Contra: Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

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Contra: Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

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Afschin Gandjour ist Arzt und Gesundheitsökonom an der Frankfurt School of Finance & Management.

Der US-Arzneimittelhersteller Gilead verlangt für eine dreimonatige Therapie mit seinen Hepatitis-Mitteln exorbitant hohe Preise. Darf das sein? Manche Preise sind einfach irrational, sagt Gesundheitsökonom Afschin Gandjour.

Das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi von Gilead beruht auf dem Wirkstoff Sofosbuvir. Dieser kann bei bestimmten Patientengruppen mit chronischer Hepatitis C in über 90 Prozent der Fälle zur Heilung führen.

Doch was heißt das? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der für solche Fragen zuständig ist, hat dazu ein verbindliches Urteil gefällt: Der Zusatznutzen gegenüber den bereits angebotenen Präparaten Telaprevir und Boceprevir ist gering. Das heißt, für die Hepatitis-C-Behandlung gibt es bereits sehr wirksame Medikamente. Deren Therapiekosten liegen laut Bundesausschuss bei etwa 30.000 Euro.

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Zur Person

  • Afschin Gandjour

    Afschin Gandjour, 46, ist Arzt und Gesundheitsökonom an der Frankfurt School of Finance & Management. Schwerpunkt: Kosten-Nutzen-Analysen im Gesundheitswesen.

Für sein Präparat Sovaldi mit dem Wirkstoff Sofosbuvir verlangte Gilead im ersten Jahr nach der Markteinführung einen Preis von etwa 60.000 Euro für eine zwölfwöchige Behandlung. Der geringe Zusatznutzen gegenüber den Vergleichspräparaten wird teuer erkauft. Bei etwa 100.000 Patienten, die laut Bundesausschuss für eine Behandlung in Deutschland infrage kommen, errechnen sich daraus Gesamtzusatzkosten im Milliardenbereich.

Pro Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

Der US-Arzneimittelhersteller Gilead verlangt für eine dreimonatige Therapie mit seinen Hepatitis-Mitteln exorbitant hohe Preise. Darf das sein? "Ja, wenn sie wirken", sagt Gesundheitsökonomie-Professor Hendrik Jürges.

Quelle: obs

Wie ließe sich ein rationaler und gerechter Preis für Sofosbuvir bestimmen? Stellen wir uns eine Kommune vor, in der 1000 Hepatitis-C-Patienten auf eine Behandlung mit den Wirkstoffen Telaprevir oder Boceprevir ansprechen. Nun kommt Sofosbuvir auf den Markt. Dadurch gibt es fünf Prozent weitere Hepatitis-C-Patienten, die auf eine Behandlung ansprechen. Da scheint es doch plausibel, dass die Versichertengemeinschaft für fünf Prozent mehr Therapieerfolge auch fünf Prozent mehr bezahlt. Bei Therapiekosten von etwa 30.000 Euro für Telaprevir oder Boceprevir würde die Vergütung für Sofosbuvir also auf 31.500 Euro festgelegt werden.

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Gibt es weitere relevante Aspekte für die Preisbestimmung? Zu denken wäre an Wachstums- und Beschäftigungsimpulse für Deutschland durch die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb eines neuen Medikaments. Doch Sofosbuvir wird in den USA hergestellt, sodass hierzulande keine solchen Effekte zu erwarten sind.

Hinzu kommt, dass die Hauptrisikogruppe für eine Hepatitis-C-Infektion Drogenkonsumenten sind. Ein Teil der Infektionen wäre also durch Drogenprävention vermeidbar. Die Ausgaben für Sofosbuvir würden reichen, um einen Sozialarbeiter ein Jahr lang zu beschäftigen.

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