren Bereich“, schreiben die Greenpeace-Experten. Der Grund: Er verkauft bereits einige gekennzeichnete Produkte und befindet sich damit, ebenso wie die Discounter, auf dem "richtigen Weg". Vor allem bei der Eigenmarke „Kaufland Bio“, im Auftrag der Kette hergestellt, wird auf den Einsatz von Gentechnik ganz verzichtet. Das gilt auch für alle Eiermarken und beim Hähnchenfleisch für die Marke „K-Klassic“

Geziert wird sich noch bei der Kennzeichnung der Produkte mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel, das im Mai 2008 eingeführt wurde. Damit können Hersteller tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Milch in Deutschland kennzeichnen.

Foto: dpa

Platz 5: Lidl

Auch der Lebensmitteldiscounter Lidl kann inzwischen in fast jeder Warengruppe ein Bio-Produkt anbieten. Beim Verzicht auf Gentechnik liegt das Unternehmen „im besseren Bereich“. Lidl hat außerdem mit „Biotrend“ eine regionale gentechnikfrei hergestellte Marke im Angebot. Auch alle Eiermarken sind gentechnikfrei, beim Hähnchen- und Putenfleisch gilt dies für die Marke „Landjunker“, bei Milch und Molkereiprodukten wie Butter, Quark, Rahmjoghurt und Rahmkäse für „Ein gutes Stück Heimat“.

Foto: AP

Platz 6: Penny

Der Lebensmittel-Discounter Penny, der zum zweitgrößten deutschen Handelskonzern Rewe gehört, startet mit einer Umstellung auf gentechnikfreie Futtermittel aus Europa. Schon jetzt wird bei der eigenen Marke „Columbus“ ganz auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet, bei Milch ist es die Marke „Penny/Pro Planet“.

Nachholbedarf hat der viertgrößte Discounter nach Aldi, Lidl und Netto noch bei der Auszeichnung der Produkte mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel.

Foto: dpa

Platz 6: Rewe

Auch der Mutterkonzern und Handelsriese Rewe will in Zukunft auf europäische Futtermittel setzen, die Gentechnik ausschließen. Mit regionalen Marken ist die Umsetzung bereits in vollem Gange und mit der Eigenmarke „Rewe Bio“ hat die Kette bereits ein Produkt im Regal, bei dem völlig auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet wird. Die Umstellung auf gentechnikfreie Futtermittel mit Milchprodukten der Marke Pro Planet startet derzeit in Mittel und Westdeutschland.

Bei Eiern sind die „ja!“- und „Rewe“-Marken gentechnikfrei, bei Hähnchen- und Putenfleisch die Marken „Brandenburg“ und „Juwel“, bei Milch „ja!/Pro Planet“

Foto: dpa

Platz 7: Norma

Auch der Supermarkt Norma befindet sich wie seine Kollegen von Aldi, Kaufland, Lidl, Rewe und Penny bereits auf dem richtigen Weg und verkauft gekennzeichneten Käse („Leckerrom Genussländer“, „St. Alpine“). Es gibt auch eine Eigenmarke, bei der ganz auf Gentechnik verzichtet wird: „Bio Sonne“. Das gilt auch beim Hähnchen- und Geflügelfleisch für die Marke „Gut Langenhof“.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 8: Coop

Der größte Schweizer Handelskonzern - nach Umsatz und Mitarbeiterzahl - versteht sich als regionale Kette und forciert die Nähe zu Produzenten und Kunden. Ganz auf Gentechnik verzichtet der Konzern bei der Eigenmarke „Unser Norden Bio“. Bei Eiern bei den Marken „Unser Norden Freiland“, „Bodenhaltung Landeier“, „Bodenhaltung Korn“ und „Freiland lose L-XL“.

Foto: PR

Platz 9: Edeka

Die größte deutsche Lebensmittelkette kommt laut Greenpeace nicht gut weg und schneidet in dem Ranking besonders schlecht ab. Zwar will das Unternehmen künftig auf Gentechnik verzichten, jedoch nur in der Sojafütterung. Außerdem, so Greenpeace, mangelt es derzeit noch an konkreten Umsetzungsplänen. Während andere Supermärkte wenigstens bei frischem Hähnchen und Putenfleisch gentechnikfreie Fütterung bei ihren Eigenmarken zusichern, habe Edeka selbst dabei noch Probleme. Immerhin wird bei der Eigenmarke „Edeka Bio Wertkost“, allen Eier-Eigenmarken und bei der Molkereimarke „Unsere Heimat“ auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet.

Foto: dpa

Platz 9: Netto

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Auch die Edeka-Tochter Netto rangiert auf einem der letzten Plätze, denn, so Greenpeace, „noch weiß der Kunde hier nicht, wie die Gentechnik zukünftig vermieten werden soll.“ Bislang gibt es die Eigenmarke „NettoBio“, bei der - wie bei allen Eiermarken - ganz auf Gentechnik verzichtet wird.

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Platz 10: Tengelmann

Mit ihrem Klimamarkt in Mülheim an der Ruhr verbraucht die Tengelmann-Gruppe zwar 50 Prozent weniger Energie als vergleichbare Märkte. Geht es allerdings um den Verzicht auf Gentechnik, liegt der Konzern im schlechteren Bereich und belegt im Greenpeace-Ranking den vorletzten Platz. Zwar sei man mit Produzenten in Diskussion, der Verzicht ist aber noch nicht überall schriftlich festgehalten. Als gentechnikfreie Eigenmarke hat Tengelmann „Naturkind“ im Regal.

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Platz 11: Real

Der Handelskonzern Metro, zu dem die Supermarktkette Real gehört, hat einiges aufzuholen, um den Wunsch nach Fütterung ohne Gentechnik nachzukommen. Das Urteil von Greenpeace fällt entsprechend hart aus: „Hier stecken die Bemühungen um gentechnikfreie Ware noch in den Kinderschuhen oder werden nur halbherzig ohne konkrete Zeitpläne vorangetrieben.“ Mit „real Bio“ hat der Händler aber eine Eigenmarke im Programm, bei der ganz auf Gentechnik verzichtet wird.

Foto: dpa

So wurde bewertet

Die Greenpeace-Bewertung basiert auf firmeneigenen Auskünften. Es wurden Fragebögen an 16 Supermarktketten verschickt, die gebeten wurden, detaillierte Fragen zu Gentechnik im Essen und Tierfutter zu beantworten. Zu folgenden Themen konnten die Konzerne Stellung nehmen:

1. Fütterung heute: Kann bei der Produktion von Milch, Eiern, Fleisch eine Fütterung ohne Gentechnik zugsichert werden? Welche Produkte wurden bereits umgestellt?

2. Fütterung bis 2014: Wird in den nächsten drei Jahren eine Fütterung ohne Gentechnik angestrebt? Wenn ja: für welche Produktsparten und Eigenmarken?

3. Transparenz: Wie kann der Verbraucher bei den Eigenmarken erkennen, ob tierische Produkte ohne gentechnisch veränderte Pflanzen im Tierfutter hergestellt wurden?

Foto: dpa

Im grünen Bereich

Bei der Beantwortung konnten maximal 818 Punkte erreicht werden, die in Prozentpunkte umgerechnet wurde. Bei 100 Prozent garantiert ein Unternehmen, auf Gen-Pflanzen in der Produktion zu verzichten und liegt damit im obersten grünen Bereich.

Je geringer die Prozentzahl, desto unklarer ist laut Greenpeace, wie der Supermarkt mit Gentechnik und Verbrauchertransparenz umgeht. Dabei bedeutet die Prozentzahl jedoch nicht, dass dieser Anteil der Produkte gentechnikfrei ist.

Alnatura: 99,4 %

Dennree: 99,4 %

Tegut: 76 %

Aldi Nord: 55,4 %

Aldi Süd: 55,4 %

Kaufland: 54,6 %

Lidl: 54,5 %

Penny: 52,4 %

Rewe: 52,4 %

Norma: 50,4 %

Coop: 38,6 %

Edeka: 37,7 %

Netto: 37,7 %

Kaiser`s/Tengelmann: 37,3 %

Real: 34,4 %

Foto: dpa

Das Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen hat 2013 per Erlass dies unterbinden wollen. Zwei Brütereien, in denen die männlichen Küken getötet werden, klagen dagegen. Die Richter haben entschieden: Das Töten verstößt nicht gegen den Tierschutz, die klagenden Brütereien dürfen auch weiterhin die männlichen Küken töten.

Die Bundesregierung lehnt ein Verbot grundsätzlich ab und setzt auf technische Lösungen, die 2017 zur Verfügung stehen sollen. Dabei wird bereits vor dem Schlüpfen erkannt, welches Geschlecht der Embryo hat.

Die männlichen Küken der Legehuhnrassen eignen sich nicht für die Produktion von Geflügelfleisch. Deswegen werden sie aussortiert und getötet. Konsumenten, die versuchen Eier von Produzenten zu kaufen, die dies nicht tun, stoßen schnell an die Grenzen.

Küken werden in den Brütereien vergast

Vor allem bei Fleisch oder Milchprodukten sollen Siegel der Verbände wie Demeter, Bioland oder Naturland dem Kunden das Vertrauen geben, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden. Doch auch die Eier von Bauernhöfen von Bioland oder Demeter stammen nicht automatisch aus Züchtungen, die die männlichen Tiere überleben lassen.

Für die Landwirtschaft stellt sich das Problem, dass es bislang nicht gelungen ist, eine Rasse zu züchten, die sowohl Eier produziert als auch als Fleischlieferant geeignet ist. Die Verbände Demeter und Bioland haben die „Ökologische Tierzucht gGmbH“ gegründet. In dieser soll ein sogenanntes Zweinutzungshuhn gezüchtet werden, sagt Gerald Wehde von Bioland. Eine rasche Lösung, die das Töten binnen kurzer Zeit unnötig machen würde, ist das allerdings nicht. „Die Angabe eines genauen Datums, wann ein Zweinutzungshuhn "wirtschaftlich" ist, ist schwierig“, sagt Wehde.

Chlor-Hühnchen

US-amerikanische Fleischhersteller legen geschlachtete Hühnchen und viele andere Schlacht-Tiere für ein bis drei Stunden in chlorhaltige Desinfektionsbäder oder besprühen sie mit hoch- dosierter Chlor-Lösung. Das finden die meisten Europäer widerlich. Und so avancierten die „Chlorhühnchen“ und ihr möglicher Import zum Inbegriff aller Übel, die Verbrauchern durch die TTIP-Verhandlungen drohen könnten. Dieses transatlantische Abkommen soll den freien Handel zwischen den USA und Europa erleichtern. Tatsächlich ist eine solche Chlorbehandlung für Fleisch in Europa bisher nicht zulässig. Die Sorge: Durch die Behandlung könnten gesundheitsschädliche Chlorverbindungen entstehen.

Tipp für den Haushalt: Weil bei nicht entkeimtem Geflügel die Möglichkeit einer Salmonellen-Infektion besteht, sollte das Fleisch gut durchgebraten werden. Messer und Brettchen, die mit dem rohen Fleisch in Kontakt kamen, gut abwaschen und keinesfalls für andere Lebensmittel wie die Zutaten für den Salat benutzen. Hände waschen!

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Verzehrfertiger Salat

Auch Salat, Gemüse und Obst darf in den USA mit Chlorwasser behandelt werden. In Europa ist das – wie auch das schwache Chloren des Trinkwassers – nicht generell verboten. Der gezielte Einsatz von Chlor zur Desinfizierung von Obst und Gemüse muss in der EU aber genehmigt werden, wofür jedes Land selbst zuständig ist. So verbieten Deutschland, Österreich und Dänemark das Chlorieren des Salat-Waschwassers. Belgien und Frankreich gestatten es in sehr geringen Maße. Die Dosis ist aber viel niedriger als bei der US-Chlordusche für Hühnchen.

Tipp: Gerade der fertig geschnibbelte, verzehrfertige Salat ist eine echte Keimbombe und ebenso empfindlich wie rohes Hackfleisch. Denn durch das Schneiden werden die Pflanzenzellen verletzt, so dass Zucker und andere Nährstoffe austreten – Mikororganismen leben dort wie im Paradies. Deshalb gehört Fertigsalat in den Kühlschrank und sollte nach spätestens drei Tagen gegessen sein.

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Radioaktiv bestrahlte Lebensmittel

Um Keime abzutöten, benutzen Hersteller vor allem von Obst, Gemüse, Gewürzen oder Meeresgetier schwach ionisierende Strahlung, was vor einigen Jahren für heftige Diskussionen sorgte. In USA werden zudem auch Fleischprodukte wie das Hackfleisch für Hamburger so behandelt. Das Bestrahlen ist aber auch in einigen europäischen Ländern gestattet, zum Beispiel in Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Tschechien, Polen und in Großbritannien. In Deutschland ist diese Methode nur für getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze erlaubt. Allerdings dürfen bestrahlte Erdbeeren, Pilze oder Zwiebeln aus anderen Ländern auch in Deutschland angeboten werden, müssen aber gekennzeichnet sein. Selbst eine Tiefkühlpizza, die mit bestrahltem Pfeffer gewürzt ist, muss auf der Zutatenliste den Hinweis „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ tragen. Auch in Restaurants oder Kantinen müssen die Kunden durch Aushang oder Hinweise auf der Speisekarte darüber informiert werden – jedenfalls lautet so die Gesetzgebung.

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Rohmilchkäse

Moderne Molkereibetriebe haben heute sehr strenge Wareneingangskontrollen. Hier wird geprüft, ob die Rohmilch mit Keimen oder Medikamentenrückständen belastet ist. Früher war es dagegen durchaus möglich, die Milchchargen, die zum Beispiel durch die Milch von Kühen mit eitriger Euterentzündung nicht für die Frischmilch taugten, zu H-Milch zu verarbeiten. Das entsprechende Behandlungsverfahren – das sogenannte Ultrahocherhitzen – macht jeglichen Keimen den Gar aus, so dass keine Gesundheitsgefahr bestand. Appetitlich war das trotzdem nicht.

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Hormonbelastetes Fleisch

In den USA sind Hormone als Wachstumsbeschleuniger zugelassen. In Europa ist das verboten und der Import von solchem Fleisch nicht erlaubt.

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Genetechnisch veränderte Lebensmittel

In den USA werden große Mengen gentechnisch veränderten Sojas, Mais und Raps und hergestellt und ohne Kennzeichnung verkauft. In Europa ist eine Kennzeichnung vorgeschrieben, wenn der Anteil des gentechnisch veränderten Organismus (GVO) über 0,9 Prozent liegt.

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Rohmilchkäse

Während es in Europa ganz selbstverständlich ist, aus unbehandelter Milch leckere Käsesorten wie Camembert, Brie, Roquefort oder Emmentaler herzustellen, graut es hier –wegen der möglichen Keimbelastung – die amerikanischen Verbraucher. Deshalb müssen alle aus Europa in die USA exportierten Weichkäse aus pasteurisierter Milch hergestellt werden. Zuletzt erklärte die US-Gesundheitsbehörde FDA im vorigen Jahr auch den aus Nordfrankreich stammenden orangefarbenen Hartkäse Mimolette für ungenießbar: Besonders ekelhaft fanden die FDA-Prüfer die Rinde des Käses. Sie wird zwar nicht mit gegessen, aber auf ihr leben mikroskopisch kleine Milben. Sie verhelfen dem Käse zu seinem leicht nussigen Aroma.

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Klonfeisch

In den USA werden inzwischen Hochleistungsrinder von Züchtern mit der selben Methode geklont, die erstmals beim Schaf Dolly 1996 erfolgreich war. Da es sich aber um sehr wertvolle Zuchttiere handelt, kommt deren Fleisch selbst in Amerika allerdings in der Regel nicht in den Handel, sondern nur die Steaks ihrer traditionell gezüchteten Nachkommen.

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Antibiotika in Fleisch

Sowohl in den USA wie in Europa sind Antibiotika in der Tierzucht nicht mehr als Mastbeschleuniger erlaubt, sondern nur noch um kranke Tiere zu behandeln. Theoretisch jedenfalls. Die Kontrolle ist allerdings schwierig – und sie liegt in den Händen derselben Tierärzte, deren Geschäft es ist, den Bauern Tierarzneimittel zu verkaufen. So wurden laut Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2011 gut 1.734 Tonnen Antibiotika von der pharmazeutischen Industrie an Veterinäre geliefert. Im Jahr 2012 bekam beispielsweise ein Masthähnchen durchschnittlich an zehn seiner 39 Lebenstage Antibiotika – und das sei nach Aussage des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren die Regel, nicht die Ausnahme. Allerdings ist die Belastung mit Antibiotika beim Fleisch in Deutschland nach Angaben des BVL rückläufig. So wurden im Jahr 2012 im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans 58.998 Proben untersucht. Davon waren 268 positiv, wurden also beanstandet. Der Prozentsatz der ermittelten positiven Rückstandsbefunde war mit 0,45 Prozent etwas niedriger als im Jahr 2011. Damals waren 0,56 Prozent und im Jahr 2010 noch 0,73 Prozent der untersuchten Planproben mit Rückständen belastet.

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Pferdefleisch in Lasagne

Wie schwer die Kontrolle von Lebensmittelgesetzen auch in Europa ist, zeigte der Lasagne-Skandal Anfang des vorigen Jahres. Damals tauchten massenweise falsch deklarierte  Tiefkühlprodukte wie Lasagnen, Canneloni oder Moussaka in den Supermärkten auf. Deren Hackfleischfüllungen bestanden nicht nur aus Schwein oder Rind, sondern auch aus Pferdefleisch. Das ist zwar grundsätzlich sogar gesund, aber nicht jedermanns Sache. Weil die geschlachteten Pferde zudem keinerlei offiziellen Kontrollen unterlagen, fanden die Prüfer in diesen Tiefkühlwaren allerlei unzulässige Medikamentenrückstände.

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Innereien und Schlachtabfälle

In Deutschland werden zwar Innereien wie Leber und Niere oder die Zunge vom Rind gerne gegessen, Schweinefüße kommen hierzulande allerdings nicht auf den Tisch. Solche sogenannten Nebenprodukte von gesund geschlachteten Tieren werden aber in Länder exportiert, wo sie als Delikatesse gelten, zum Beispiel nach China. Das Problem, das Verbraucherschutz-Organisationen damit haben: Diese Nebenprodukte unterliegen nicht mehr den Lebensmittelbestimmungen, so dass es beispielsweise passieren könne, dass die Kühlkette nicht eingehalten wird.

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Bis dahin können auch die Eier-Produzenten, die wie das Gut Kaiserhof in Düsseldorf mit seinem transportablen Hühnerhof, der täglich auf einer anderen Wiese die Hennen picken lässt, nur auf die Küken von den Brütereien zurückgreifen. "Wir verfolgen das natürlich mit großem Interesse", sagt Jens Sonnen. Denn den Diskussionen über das massenhafte Töten müssen sich vor allem lokale Produzenten stellen. Zwar werden Küken in Deutschland nicht geschreddert, aber in den Brütereien vergast. "Und so hart es sich anhört, die toten Küken werden nicht weggeworfen, sondern weiterverwendet zum Beispiel als Tierfutter für Zoos, Greifvögelstationen und ähnlichem", sagt Sonnen, der dennoch gegen ein einfaches Verbot des Tötens für Küken ist. "Die kleineren Brütereien würden wahrscheinlich aufhören müssen und die großen Brütereien ihre Produktion ins Ausland verlagern", sagt Sonnen.

Nur bei "Bruderhahn" überleben männliche Küken

Die einzige Alternative für Konsumenten ist es derzeit, Eier von Betrieben zu kaufen, die sich dem Konzept "Bruderhahn" verschrieben haben. Dabei werden die männlichen Küken am Leben gelassen. „Da dies unwirtschaftlich ist, wird die Aufzucht der unrentablen männlichen Masthühner über einen höheren Eierpreis subventioniert. Der liegt meist bei 4 Cent pro Ei“, sagt Wehde vom Verband Bioland.

Alternative Ernährungsformen
Flexitarier sind Menschen, die gesundheitsbewusst leben und sich auch so ernähren. Für sie gibt es nicht unbedingt grundsätzliche Bedenken, Fleisch zu konsumieren. Das kommt bei Flexitariern nämlich durchaus auf den Teller - aber nur selten. Und wenn, dann stammt das Tier meist aus artgerechter Bio-Haltung, wenn möglich aus der näheren Umgebung. Flexitarier sind nämlich oft unter den sogenannten Lohas* zu finden. Neben dem Wissen, dass eine einseitig fleischlastige Ernährung für den modernen Stadtmenschen ungesund ist (und manchmal auch der zelebrierten Vorfreude auf den Sonntagsbraten als etwas Besonderem!) sind sich Flexitarier auch der Umweltschädlichkeit extensiven Fleischkonsums bewusst.*Menschen, die einen gesundheitsbewussten und nachhaltigen Lebensstil pflegen (Lifestyle of Health and Sustainability)
Freeganer zeichnen sich weniger durch strenge Regeln der Form "Das darf ich essen - das darf ich nicht essen" aus, als durch den Willen, mit dem Ort ihres Nahrungsmittelbezugs ein Zeichen zu setzen. Freeganer gehen nicht in den Supermarkt, sondern dahinter. Sie holen sich ihr Essen aus dem Müll der Supermärkte und Discounter und setzen sich damit gegen die Wegwerfgesellschaft und Lebensmittelverschwendung ein.
Frutarier pflegen eine besonders strenge Form der pflanzenbasierten Ernährung. Die Ernte der von ihnen gewählten Pflanzen(-bestandteilen) darf den Gesamtorganismus der Pflanze weder beschädigen noch seinen Tod zur Folge haben. Manche Frutarier verzehren Äpfel beispielsweise nur als Fallobst. Knollen etwa (wie Kartoffeln) sind nicht erlaubt: Sie sind der Energiespeicher der Kartoffelpflanze und daher für sie auf Dauer lebenswichtig.
Lacto-Vegetarier nehmen keine Eier zu sich. Milchprodukte dürfen neben Lebensmitteln nicht-tierischen Ursprungs aber verzehrt werden.
Ovo-Lacto-Vegetarier praktizieren eine relativ weit verbreitete und im täglichen Leben eher unkomplizierte Form des Vegetarismus. Neben rein pflanzlichen Produkten wie Obst oder Gemüse nehmen Ovo-Lacto-Vegetarier auch Eier und Milchprodukte zu sich, also Lebensmittel, für deren Gewinnung keine Tiere geschlachtet werden müssen.
Keine Milchprodukte, aber Eier (und pflanzliche Speisen) dürfen Ovo-Vegetarier zu sich nehmen. Unter anderem eine Lösung etwa für Vegetarier, die kein moralisches Problem mit dem Verzehr von Eiern haben, aber an einer Lactose-Intoleranz leiden.
Pescetarier sind Menschen, deren Ernährungsplan Fisch (je nach Ausprägung auch Weichtiere, Milch und/oder Eier) und vegetarische Kost kombiniert. Pescetarismus ist oft, wie andere alternative Ernährungsformen auch, mit einem Unbehagen der Massentierhaltung gegenüber verbunden.
Vegane Ernährung bedeutet: Weder Fisch noch Fleisch, noch Eier oder Milchprodukte stehen auf dem Speiseplan. Stattdessen gibt es Obst und Gemüse. Für die Eiweißversorgung nutzen Veganer (wie viele andere Vegetarier übrigens auch) pflanzliche Proteine, enthalten etwa in Tofu (Sojaeiweiß) oder Seitan (Weizeneiweiß - Gluten). Strengen Veganern ist der Veganismus aber mehr als eine Ernährungsform: Sie lehnen die Nutzung von Tieren (und daher auch tierischer Produkte) ab. Das heißt für einen strengen Veganer: Neben den oben aufgezählten Produkten meidet er auch Honig und Wachsprodukte, Kosmetika mit tierischen Inhaltsstoffen sowie Leder. Wer streng vegan orientiert ist, kann im Supermarkt nicht einfach zu Fertig-Produkten greifen - oft verstecken sich in der langen Zutatenliste solcher Gerichte Milchpulver, Butterreinfett oder Hühnerei-Eiweißpulver. Ein strenger Veganer braucht daher ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen und Akribie.

Das Problem ist, dass es bislang kaum flächendeckend diese Eier zu kaufen gibt. Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Liste von allen Betrieben, samt Lege-Codes im Internet, mit den Bezugsquellen. In einer Stadt wie Köln mit mehr als einer Million Einwohnern, sind es laut Verbraucherzentrale derzeit 10 Bio-Supermärkte wie denn’s und Alnatura.

Auch die großen Supermarktketten wie Rewe und Edeka Rhein-Ruhr, haben derartige Projekte. Rewe reklamiert für sich, in rund 600 Märkten die Eier der Marke „Spitz und Bube“ zu führen. Laut der Verbraucherzentrale bietet Edeka Rhein-Ruhr an, dass Kunden auf Nachfrage in einer der 700 Verkaufsstellen Eier der Marke „Haehnlein“ zu bekommen, die ebenfalls auf das Töten von männlichen Küken verzichtet.

Dem Kunden, der seinen Teil mit einem höheren Preis dazu beitragen möchte, das Töten zu verhindern, bleibt derweil nur, für die Eier für sein Omelett oder Kuchen unter Umständen weit zu fahren und beim Händler vor Ort danach zu fragen. Der Kauf von Eiern aus dem Bioladen oder dem Bauernhof vor den Toren der Stadt, reicht nicht unbedingt.

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