Daimler, VW, BMW: Warum Autokonzerne auf Start-ups setzen

Daimler, VW, BMW: Warum Autokonzerne auf Start-ups setzen

, aktualisiert 17. Juli 2016, 21:32 Uhr
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Auf Knopfdruck wird die Glasscheibe undurchsichtig und zum Bildschirm.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf der Suche nach neuen Ideen arbeitet fast jeder Konzern in Deutschland mittlerweile mit Start-ups zusammen. Neulinge wie Uber, Google oder Tesla zwingen vor allem die Autobauer zum Umdenken.

FellbachAuf Knopfdruck verfärbt sich die Autoscheibe dunkel, im nächsten Moment ist sie wieder transparent. Die Technologie von Gauzy klingt simpel – doch dahinter steckt eine enorme Rechenleistung. Die Scheiben haben eine spezielle Beschichtung, auf die ein bestimmtes Muster wie auf einen Bildschirm aufgespielt wird. „Wir haben versucht, ein Buch auf einen Zahnstocher zu schreiben“, beschreibt Mitgründer und Firmenchef Eyal Peso die Geschäftsidee in einem Satz.

Gauzy ist eine von 23 jungen Firmen, die sich am Donnerstag in Fellbach dem Autohersteller Daimler präsentiert. Nötig hat die kleine Firma aus Israel es nicht mehr: Das Start-up arbeitet schon mit Daimler zusammen, seine Technologie soll in einigen Jahren in den Luxuslimousinen der Stuttgarter eingebaut werden. Trotzdem nimmt Gauzy an dem Projekt „Startup Autobahn“ teil, das Daimler ins Leben gerufen hat. „Es ist eine großartige Bühne“, sagt Peso. Denn damit bekenne sich der Autohersteller öffentlich zu den Firmen.

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Zehn Start-ups mit Ideen rund um die Automobiltechnologie – darunter Gauzy – wurden am Donnerstag ausgewählt, um ihre Einfälle mit Hilfe von Daimler weiterzuentwickeln und in einigen Monaten Investoren vorzustellen. Mit im Boot sind der Start-up-Förderer und -Finanzier Plug & Play aus dem Silicon Valley, die Uni Stuttgart und die Denkfabrik Arena 2036, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Die Idee, sich das Potenzial von Start-ups zunutze zu machen, ist nicht ganz neu: Viele Konzerne in verschiedenen Branchen haben Wagniskapitalfonds ins Leben gerufen oder sogenannte Inkubatoren gegründet, um kleine Firmen mit frischen Ideen zu fördern. So hat BMW neben seiner Wagniskapitalgesellschaft vor einem Jahr eine „Startup Garage“ gegründet, um die Zusammenarbeit mit kleinen Firmen zu erleichtern. Im Rahmen des Programms werden in Zusammenarbeit mit BMW-Technikern für den bayerischen Autobauer relevante Prototypen entwickelt.

Auch Volkswagen nimmt inzwischen Tuchfühlung zu Start-ups auf. Bei Veranstaltungen zusammen mit der Telekom-Tochter T-Systems beispielsweise treffen Konzernverantwortliche auf Gründer. Die VW-Tochter Porsche hat jüngst eine Digital GmbH ins Leben gerufen, die sich auch an Start-ups beteiligen will.

Wie viel Geld Daimler in das Projekt steckt, verrät der Konzern nicht. Als Investor sei Plug & Play an Bord, heißt es. Dessen Chef Saeed Amidi bedauert die Zurückhaltung der Unternehmen: „Es gibt eine Menge Geld bei Konzernen und Unternehmerfamilien in Deutschland, aber kein Wagniskapital“, sagt er. Das müsse man hierzulande lernen.´


Scheitern ohne Risiko

Konzerne wie Daimler haben aber vor allem Interesse an den Ideen, die in der klassischen Entwicklung nicht zustande gekommen wären: „Wir wollen uns zwingen, nicht zu glauben, dass wir alles besser können als die ganze Welt“, sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber.

„Es geht um einen Perspektivwechsel“, erklärt Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen-Geislingen, die Suche nach Nähe zu den kleinen Firmen. Eine Wahl haben die Konzerne nach Meinung von Diez angesichts der Konkurrenz von Neulingen wie Uber, Tesla oder Google, die den herkömmlichen Markt über den Haufen werfen, nicht: Die Autoindustrie schaffe die digitale Revolution nicht in ihrem „Mindset“, ihrem bisherigen Denkmuster.

„Man braucht Leute mit einem „Mindset“ von außen, die nicht aus der Autoperspektive, sondern zum Beispiel vom Smartphone her denken“, sagt Diez. Tabus und Denkblockaden würden damit aufgehoben. „Ansonsten wird das Denken in Autokonzernen vom Vertrieb und der Produktion dominiert mit der Frage, was heißt das für die bisherigen Strukturen“, so Diez - und das könne zum Problem werden: „Das Denken in Hierarchien bremst!“

Hinzu kommt die Möglichkeit des Scheiterns ohne großes Risiko: „Wenn ein börsennotierter Konzern einen Fehler begeht, kann das Milliarden an der Börse kosten“, so Diez. „Deshalb braucht es Systeme, das gegebenenfalls auch unter einer anderen Marke zu positionieren.“

Daimler hat das bereits praktiziert – der Kleinwagen Smart wurde in den 1990er Jahren ohne das Label „Mercedes“ entwickelt. Auch Daimlers Mobilitätsdienstleister Moovel und Car2Go wurden abseits der Konzernstrukturen vorbereitet. „Wir geben Daimler den Raum, wo sie Fehler machen können“, meint Gauzy-Chef Peso schmunzelnd.

Quelle:  Handelsblatt Online
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