Industriegase: Womit Linde Milliarden macht

Industriegase: Womit Linde Milliarden macht

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Vielseitig einsetzbar - Neben Industriesparten wie die Chemie- und Stahlbranche benötigt inzwischen auch die Gesundheitsversorgung Industriegase

von Matthias Kamp

Kaum ein Geschäft gilt als langweiliger als der Verkauf technischer Gase. Doch nur wenige Industriesparten kommen ohne die Spezialstoffe aus.

Er ist die wohl schillerndste Figur der Deutschland AG. Bei BMW galt Wolfgang Reitzle lange als Nachfolgekandidat von Vorstandschef Eberhard von Kuenheim. Am Ende machte Bernd Pischetsrieder das Rennen. Als dieser wegen des Debakels rund um die Übernahme des britischen Autoherstellers Rover unter Druck geriet, versuchte Reitzle, damals Technikvorstand bei BMW, den Putsch, allerdings ohne Erfolg. 1999 wechselte der Manager mit dem Spitznamen „Car Guy“ zu Ford. Dort war er unter anderem für die Luxusmarken Jaguar, Aston Martin und Volvo verantwortlich.

Kaum eine Sparte kommt ohne Industriegas aus

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Viele staunten darum nicht schlecht, als Reitzle vor zehn Jahren zu Linde wechselte, dem neben dem französischen Konkurrenten Air Liquide größten Hersteller von Industriegasen. 2003 rückte der Ingenieur Reitzle dort auf den Chefposten auf. „Langweiliges Geschäft“ oder „Passt eigentlich nicht zu Reitzle“, lauteten die Urteile. Doch was viele nicht wissen: Kaum eine Industriesparte kommt ohne die technischen Gase wie Stickstoff, Helium oder Xenon aus.

Die Chemie- und die Stahlbranche sind auf Industriegase angewiesen genauso wie Elektronikanbieter und Hersteller von LED-Leuchten. Auch Anbieter von Solarmodulen und Halbleiterhersteller benötigen Industriegase. Im Bereich alternative Pkw-Antreibe forcierte Reitzle das Geschäft mit Wasserstoff. In Kühltranspoporten sorgen die Gase des Konzerns aus München für niedrige Temperaturen bei geringer Umweltbelastung.

Eines der wichtigsten globalen Wachstumsfelder ist für Reitzle allerdings die Gesundheitsversorgung. Auf rund zwölf Milliarden Euro taxiert der Linde-Chef das Volumen der Gassparte innerhalb des Geschäfts mit Gesundheitsdienstleistungen. Und die Umsätze dort wachsen um etwa sechs Prozent pro Jahr. Schon im Januar hatte Linde vom US-Industriegasspezialisten Air Products & Chemicals die Sparte für häusliche Pflegeanwendungen übernommen.

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Mit der Übernahme des amerikanischen Anbieters Lincare, die Linde mit Hilfe von Morgan Stanley und der Deutschen Bank finanziert, verdreifacht der Münchner Konzern nun seinen Verkauf medizinischer Gase für den Heimgebrauch in den USA. Lincare versorgt in Amerika rund 800.000 Patienten zu Hause mit medizinischen Gasen.

Vor allem auf Grund der demografischen Entwicklung erwartet Reitzle, der Lincare schon seit fünf Jahren als Übernahmekandidat „auf dem Radarschirm hatte“,  für die Medizinsparte in Zukunft kräftiges Wachstum. Die Integration von Lincare werde „super schnell“ gehen, so Reitzle, denn Linde und Lincare ergänzten sich gut. Linde hat bei den medizinischen Gasen bislang rund 500.000 Patienten in Heimversorgung, allerdings keine in den USA. Große Synergien sieht Reitzle vor allem beim Einkauf. Nach der Akquisition werde Lindes Geschäft mit der Gesundheitsversorgung ein Volumen von 2,8 Milliarden Euro haben. Damit wäre der Konzern der weltgrößte Anbieter von medizinischen Gasen. Insgesamt kam  Linde zuletzt auf einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro.

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