À la méthode française: Was aus deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen wurde

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À la méthode française: Was aus deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen wurde

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Endstation Paris: der deutsche Pharmakonzern Hoechst landete nach zwei Fusionen in Frankreich

von Jürgen Salz, Andreas Wildhagen und Peter Steinkirchner

Ob Airbus, Hoechst oder Adidas - Übernahmen und Unternehmens-Allianzen zwischen Deutschland und Frankreich sind keine Seltenheit. Nicht immer klappt die Zusammenarbeit.

Die Bilanz der Allianzen und der Übernahmen deutscher Unternehmen durch Franzosen fällt durchwachsen aus. Der Versuch der Deutschen Bahn und der französischen Staatsbahn, Siemens und Alstom zur Entwicklung eines gemeinsamen Hochgeschwindigkeitszuges zu bewegen, scheiterte 2004 kläglich. Dagegen expandiert die frühere Citibank in Deutschland kräftig, nachdem die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel das Unternehmen 2008 für fünf Milliarden Euro übernahm und in Targobank umbenannte. Die prominentesten Beispiele:

Adidas

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Mindestens drei Mal kreuzten Franzosen die Wege des Dax-Konzerns Adidas. Erst kaufte zu Beginn der Neunzigerjahre der schillernde Geschäftsmann Bernard Tapie den Dassler-Erben das damals in seiner Existenz bedrohte Unternehmen ab und machte es anschließend konzeptlos fast völlig platt. Dann rettete Tapies Landsmann Robert Louis-Dreyfus den heute zweitgrößten Sportartikler der Welt, indem er ihn zur geölten Marketingmaschine umbaute.

Allerdings fiel 1997 auch der Kauf des Wintersportunternehmens Salomon aus dem südostfranzösischen Annecy in die Ära Dreyfus – ein veritabler Fehler. Denn der für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro übernommene Skihersteller führte weiter ein nicht kontrollierbares Eigenleben. Adidas-Chef Herbert Hainer bekannte später: „Wir haben es nicht geschafft, die Marke Salomon zu integrieren.“ Nach acht mauen Jahren mit sinkenden Erträgen verkaufte Adidas das französische Kuckucksei 2005 für rund 485 Millionen Euro an den finnischen Sportkonzern Amer.

Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Hoechst

Eigentlich war das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt fein austariert. 1999 fusionierte der einst stolze Frankfurter Pharmakonzern Hoechst, nachdem er von seinem Chef Jürgen Dormann rigoros zerlegt worden war, mit dem Konkurrenten Rhône-Poulenc in Lyon. Das neue Unternehmen hieß fortan Aventis. Der Sitz war im französischen Straßburg, den Chefposten bekam Dormann. Doch das optische Gleichgewicht währte nicht lange. Schon nach gut zwei Jahren zog sich der Deutsche, wohl auch zermürbt vom Machtpoker der Franzosen, zurück und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrat. Im Aventis-Vorstand dominierten fortan Franzosen und Amerikaner.

Der zweite Streich folgte 2004, als Aventis vom französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo geschluckt wurde. Dadurch wurde das Unternehmen endgültig französisch mit Konzernsitz in Paris. Von hier wird auch der Rest von Hoechst in Frankfurt gesteuert wird, wo noch gut 7000 Beschäftigte unter anderem das Insulinpräparat Lantus herstellen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich zuletzt unter französischer Ägide um 330 Arbeitsplätze verringert.

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