Clariant-Manager Kottmann: "Wir investieren lieber in den USA"

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InterviewClariant-Manager Kottmann: "Wir investieren lieber in den USA"

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Clariant-Chef Kottmann: "Der nationale Alleingang bei der Energiewende ist Wahnsinn. Ich halte die gesamte EEG-Förderung für falsch."

von Jürgen Salz und Stephanie Heise

Warum der Chef des Schweizer Spezialchemiekonzerns Clariant keinen Grund sieht, auch nur noch einen einzigen Cent in deutsche Anlagen zu stecken.

WirtschaftsWoche: Herr Kottmann, Clariant hat soeben ein Forschungszentrum für 500 Mitarbeiter in Frankfurt-Höchst eingeweiht. Planen Sie weitere Investitionen in Deutschland?

Kottmann: Clariant besteht zu 70 Prozent aus Geschäften der früheren Hoechst AG, in Höchst arbeiten die meisten Forscher. Somit war klar, dass wir dort das Forschungszentrum eröffnen. Ansonsten: Warum sollten wir in Deutschland noch einen Cent in neue Anlagen investieren? Dafür sehe ich derzeit keinen Grund. Wir hatten zwei, drei Projekte in Deutschland favorisiert. Wir investieren nun lieber in den USA.

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Sind Sie ein Energieflüchtling? In den USA liegen die Kosten deutlich niedriger.

Das ist ein Grund. Zudem sind die USA für uns im Gegensatz zu Europa nicht mehr ein reifer Markt, sondern ein Wachstumsmarkt, wo Konsum und Investitionen mächtig anziehen. Ich war neulich bei Kunden in Houston, da herrscht Goldgräberstimmung. Allein die Aussicht auf billigere Energie treibt die Investitionen nach oben und sorgt für mehr Wachstum.

Zu hohe Energiekosten Chemie-Branche plant massiven Stellenabbau

Viele deutsche Chemieunternehmen wollen in Zukunft Stellen streichen. Sie beklagen die viel zu hohen Energiekosten. Der Standort Deutschland gerate durch die Ökostromumlage immer mehr ins Hintertreffen.

Die Krise auf den europäischen Märkten und die hohen Energiekosten machen sich nun auch deutlich in der Chemiebranche bemerkbar. Quelle: dpa

Welche Mehrkosten verursacht die Energiewende in Deutschland für Clariant?

Allein am Standort Höchst zahlen wir für die Umlage auf erneuerbare Energien nächstes Jahr voraussichtlich 4,7 Millionen Euro. Die Kosten durch die EEG-Umlage haben sich damit gegenüber 2011 fast verdoppelt – ohne dass wir Kapazitäten ausgebaut haben. Wir zahlen in Deutschland 13 Cent pro Kilowattstunde, in China und den USA nur rund die Hälfte. Die explodierenden Energiekosten belasten uns doppelt – im internationalen Wettbewerb und im Vergleich zu heimischen Konkurrenten wie BASF, die weitgehend keine EEG-Umlage zahlen müssen. Um befreit zu werden, muss der Anteil der Energiekosten an der Bruttowertschöpfung mehr als 14 Prozent betragen. Das ist bei uns aber nur an einem von 18 Standorten in Deutschland der Fall.

Was wünschen Sie sich von der künftigen Bundesregierung zur Energiepolitik?

Der nationale Alleingang bei der Energiewende ist Wahnsinn. Ich halte die gesamte EEG-Förderung für falsch. Wir brauchen keine nationalen Alleingänge, sondern einen einheitlichen europäischen Ansatz.

Wie wird sich die Chemiekonjunktur in den kommenden Jahren entwickeln?

2014, 2015, 2016 werden Deutschland und Europa nicht wachsen, denn die Euro-Schuldenkrise sorgt für Verunsicherung bei Konsumenten und Industrie. Ich sehe Wachstum in Nord- und Lateinamerika und Asien. Die chinesische Regierung wird weiter Wachstumsprogramme auflegen, damit die Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht zu sehr auseinanderdriften.

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