Immobilien: Frankfurter Airrail-Center: Vom Vorzeigeprojekt zum Albtraum

Immobilien: Frankfurter Airrail-Center: Vom Vorzeigeprojekt zum Albtraum

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Die Computersimulation zeigt, wie einmal das neue Airrail Center am Flughafen in Frankfurt am Main aussehen soll

Schlechter Stahl, explodierende Baukosten – das monumentale Frankfurter Airrail-Center wird zum Albtraum des Immobilienkonzerns IVG.

Die Fachleute auf der Großbaustelle am Frankfurter Flughafen konnten es nicht fassen. Der riesige Hotel-, Büro- und Shopping-Komplex namens Airrail-Center hatte ohnehin schon Probleme. Die Baukosten explodierten, der ursprünglich geplante Eröffnungstermin war nicht mehr zu halten und der Druck enorm. Während Hunderte von Arbeitern deshalb im Mehrschichtbetrieb ranklotzten, mussten sie im April dieses Jahres aber am Ostkopf des Gebäudes fertige Teile wieder lösen und per Kran zu Boden lassen. Erst waren es ein paar, dann Dutzende. Die gewagte Stahlkonstruktion, die mal den Ballsaal des Hilton-Hotels umfassen und ähnlich einer Hängebrücke an Stahlseilen schweben soll, lagerte bald zerlegt parterre. Auf einer der größten Baustellen Europas ging es plötzlich nicht mehr voran, sondern „eindeutig rückwärts“, sagt der Manager eines dort aktiven Unternehmens, der von der Demontage sogar Fotos machte.

Die liegen der WirtschaftsWoche vor. Vergangene Woche mit den Bildern konfrontiert, bestätigt Jens Dörrie, Geschäftsführer der Airrail-Center-Planungsgesellschaft, das Desaster. Der Spezialstahl, den die Manager in China bestellt hatten, wies eklatante Mängel auf. Wie viel von den 9000 Tonnen aus China wieder ausgebaut, wie viel nachgerüstet oder verschrottet wurde, ist unklar. Mit rund neun Millionen Euro beziffert Dörrie seinen Stahlschaden.

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Der technische Geschäftsführer des Airrail-Centers, Franz Knepper, war mehrfach persönlich nach China gereist, um die Ware zu ordern. Er und Dörrie betonten damals den „Preisvorteil“. Heute sagt Dörrie, die Qualitätssicherung durch „zertifizierte Gutachter aus Deutschland“ vor Ort in China habe versagt. Schwacher Stahl ist ein absolutes Tabu für das Bauprojekt wenige Gehminuten von den Flughafen-Terminals: Denn unter dem 660 Meter langen, 65 Meter schlanken und 45 hohen Koloss, der von vorn an ein Kreuzfahrtschiff der obersten Gewichtsklasse erinnert, liegt der ICE-Fernbahnhof. Das Airrail-Center wuchtet seine ganze Last von 360 000 Tonnen auf die 240 hellgrauen Stützpfeiler rechts und links der Bahngleise im Untergeschoss. Durchschnittlich 25 000 Zugfahrer täglich müssen sich darauf verlassen, dass das Schwergewicht über ihnen solide gebaut ist.

Baukosten steigen auf eine Milliarde Euro

Das Airrail-Center, entworfen vom Stararchitekten Helmut Joos, ist das derzeit spektakulärste und technisch anspruchsvollste deutsche Bauvorhaben neben der Elbphilharmonie in Hamburg. Doch das Highlight des Frankfurter Flughafens entwickelt sich für den Investor, die Bonner Immobiliengesellschaft IVG, zum Albtraum. Nicht nur beim Stahl, auch bei Finanz- und Zeitplan muss Deutschlands größter börsennotierter Immobilienkonzern kräftig nachrüsten.

Nach WirtschaftsWoche-Informationen steigen die Baukosten auf bis zu eine Milliarde Euro. Noch vor acht Monaten behauptete Geschäftsführer Dörrie, die bis dahin geplanten 660 Millionen Euro „haben wir eingehalten und werden es auch weiter tun“. Zwischenzeitlich räumte die IVG eine Steigerung um 180 auf 840 Millionen Euro ein. Das ist Makulatur: Die neue Zahl von einer Milliarde Euro stammt von Experten der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young. Die hat in den vergangenen Wochen im Auftrag von IVG und Fraport – die Betreibergesellschaft des Flughafens ist Mitgesellschafter, aber nicht Mitfinanzier – das Airrail-Center-Projekt unter die Lupe genommen.

Den Bauzeitplan halten die Wirtschaftsprüfer ebenfalls für unrealistisch. Sie erwarten, dass das Center Ende 2010 bezugsfertig ist, also mit rund einem Jahr Verzug. Sichtbar wurde das Problem beim verschobenen Richtfest am 3. Juni: Da war der Rohbau noch gar nicht fertig. Weder der West- noch der Ostkopf des Airrail-Centers mit dem Hilton-Komplex stand, als Hunderte Gäste feierten und sich dort, wo mal Cafébars und der Edeljuwelier Rüschenbeck ihre Läden betreiben sollen, launige Reden anhörten. Auch jetzt hat der Rohbau noch Lücken.

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