Vattenfall: Braunkohle ist ein Ladenhüter

Vattenfall: Braunkohle ist ein Ladenhüter

, aktualisiert 16. März 2016, 17:13 Uhr
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Mehr als ein mittlerer dreistelliger Millionen-Betrag dürfte nicht geboten worden sein.

von Jürgen Flauger und Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Vattenfall hat sich beim Verkauf seiner Aktivitäten in der Lausitz einige Absagen eingehandelt. Auf dem Tisch liegt jetzt das Angebot für eine Braunkohle-Stiftung. Ein Kaufinteressent bleibt aber auch hartnäckig.

Düsseldorf/WienVattenfall-Chef Magnus Hall hat beim Verkauf der deutschen Braunkohlesparte nicht die Qual der Wahl. Die Auswahl eines neuen Eigentümers wird dagegen eher zur Qual. Der Schwede muss sich entscheiden, ob er die Sparte für einen niedrigen Preis verscherbelt, sich an einer Stiftung beteiligt – oder den Verkauf doch wieder absagt.

Am Mittwoch lief die Frist ab, bis zu der die Interessenten verbindliche Angebote bei der beauftragten Investmentbank Citigroup einreichen mussten. Der deutsche Stromproduzent Steag und der tschechische Energiekonzern CEZ schreckten vor den Risiken zurück und gaben kein verbindliches Gebot ab. Zwei andere Bieter aus Tschechien haben zwar fristgerecht eine Offerte eingereicht: Der Kohleproduzent Czech Coal des Milliardärs Pavel Tykac und der Energiekonzern EPH teilten dies jeweils mit, ohne sich zum gebotenen Kaufpreis zu äußern. Mehr als einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag dürften sie nach Einschätzung aus Branchenkreisen aber nicht geboten haben.

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Speziell das Unternehmen EPH, das bereits den anderen ostdeutschen Braunkohleförderer Mibrag besitzt, bleibt damit hartnäckig. Das Unternehmen teilte mit, dass es für den zum Verkauf stehenden Braunkohletagebau und die Braunkohlekraftwerke einen „positiven Preis“ geboten hat, nicht aber für die Wasserkraft, die Vattenfall ebenfalls angeboten hatte. Chairman Daniel Křetínský sagte zu, EPH würde die Aktivitäten von Vattenfall in der Lausitz nachhaltig und im Interesse der Mitarbeiter und der Region betreiben.

Vattenfall gehören in Brandenburg und Sachsen fünf Kohlegruben und drei Kohlekraftwerke. Ein weiteres wird mit dem Energiekonzern EnBW im sächsischen Lippendorf betrieben. Der Verkaufsprozess wurde aber zuletzt vom drastischen Verfall der Strompreise belastet. Aktuell kostet am Terminmarkt eine Megawattstunde Strom, die 2017, 2018 oder 2019 geliefert werden soll, kaum mehr als 20 Euro. Ende 2014, als Vattenfall den Prozess begonnen hatte, waren es noch 35 Euro.

CEZ begründete den Verzicht auf eine Offerte deshalb unter anderem auch mit der Strompreisentwicklung. Das Unternehmen hinterlegte bei Vattenfall aber, weiter interessiert zu sein. EPH ließ sich dagegen nicht vom Preisrutsch abhalten.


EPH erwartet keine Dividende

Das Unternehmen teilte mit, es sei von der Zukunft Vattenfalls Braunkohle überzeugt, auch wenn diese in den kommenden Jahren negative Cash-Flows abliefern werde. EPH erwarte deshalb in den kommenden Jahren auch keine Dividende. Das dürfte sich freilich auch im Kaufpreis wieder spiegeln.

Steag überraschte das Vattenfall-Management dagegen mit einem ganz anderen Vorschlag. Der Stromproduzent aus dem Ruhrgebiet schlägt die Gründung einer Stiftung für die ostdeutsche Braunkohle vor. Steag habe nach langer Prüfung doch kein Gebot für die Braunkohleaktivitäten von Vattenfall abgegeben, hieß es in Unternehmenskreisen.

Allerdings habe das Unternehmen dem Vattenfall Management eine alternative „Lösung für die Zukunft der Braunkohle in Ostdeutschland“ vorgeschlagen. Das Unternehmen habe in Absprache mit der Gewerkschaft IGBCE ein Modell entwickelt, um die ostdeutsche Braunkohleförderung samt den Kraftwerken in eine privatrechtliche Stiftung zu überführen. Beteiligt ist dabei auch der Finanzinvestor Macquarie.

Diese Stiftung soll dem Vorschlag zufolge einen geordneten Ausstieg aus der Braunkohle gewährleisten. Sie soll den Forderungen der Gewerkschaft gerecht werden, den Ausstieg sozialverträglich abzuwickeln. Sie soll anderseits im Sinne der betroffenen Länder Sachsen und Brandenburg sicher stellen, dass genug Rücklagen gebildet werden, um später Rückbau und Rekultivierung der Abbaugebiete zu gewährleisten. Hierfür sollen in einer ersten „Ansparphase“ Mittel aus der Braunkohleverstromung in regionale Projekte sowie erneuerbare Energien investiert werden.

Steag und der Finanzinvestor Macquarie bieten sich dabei als Partner an. Steag könnte die Betriebsführung der Kraftwerke und die Vermarktung des Stromes übernehmen. Macquarie will sich um das Kapitalmanagement kümmern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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