Biotechfirma Aicuris: Durchbruch für Viren-Jäger

Biotechfirma Aicuris: Durchbruch für Viren-Jäger

, aktualisiert 20. Oktober 2016, 13:59 Uhr
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Die Infektionsgefahr bei Organtransplantationen ist groß. Ein neuer Wirkstoff könnte dieses Risiko senken.

Quelle:Handelsblatt Online

Für das Wuppertaler Unternehmen Aicuris und den US-Konzern Merck & Co bahnt sich ein Milliarden-Geschäft an. Eine Studie zeigt, dass ihr neuer Wirkstoff das Infektionsrisiko bei Organtransplantationen drastisch senkt.

WuppertalStolze 110 Millionen Euro investierte der amerikanische Pharmariese Merck & Co im Oktober 2012, um die Rechte an einem Wirkstoffkandidaten der unscheinbaren Wuppertaler Biotechfirma Aicuris zu erwerben. Es war damals größte Direktzahlung für ein Forschungsprojekt aus der deutschen Biotech-Szene.

Vier Jahre später lieferte der US-Konzern nun die erste Bestätigung dafür, dass er sein Geld gut angelegt hat: Wie Merck & Co am Mittwoch bekanntgab, hat der Wirkstoff Letermovir, ein potenzielles Mittel gegen Infektionen mit dem Cytomegalovirus (CMV), in einem zulassungsrelevanten Test den sogenannten „primären Endpunkt“ erreicht. Das bedeutet: Merck konnte offenbar nachweisen, dass das Mittel CMV-Infektionen bei Transplantationspatienten wirksam vorbeugen kann, Merck dürfte den Wirkstoff nun im kommenden Jahr zur Zulassung einreichen. Die Daten sehen nach Informationen aus Unternehmenskreisen offenbar sehr gut aus und könnten nach Ansicht mancher Beobachter die Risiken der Transplantationsmedizin spürbar verringern. Details wird Merck & Co aber erst in den kommenden Monaten im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlichen.

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Für die kleine, gerade einmal 50 Mitarbeiter starke Firma Aicuris zeichnet sich damit ein Riesenerfolg und eine wichtige Bestätigung für die Forschungsstrategie ab. Das Unternehmen entstand vor zehn Jahren als Spinn-off aus der Antibiotikaforschung von Bayer und wird seither von den Biotech-Investoren Andreas und Thomas Strüngmann finanziert. Sie bewerten den Studienerfolg „mit besonderer Freude, und auch mit gewisser Genugtuung“, so Thomas Strüngmann. Als sie vor zehn Jahren bei Aicuris einstiegen und damit ihr erstes Biotech-Investment besiegelten, war die Infektionsforschung bei den großen Pharmafirmen völlig aus der Mode geraten. Auch Bayer wollte aussteigen.

Inzwischen haben die beiden Strüngmann-Brüder rund eine Milliarde Euro in diverse Biotech-Engagements investiert, darunter auch Firmen wie Biontech, Ganymed und 4SC.


Mittel mit Blockbuster-Potenzial

Rund 200 Millionen Euro flossen nach Angaben Strüngmanns bisher in die Aicuris. Ein Erfolg mit Letermovir könnte nun für das Wuppertaler Unternehmen den Weg ebnen, um weitere Forschungsprojekte mit deutlich größerem finanziellem Rückenwind voranzutreiben. Denn bringt Merck & Co Letermovir das Mittel erfolgreich auf den Markt – wofür nun die Aussichten deutlich gewachsen sind - kann das Wuppertaler Unternehmen mit Meilensteinzahlungen von bis zu 330 Millionen Euro rechnen.

Hinzu kommen Lizenzerträge, die einen zweistelligen Prozentanteil vom Umsatz erreichen. Das wiederum könnte mittelfristig auf Einnahmen von mehr als 100 Millionen Euro jährlich hinauslaufen. Denn Analysten trauen dem neuen Mittel Blockbuster-Potenzial zu, das heißt Spitzenumsätze von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr. Die Patientenzahlen, für die Letermovir in Frage kommt, sind zwar nicht riesig. Aber der medizinische Bedarf gilt als sehr hoch, entsprechend üppig könnten die Preise ausfallen, die Merck & Co für den Wirkstoff setzt.

Aicuris-Chef Holger Zimmermann spricht daher nicht zu unrecht von einem Meilenstein für das Unternehmen. „Die heutige Meldung belegt unsere wissenschaftliche Kompetenz und unsere Fähigkeit, neue Therapien zu erforschen und zu entwickeln.“ Firmengründerin Helga Rübsamen-Schaeff, heute Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats, wertet das Letermovir-Programm als „gutes Beispiel der engagierten Forschungs- und Entwicklungsstrategie, die über viele Jahre darauf ausgerichtet war, neue Angriffspunkte gegen CMV zu finden“.

Und Finanzier Thomas Strüngmann freut sich bereits „auf weitere gute Nachrichten aus der Projekt-Pipeline unseres Unternehmens.“ Neben Letermovir arbeitet das Wuppertaler Unternehmen an sechs weiteren antiviralen Wirkstoffen in klinischer Entwicklung, darunter auch ein Mittel gegen Herpes-Infektionen.

Zur Klasse der Herpesviren gehört auch der CMV-Virus. Es handelt sich um einen Erreger, der gesunden Menschen kaum etwas anhaben kann. Infektionen verlaufen meist ohne jegliche Symptome. Für immungeschwächte Patienten stellen CMV eine tödliche Gefahr dar. Betroffen sind daher etwa Aidspatienten und vor allem Menschen, die nach Transplantationen Immunsuppressiva erhalten, die die Immunabwehr unterdrücken. Gegen CMV-Infektionen wird bisher vor allem das Medikament Valcyte eingesetzt, das jedoch mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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