Daimler-Hauptversammlung: Zetsche bleibt zurückhaltend

Daimler-Hauptversammlung: Zetsche bleibt zurückhaltend

, aktualisiert 06. April 2016, 10:36 Uhr
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„Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch 2016 ein gutes Jahr für Daimler wird.“

Quelle:Handelsblatt Online

Auf der Daimler-Hauptversammlung könnte Dieter Zetsche nach Rekordzahlen 2015 auf die Pauke hauen. Doch der Konzernchef übt sich in Bescheidenheit. Alles kommt darauf an, wie die neue E-Klasse anläuft.

Berlin/StuttgartTrotz eines Absatzrekords von Mercedes-Benz hat Daimler einen vorsichtigen Ausblick auf die Gewinnentwicklung im ersten Quartal gegeben. Mehrere Faktoren hätten das Wachstum von Januar bis März beeinträchtigt, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch vor Beginn der Hauptversammlung in Berlin. Der Anlauf der neuen E-Klasse, die sehr starke Nachfrage nach weniger rentablen Kompaktwagen und die Schwäche in einigen Kernmärkten des Lkw-Geschäfts gehörten dazu.

Das zweite Halbjahr werde wie in der Vergangenheit jedoch deutlich besser laufen als das erste, versicherte Zetsche. „Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch 2016 ein gutes Jahr für Daimler wird.“ Das operative Ergebnis werde leicht steigen, bekräftigte er.

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Der Pkw-Absatz erreichte von Januar bis März mit einem Plus von 12,6 Prozent auf gut 483.000 Fahrzeuge einen Rekordstand. Die Nutzfahrzeugsparte verkaufte hingegen weniger als im Vorjahrszeitraum.

Auf der Hauptversammlung in Berlin blickt Daimler auf ein Jahr mit starkem Wachstum und Rekordergebnissen zurück. Das Konzernergebnis stieg 2015 fast um ein Viertel auf 8,9 Milliarden Euro, der operative Gewinn wuchs noch stärker um 36 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Die Aktionäre können sich über eine Anhebung der Dividende um ein Drittel auf 3,25 Euro je Aktie freuen.

Die Schwaben sind ihrem Ziel, nach mehr als zehn Jahren wieder zum größten Premium-Autobauer der Welt zu werden, ein gutes Stück näher gekommen. Beim Pkw-Absatz hatte Mercedes-Benz den Erzrivalen BMW zu Jahresbeginn überflügelt, nachdem Daimler im vergangenen Jahr schon Audi überholt hatte. Auch bei der Pkw-Rendite hatte der Stuttgarter Konzern mit knapp zehn Prozent vom Umsatz die Nase vorn dank der Vielzahl neuer Modelle.

In diesem Jahr kommt mit der E-Klasse der traditionell größte Gewinnbringer neu auf den Markt. Danach ist die Pipeline nicht mehr so dicht mit Neuheiten gefüllt, bis der Erneuerungszyklus 2017/18 wieder von vorne beginnt. Zugleich hat Daimler so wie seine Konkurrenten hohe Kosten zur Entwicklung umweltschonender Motoren, Elektromobilität, autonomen Fahrens und digitaler neuer Dienste zu stemmen.

Die Investitionen sollen in diesem und dem kommenden Jahr auf jeweils sieben Milliarden steigen nach rund fünf Milliarden 2015. Ebenso hoch sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. „Wir sind und bleiben die Pioniere der Mobilität“, erklärte Zetsche.

Die Unternehmensführung bleibt in bewährten Händen: Auf der Hauptversammlung soll das Mandat von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff verlängert werden. Vor Kurzem wurde bereits Zetsches Vertrag um weitere drei Jahre bis Ende 2019 verlängert. Das Tandem bestimmt seit zehn Jahren die Geschicke bei Daimler.


Daimler-Abgaswerte landen vor Gericht

Unterdessen muss sich Daimler wegen angeblich zu hoher Abgaswerte vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat wie angekündigt eine Unterlassungsklage wegen Verbrauchertäuschung eingereicht, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang, damit sei das Zivilverfahren eröffnet (Az. : 34 O 21/16 KFH). Eine Daimler-Sprecherin sagte: „Die Klage wurde uns inzwischen zugestellt, wir halten sie für unbegründet.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor darüber berichtet.

Die Umwelthilfe wirft dem Autobauer vor, Verbraucher mit Werbung über saubere Dieselmotoren in die irre zu führen. Der Verein kritisiert eine Einrichtung, die in einigen Dieselmotoren dafür sorgt, dass die Abgasnachbereitung in bestimmten Temperaturbereichen heruntergeregelt wird. Die Umwelthilfe hatte deshalb den Entzug der Typgenehmigungen eines Modells gefordert und in einem Rechtsgutachten die Praxis für nicht rechtens erklären lassen. Auch ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages stellt sie in Frage.

Ein Daimler-Sprecher sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass die Regelung des Abgasnachbehandlungssystems für den Motorschutz und den sicheren Betrieb des Fahrzeugs innerhalb der gesetzlichen Vorgaben erfolgt.“ Das eigentlich zuständige Kraftfahrtbundesamt hat sich bislang nicht zu dem Sachverhalt geäußert.

Positive Nachrichten gibt es dagegen von Here: Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber hat Gespräche mit den US-Techkonzernen Amazon und Microsoft über einen Einstieg beim Kartendienst der großen deutschen Autobauer bestätigt. „Wir reden mit Amazon, Microsoft und vielen Autoherstellern“, sagte Weber dem „Wall Street Journal“ (Mittwoch). „Wir brauchen einen Cloud-Anbieter um mit der großen Datenmenge fertig zu werden, die Here und die Benutzer erzeugen.“ Es gebe aber noch keine Entscheidung.

BMW, Daimler und die VW-Tochter Audi hatten den Kartendienst für mehr als 2,5 Milliarden Euro von Nokia gekauft. Der Kartendienst soll Autobauer in die Lage versetzen, mit präzisen Daten auch selbstfahrende Fahrzeuge zu navigieren. Bereits Ende vergangener Woche hatte es Berichte über Gespräche mit den US-Digitalkonzernen gegeben. Die Autobauer hatten im vergangenen Jahr betont, dass auch Unternehmen aus anderen Branchen willkommen seien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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