Heckler & Koch: Waffenhersteller kann Schulden abbauen

Heckler & Koch: Waffenhersteller kann Schulden abbauen

Grund zur Freude bei der Waffenschmiede Heckler und Koch: Das Unternehmen hat dank eines großen Auftrags der Bundeswehr mehr Geld in der Kasse - und weniger Schulden.

Bild vergrößern

Der Waffenproduzent Heckler und Koch veröffentlicht seine Jahreszahlen.

Gestiegene Nachfrage hat der Waffenschmiede Heckler & Koch zu deutlich besseren Geschäften verholfen. Im vergangenen Jahr habe man ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 39 Millionen Euro erzielt, sagte Firmenchef Norbert Scheuch am Freitag im schwäbischen Oberndorf der Deutschen Presse-Agentur. 2015 war das Ebit bei dem Hersteller von Handfeuerwaffen noch sieben Millionen Euro im Minus.

Auf der Firma mit gut 800 Mitarbeitern lastet noch immer ein hoher Schuldenberg, der 2016 den Angaben zufolge aber um 24 Millionen Euro auf 220 Millionen Euro gedrückt werden konnte. Zugleich stieg der Kassenbestand von 18 auf 25 Millionen Euro. „Wir haben mehr Geld in der Kasse und weniger Schulden“, zeigte sich Scheuch zufrieden.

Anzeige

Die wichtigsten Antworten zu deutschen Waffenexporten

  • Was hat die schwarz-rote Regierung im Vorjahr genehmigt?

    Nach dem Rüstungsexportbericht wurden 2015 Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 7,86 Milliarden Euro erteilt - das ist fast doppelt so viel wie im Jahr davor. 

  • Was sagt Gabriel, der die Rüstungskonzerne an die kurze Leine nehmen wollte, dazu?

    Gabriel macht für den sprunghaften Anstieg die Vorgänger-Regierung von FDP und Union verantwortlich. Schwarz-Gelb hatte vor der dann verlorenen Bundestagswahl etwa einer Lieferung von Leopard-Kampfpanzern und Panzerhaubitzen an das Emirat Katar zugestimmt - im Wert von 1,66 Milliarden Euro. Gabriel sagt, ihm seien rechtlich die Hände gebunden, er habe den Deal nicht widerrufen können. Das stimmt nicht ganz - der Bund hätte in diesem Fall nur hohen Schadenersatz zahlen müssen. Kanzlerin Merkel und die Union pochten auf Vertragstreue gegenüber Katar. Der starke Anstieg bei den Rüstungsexporten 2015 geht auch auf die Lieferung eines U-Bootes an Israel und von vier Tankflugzeugen für Großbritannien zurück.

  • Gibt es im laufenden Jahr eine Trendwende?

    Nein. In den ersten sechs Monaten 2016 genehmigte die Bundesregierung die Ausfuhr von Waffen und Ausrüstung im Wert von 4,029 Milliarden Euro - mehr als eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahreszeitraum. Größter Batzen im ersten Halbjahr war eine Fregatte für Algerien, die eine Milliarde Euro kostet. 

  • Kann Gabriel auch Erfolge vorweisen?

    Ja. In seiner Amtszeit sind die Kleinwaffenexporte stark zurückgegangen. Bei Lieferungen in problematische Länder außerhalb von EU und Nato, in denen die Menschenrechtslage heikel ist, ist die Regierung sensibler geworden. Der Begriff „Kleinwaffen“ selbst ist aber schon eine Verniedlichung: Mit Maschinenpistolen, Handgranaten und tragbaren Raketenwerfern werden in Bürgerkriegen wie in Syrien die meisten Zivilisten getötet.

  • Was sagen Gabriels Kritiker?

    Der Opposition reicht der Rückgang bei den Kleinwaffen-Geschäften nicht. So fordert der Linkspartei-Experte Jan van Aken seit langem ein komplettes Exportverbot für Kleinwaffen, die die „Massenvernichtungswaffen“ des 21. Jahrhunderts seien. Für die Grünen ist Gabriel als Anti-Rüstungsminister entzaubert: „Mit den nochmals gestiegenen Halbjahreszahlen für 2016 hat der Bundeswirtschaftsminister endgültig den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verloren“, sagt Agnieszka Brugger von den Grünen. 

  • Ist die Rüstungsindustrie zufrieden?

    Das hängt davon ab. Die gestiegenen Summen gehen ja teils auf Großaufträge zurück, die längst eingepreist sind. Die Branche leidet seit langem unter den Kürzungen der Wehretats in der westlichen Welt. Eine Antwort sind Fusionen wie der Zusammenschluss der deutsch-französischen Panzerschmieden Krauss Maffei und Nexter. Wegen des Konflikts mit Russland wird die Nato zum Schutz Osteuropas aufrüsten. Das dürfte neue Aufträge bringen. Auch von der Bundeswehr. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte unlängst viele Milliarden zusätzlich, damit Deutschland seine Verpflichtungen in der Nato erfüllen kann. 

Der Firmenchef begründete die positiven Zahlen mit effizienteren Produktionsabläufen, einem Abbau von Lagerbeständen und insgesamt einer gestiegenen Nachfrage nach H&K-Waffen. So habe man im vergangenen Jahr zum Beispiel Maschinengewehre an die Bundeswehr verkauft und Maschinenpistolen an die Polizei von Baden-Württemberg.

Der Nachsteuergewinn sank den Angaben zufolge zwar von 22 Millionen Euro (2015) auf 7 Millionen Euro 2016. Allerdings war der Wert von 2015 durch eine Finanzspritze des Firmeneigentümers Andreas Heeschen beeinflusst, also nicht aus eigener operativer Kraft erwirtschaftet. Für 2017 sagte H&K-Chef Scheuch, Umsatz und Ergebnis würden „auf leicht verbessertem Niveau stabilisiert“.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%