Werner knallhart : Macht endlich sonntags die Läden auf!

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kolumneWerner knallhart : Macht endlich sonntags die Läden auf!

Kolumne von Marcus Werner

Eine große Mehrheit der Deutschen will, dass sonntags die Läden öffnen dürfen. Und die Argumente dagegen stammen noch aus einer Zeit vor dem Internet. Können wir bitte modern sein?

Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage der Bild am Sonntag wollen 61 Prozent der Deutschen, dass die Geschäfte mehr selbst entscheiden dürfen, ob sie sonntags aufmachen oder nicht. Ich finde es lieb von der Mehrheit der Deutschen, dass sie anderen nicht reinreden wollen, wann sie zu arbeiten haben.

39 Prozent hingegen wollen, dass Händler am Sonntag zuhause im Garten sitzen. Ein Freund von mir sagt auch: „Ich finde es so schön, wenn wenigstens einmal pro Woche die Innenstadt so schön ruhig ist.“ Ich sage: „Ja, da habe ich eine gute Nachricht für dich: Bald kannst du in allen deutschen Kleinstädten von Montag bis Sonntag in aller Ruhe durchs Zentrum laufen. Weil es gar keine Geschäfte mehr gibt.“

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Ist doch wahr: In vielen Regionen sind die Innenstädte ja heute schon tot. Weil es sich für den Einzelhandel nicht mehr lohnt. Früher waren die Einkaufszentren in den Nachbarorten schuld, heute kommt noch der Online-Handel dazu.

Die beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands 2017

  • Methodik

    An einem Wochentag und einem Samstag im März und April wurden händisch an mehr als 100 Zählpunkten in 36 deutschen Städten die Zahl der Passanten erfasst. Von Papenburg mit 35.000 Einwohnern bis Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern. Berücksichtigt wurde dabei auch das Wetter. Quelle: Engel & Völkers Commercial, Passantenfrequenzzählung 2017, 01.04.2017

  • Platz 10

    Hamburg

    Einkaufsstraße: Spitalerstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9248
    2016: 7564
    Differenz (2017/2016): +22%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 09

    Freiburg

    Einkaufsstraße: Kaiser-Joseph-Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9594
    2016: 1623
    Differenz (2017/2016): +491%

    Wetter: sonnig

  • Platz 08

    Köln

    Einkaufsstraße: Hohe Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9717
    2016: 8800
    Differenz (2017/2016): +10%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 07

    Dortmund

    Einkaufsstraße: Westenhellweg

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 10.946
    2016: 9113
    Differenz (2017/2016): +20%

    Wetter: bewölkt/Regenschauer

  • Platz 06

    Frankfurt

    Einkaufsstraße: Zeil

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 11.354
    2016: 10.145
    Differenz (2017/2016): +12%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 05

    Hannover

    Einkaufsstraße: Georgstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 14.189
    2016: 8583
    Differenz (2017/2016): +65%

    Wetter: sonnig

  • Platz 04

    München

    Einkaufsstraße: Kaufingerstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 14.816
    2016: 17.653
    Differenz (2017/2016): -16%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 03

    Köln

    Einkaufsstraße: Schildergasse

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 15.089
    2016: 11.201

    Differenz (2017/2016): +35%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 02

    München

    Einkaufsstraße: Neuhauser Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 15.248
    2016: 17.010

    Differenz (2017/2016): -10%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 01

    Stuttgart

    Einkaufsstraße: Königstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 17.018
    2016: 7.430

    Differenz (2017/2016): +129%

    Wetter: sonnig/bewölkt

Doch jetzt kommt der Knaller: Es gibt Händler, die wollen lieber, dass alles so bleibt, wie es ist. Die wollen keine Freiheit. Spiegel Online schreibt: dm und Rossmann legen aktuell keinen Wert auf mehr Flexibilität.

Händler, die ihre sonntägliche Unfreiheit lieben, haben vor allem eins: Angst. Angst davor, dass ihre eigene Kundschaft nicht mehr kauft als vorher, sondern gleich viel - nur über sieben Tage pro Woche verteilt statt über sechs. Gleich viel Umsatz bei mehr Kosten für Personal. Klingt nicht sehr verlockend. Und warum sollten die Menschen künftig mehr Duschgel benötigen, nur weil sie auch sonntags einkaufen können?

Klingt erstmal logisch. Aber dieses Argument passt doch nicht mehr in die Zeit.

Bleiben wir mal bei dm und Rossmann. Amazon steht Gerüchten zufolge in den Startlöchern mit einem eigenen großen Drogerie-Angebot online. Da kann man dann gemütlich auch am Sonntag sein Duschgel bestellen. Wozu dann noch am Samstag in die überfüllten Läden der altehrwürdigen Filialisten rennen? Die Kunden verbrauchen dann zwar nicht mehr Duschgel als früher. Aber sie kaufen es dann eben bei den Amerikanern.

Innenstädte Der Einzelhandel braucht Events, um zu überleben

In Deutschlands Innenstädten tummeln sich mehr Kunden als im Jahr zuvor. Im Wettbewerb mit dem Onlinehandel können die Citys aber nur überstehen, wenn sie Atmosphäre und Erlebnis bieten.

Die Königstraße in Stuttgart. Quelle: dpa Picture-Alliance

Und so wie die Buchhändler einst werden dann womöglich auch die Drogeristen bald sagen: Hups!

Aber dafür sind dann eben die Innenstädte sonntags so schön ruhig. Dann hört man die Kirchenglocken besser. Pfarrer dürfen übrigens sonntags arbeiten. Und haben dann mehr Luft an anderen Tagen. Die haben´s gut. Dann haben die Geschäfte auf.

Gut, aber zumindest die katholischen Priester müssen ja auch nicht Familie und Job unter einen Hut bringen. Denn das ist ja noch so ein Argument gegen das Sonntags-Shopping. Dieses Mal kommt es von den Gewerkschaften. Wie sollen denn die Verkäuferinnen und Verkäufer bloß Job und Familienleben unter einen Hut bringen, wenn sie sonntags arbeiten müssen?

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