BASF-Unglück: Taucher bergen Leiche aus Hafenbecken

BASF-Unglück: Taucher bergen Leiche aus Hafenbecken

, aktualisiert 19. Oktober 2016, 18:51 Uhr
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BASF: Taucher haben im Hafenbecken eine Männerleiche geborgen.

Polizeitaucher finden in einem Hafenbecken nahe der Chemiefabrik einen Toten - vermutlich das dritte Opfer der Explosion vom Montag. Hinsichtlich der Ursache haben die Ermittler nach einer Vernehmung „Teilerkenntnisse“.

Nach der verheerenden Explosion bei der BASF in Ludwigshafen ist die Zahl der Todesopfer vermutlich auf drei gestiegen. In einem Hafenbecken am Explosionsort bargen Polizeitaucher am Mittwoch die Leiche eines Mannes, bei dem es sich möglicherweise um einen seit dem Unglück vermissten Tankschiff-Matrosen handelt. „Ob es der Vermisste ist, wissen wir noch nicht“, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal ordnete die Obduktion an, deren Ergebnis möglicherweise erst in einigen Tagen vorliegen wird. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hubert Ströber haben die Ermittler inzwischen „gewisse Teilerkenntnisse“ zur Explosionsursache. Sie gingen auf eine Zeugenvernehmung zurück und müssten nun erhärtet werden. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums ergaben Luft- und Wassertests, dass keine Grenzwerte überschritten wurden. Teile der Produktion sind weiterhin beeinträchtigt.

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Bei der Explosion und nachfolgenden Bränden im Landeshafen Nord waren am Montag zwei Männer der BASF-Werksfeuerwehr getötet worden, mehr als 20 Menschen wurden verletzt, viele schwer. Begonnen hatte die Katastrophe mit einem eher kleinen Brand an einer Leitung in einem sogenannten Rohrgraben. Kurz darauf folgten die Explosion und mehrere Brände. Der Matrose eines im Hafen ankernden Tankschiffs war danach vermisst worden.

Die BASF

  • In 150 Jahren zum weltgrößten Chemiekonzern

    Der Chemiekonzern BASF beschäftigte Ende 2015 weltweit mehr als 112.000 Menschen. Gegründet wurde das Unternehmen 1865 vom Leuchtgasfabrikanten Friedrich Engelhorn mit Partnern. Die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF) sollte aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Es folgte der Aufstieg zum weltgrößten Chemiekonzern. Die Bandbreite der BASF reicht heutzutage von Chemikalien, Kunststoffen, Veredlungsprodukten und Pflanzenschutzmitteln bis zu Öl und Gas. Vorstandschef ist seit 2011 Kurt Bock.

Der bereits vernommene Zeuge sei Mitarbeiter einer auf dem Gelände eingesetzten Fremdfirma und „im Bereich der Sicherung“ tätig gewesen, sagte Ströber. Seine Angaben würden nun ausgewertet und bei den weiteren Untersuchungen berücksichtigt. Ströber kündigte weitere Zeugenbefragungen und Untersuchungen an, über die er aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen könne. „Ich muss mich noch ein bisschen zurückhalten - nicht dass Beweismittel nicht mehr greifbar sind“, sagte er. Er wolle nicht dazu beitragen, dass sich jemand herausgefordert sehe.

Der Explosionsort selbst sei inzwischen begehbar, sagte Ströber. Polizisten und Sachverständige seien vor Ort. Die Behörde ermittelt von Amts wegen in der Sache wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und fahrlässiger Körperverletzung gegen unbekannt. Die Koalitionsfraktionen von SPD, FDP und Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag planen für Donnerstag kommender Woche eine Sondersitzung zum Thema.

Das haben die einzelnen BASF-Sparten 2015 erwirtschaftet

  • Chemikalien

    Mit der Chemikalien-Sparte hat der Industriekonzern in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 20 % des Gesamtumsatzes von 56,6 Milliarden Euro erzielt. Das macht 23 % des operativen Ergebnisses (Ebit) aus, welches im gleichen Zeitraum bei 5,9 Milliarden Euro lag.

    Zeitraum: Januar bis September 2015

    Quelle: Unternehmen

  • Industrieprodukte

    Katalysatoren, Lacke und andere Industrieprodukte haben 2015 25 % des Umsatzes ausgemacht. Der Anteil am Gewinn vor Zinsen und Steuern lag allerdings nur bei 22 %.

  • Spezialchemie

    Durch Performance Products aus der Spezialchemie wurden im vergangenen Jahr 21 % des Gesamtumsatzes erzielt. Der Anteil am operativen Ergebnis lag bei 20 %.

  • Öl und Gas

    22 % des Umsatzes von BASF gehen auf die Sparte Öl und Gas zurück. Das macht 21 % des operativen Ergebnisses aus.

  • Pflanzenschutz

    Immerhin 8 % des Umsatzes des Industrieriesen gehen auf die Sparte Pflanzenschutz zurück. Der Anteil am operativen Ergebnis liegt damit bei 16 %.

  • Sonstiges

    Sonstige Sparten von BASF erzielten 4 % des Gesamtumsatzes für das Unternehmen. Dadurch ging das operative Ergebnis 2014 um 12 % zurück.

Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) teilte unterdessen mit, die Luftüberwachungsstationen des Landesamtes für Umwelt hätten in Ludwigshafen während des Brandes und danach keine Überschreitung der Grenzwerte ermittelt. Auch die Daten der Stationen Speyer, Worms und Frankenthal zeigten keine Auffälligkeiten. Das Landesamt prüfe mit dem „Zentralen Immissionsmessnetz - Zimen“ kontinuierlich die Luftqualität im Land und sei in Ludwigshafen mit drei Stationen vertreten. „Allerdings sind die Zimen-Messstationen nicht speziell für solche Schadensereignisse installiert“, teilte Höfkens Ministerium mit.

Auch die Wasseruntersuchungen der Rheingütestation Worms zeigten nach Angaben des Ministeriums keine auffälligen Ergebnisse. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd habe außerdem die Analysenergebnisse von Rheinwasserproben der BASF erhalten. „Die Bewertung hat ergeben, dass nicht von einer Umweltgefährdung auszugehen ist.“

Steamcracker

  • Die Ziegelbrennerei der modernen Chemie

    Ob Hüftprothesen, Trinkhalme oder Klarsichthüllen: In den Steamcrackern werden die Bausteine unseres von Kunststoffen geprägten Alltags produziert. Die englische Bezeichnung lässt sich am besten mit „Dampfspalter“ übersetzen.

    Um Kunststoffe wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) herzustellen, braucht die Chemieindustrie kurzkettige Kohlenwasserstoffe. Im Rohbenzin kommen diese aber vor allem in langen Ketten vor. In Steamcrackern wird das Rohbenzin daher mit Dampf vermischt und unter Druck auf eine Temperatur von etwa 850 Grad Celsius erhitzt. Die Kohlenwasserstoffketten werden dadurch gespalten, also „gecrackt“. Während des Vorgangs entstehen mehrere Spaltprodukte, die anschließend weiterverarbeitet werden. Die Steamcracker sind mitunter mehrere Fußballfelder groß und bilden das Herzstück vieler Chemieunternehmen.

Eine BASF-Sprecherin betonte, dass die zwei sogenannten Steamcracker im Werk aus Sicherheitsgründen noch heruntergefahren sind. In den Anlagen, die als Herzstück des Werks gelten, wird Rohbenzin in weitere Grundchemikalien aufgespalten. In der Folge sind 20 weitere Anlagen ganz oder zum Teil abgeschaltet. Medienberichte, wonach Teile der Produktion möglicherweise für Wochen lahmgelegt sind, konnte die Sprecherin weder bestätigen noch dementieren. Dazu habe sie noch keine Informationen.

Nach dem vermissten Matrosen hatten am Mittwoch 17 Taucher von Polizei und Feuerwehr gesucht. Gegen 12.30 Uhr bargen Polizeitaucher der technischen Einsatzeinheit Mainz die Leiche eines Mannes. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass unsere Befürchtungen traurige Gewissheit werden und wir ein drittes Todesopfer zu beklagen haben“, sagte BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale. Die Belegschaft gedachte der Opfer in einer Schweigeminute, zudem wehten die Fahnen im Betrieb auf halbmast, und es wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Nach Explosion bei BASF Wirtschaftliche Folgen sind noch unklar

Nach der Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen laufen nun die Ermittlungen an. Bei den zwei Todesopfern der Explosion auf dem BASF-Gelände handelt es sich um Mitarbeiter der Werksfeuerwehr.

BASF: Suche nach Ursache läuft an Quelle: REUTERS

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft reagierte mit Bestürzung auf das Schicksal ihrer Kollegen und richtete für die Familien der Feuerwehrleute ein Spendenkonto ein. Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) forderte im „Mannheimer Morgen“ eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge und gegebenenfalls Konsequenzen. Weil wegen des Unglücks ein Tor der BASF für anliefernde Lkw gesperrt war, kam es nach städtischen Angaben rund um den Norden der Stadt zu großen Staus. Die Kommune verschob deshalb geplante Straßenarbeiten. Die Liefer-Lkw mussten auf andere BASF-Tore ausweichen.

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