Sanktionen gegen Russland: Die Autoindustrie leidet unter dem Putin-Faktor

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Sanktionen gegen Russland: Die Autoindustrie leidet unter dem Putin-Faktor

von Franz W. Rother, Rebecca Eisert

Die Sanktionen und der schwache Rubel vermiesen den Auto-Herstellern in Russland das Geschäft - und den ausländischen Zulieferern die Investitionslust. Das könnte sich in ein paar Jahren rächen.

Dieter Trzaska ist Berufsoptimist. Seit 1975 handelt der inzwischen 68-Jährige mit Autos der Marke Lada. Er freute sich, als ihm nach dem Mauerfall Interessenten aus dem Osten die russischen Autos aus den Händen rissen. Und er verzagte nicht, als der Importeur für Deutschland 1999 Insolvenz anmeldete – kurzerhand übernahm der gebürtige Ruhrgebietler damals selbst die Firma. Dass Russlands größter Autohersteller Awtowas später kaum noch Geld in die Marke Lada und in neue Modelle investierte, sodass die Autos nicht mehr westlichen Sicherheitsstandards entsprachen, verkraftete Trzaska ebenso wie das jahrelange Desinteresse der in Zypern beheimateten Vertriebsgesellschaft am Export nach Westeuropa.

Geschäfte mit Russland

  • Agrar & Lebensmittel

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 2,8 % 1,5 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): 1,4 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Chemie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,3 % / 5,2 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): circa 7000 / 1,2 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Pharma

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,4 % / 2,1 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >2500

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Automobil (inkl. Zulieferer)

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 4,0 % / 7,6 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >10 000 / 1,6 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

  • Maschinen- & Anlagenbau

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 5,3 % / 7,8 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): 628 Mio. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

  • Telekom, IT & Medien

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,5 % / 1,03 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): keine Angabe

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Bauindustrie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 0,2 % / 55 Mio. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >3500

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Einzelhandel

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): keine Angabe

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >30 000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Konsumgüter

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 4 %

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >15 000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Finanzdienstleistungen

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): <1 % / 16,8 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): circa 2,1 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Rüstung

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 1 % / 38,2 Mio. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >1000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Transport & Logistik

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 1 %

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >5000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Energie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): hohe Importe (29,3 Mrd. €)

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >5000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

Vergeben und vergessen. Lieber will Trzaska ein neues Kapitel in seiner persönlichen Lada-Geschichte aufschlagen. Deshalb lud er am vergangenen Wochenende treue Kunden und befreundete Händler an seinen Firmensitz in Buxtehude ein, um in einer Hausmesse die Deutschland-Premiere des neuen Lada Granta zu feiern: eine kompakte wie robuste Stufenhecklimousine mit vier Sitzplätzen und einem großen Kofferraum, die in Deutschland nun zu Preisen ab 7990 Euro angeboten wird. Monatlich 150 Exemplare des Billigautos hofft Trzaska abzusetzen, mindestens.

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Möglicher Importstopp"Überschaubare Auswirkungen"

Verkäufe massiv eingebrochen

Doch das neue Kapitel ist in Gefahr. Denn Produkte aus Russland leiden derzeit in Deutschland und im restlichen Westeuropa unter dem Putin-Faktor. So sehr Trzaska auch appelliert, die „politischen Querelen nicht überzubewerten“. Der Krieg an der russisch-ukrainischen Grenze und die Sanktionen des Westens gegen Russland dürften Ost-West-Geschäfte in den kommenden Monaten ordentlich verhageln.

Sanktionen So stark leiden die Unternehmen unter den Russland-Sanktionen

Eine exklusive Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt, welche Branchen am stärksten unter den gegenseitigen Wirtschaftsblockaden von EU und Russland leiden.

huGO-BildID: 39186196 ARCHIV - Neufahrzeuge der Marken VW, Mercedes-Benz, BMW und Porsche stehen am 05.12.2008 auf dem Autoterminal der BLG Automobile Logistics Group in Bremerhaven zur Verschiffung bereit. Russland hat harte Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die neuen Sanktionen des Westens angekündigt. Möglich wären weitere Importbegrenzungen - es könnte z.B. die Einfuhr von Autos aus dem Westen begrenzt werden. Foto: Ingo Wagner/dpa (zu dpa «Russlands Möglichkeiten als Antwort auf neue EU-Sanktionen") +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Die Folgen für die Autoindustrie sind in Russland bereits deutlich zu spüren. Seit Jahresbeginn sind die Autoverkäufe im Land um über zehn Prozent zurückgegangen. Bo Andersson, der zu Jahresbeginn in Toljatti, 1000 Kilometer südöstlich von Moskau, die Regie über den inzwischen von Renault-Nissan kontrollierten russischen Autokonzern Awtowas übernahm, verfügte deshalb, die Produktion drei Monate lang um rund 250 000 Einheiten zu drosseln. Sein ehrgeiziger Plan, den einstigen sowjetischen Staatskonzern bis zum Jahresende in die Gewinnzone zurückzuführen, dürfte damit Makulatur sein.

Auch andere Autokonzerne sind bereits auf die Bremse getreten. Opel hat in seinem Werk in St. Petersburg auf Kurzarbeit umgestellt, Volkswagen hat die Bänder in seinem Werk in Kaluga, 190 Kilometer südwestlich von Moskau, kurzerhand für vorerst zwei Wochen vollständig stillgelegt. Dabei hatte sich Marcus Osegowitsch, der Generaldirektor der Volkswagen-Gruppe in Russland, kurz zuvor im Gespräch mit der WirtschaftsWoche noch verhalten optimistisch gezeigt, dass die Marktschwäche schon bald überwunden sein könnte.

Sanktionsfolgen für Branchen in Deutschland

  • Agrar & Lebensmittel

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Importstopp

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen, Preisverfall droht und Geschäftsverlust an Konkurrenten

    Sanktionsfolgen insgesamt: 3/3

  • Automobil (inkl. Zulieferer)

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen, drohende Importbeschränkungen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Bauindustrie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Chemie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Einzelhandel

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Probleme mit Lieferkette

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Energie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: strategischen Investments droht Wertverlust

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Finanzdienstleistungen

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: keine Geschäfte mit russischen Banken

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Konsumgüter

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Maschinen- & Anlagenbau

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Einschränkungen bei Dual-Use-Gütern

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Pharma

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Rüstung

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Embargo für Rüstungsgüter

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Telekom, IT & Medien

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Einschränkungen bei Dual-Use-Gütern

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Transport & Logistik

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: geringere Frachttransporte, Verbot von Überflugrechten droht

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

Doch die Abwrackprämie von umgerechnet gut 800 Euro, mit der die russische Regierung den lahmen Autoabsatz wieder in Schwung zu bringen hofft, zeigt bislang kaum Wirkung. Das Interesse an neuen Autos ist zwar groß, wie der Andrang auf der Moscow Motor Show zeigte. Auch ist jeder zweite der insgesamt 37 Millionen Personenwagen, die derzeit in Russland zugelassen sind, älter als zehn Jahre und stark reparaturanfällig.

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