VDA-Neujahrsempfang: Autobauer unter dem Stern von Donald Trump

VDA-Neujahrsempfang: Autobauer unter dem Stern von Donald Trump

, aktualisiert 26. Januar 2017, 13:08 Uhr
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Etwa 200.000 Autos werden jährlich in Puebla für US-Kunden produziert.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Die deutschen Autohersteller sind wenig glücklich über die Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump. VW, BMW und Mercedes stehen vor Konflikten – ganz besonders wegen der deutschen Autowerke in Mexiko.

BerlinEr ist in aller Munde, obwohl er überhaupt nicht zu den geladenen Gästen gehört. Kommt die Mauer zu Mexiko wirklich? Wird der freie Handel dauerhaft eingeschränkt? Müssen sich die Autohersteller tatsächlich auf Zölle einstellen? Vor einem Jahr drehte sich beim Neujahrsempfang des Verbandes der Automobilhersteller (VDA) alles um die Dieselaffäre bei Volkswagen. Doch an diesem Mittwochabend in einem Oldtimermuseum in Berlin-Moabit steht einzig und allein ein Mann im Fokus: US-Präsident Donald Trump und seine angekündigte neue Wirtschaftspolitik.

Bei dem einen oder anderen Branchenvertreter schien sich schon ein wenig Resignation breit zu machen. „Dann soll Trump doch seine 35 Prozent Zoll auf Autos aus Mexiko draufschlagen“, schimpfte ein ehemaliger Daimler-Manager. Die USA würden selbst zu spüren bekommen, was solche Zölle bewirken. Denn dann seien auch die drei großen US-Hersteller General Motors (GM), Ford und Fiat-Chrysler betroffen, die in großem Stil zu günstigen Preisen Teile von Zulieferern aus Mexiko beziehen.

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Aber gerade die deutschen Hersteller würden Probleme bekommen, sollte Donald Trump tatsächlich die gefürchteten Zölle einführen. An erster Stelle steht Volkswagen. Das VW-Werk in Puebla, nicht allzu weit von der Hauptstadt Mexiko-Stadt entfernt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Belieferung der Vereinigten Staaten. Etwa 200.000 Autos werden dort jährlich für US-Kunden produziert. Golf, Jetta und Beetle würden weniger Käufer finden, wenn die Autos durch Zölle auf einen Schlag um ein Drittel teurer werden.

Kritik an BMW Was Trumps Strafzölle für deutsche Autobauer bedeuten

Wer gehofft hatte, dass Donald Trump als Präsident von seiner Parole „America first“ abrückt, wurde eines Besseren belehrt. Was Trumps Attacke auf BMW wegen deren Mexiko-Plänen für die Branche bedeutet.

Was bedeutet Trumps Protektionismus gegen deutsche Autobauer. Quelle: REUTERS

Auch die VW-Tochter Audi bekäme Schwierigkeiten. Sie produziert in Mexiko den Geländewagen Q5, natürlich auch für die USA. Mercedes und BMW sind noch nicht ganz so weit, die Pläne für eine eigene Produktion in Mexiko sind bei den beiden süddeutschen Premiumherstellern allerdings schon sehr weit gediehen.

„Die Globalisierung ist nie eine Einbahnstraße gewesen“

Immerhin können sich die deutschen Automobilhersteller der Unterstützung der eigenen Politik gewiss sein. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist ein gern gesehener Gast beim Neujahrsempfang des VDA. Doch ein wenig überraschend nahm er US-Präsident Donald zunächst einmal in Schutz. Sein Prinzip „America first“ finde er nicht besonders verwerflich. Es sei eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass sich ein Politiker „zu allererst für seine eigene Bevölkerung einsetzt“.

Ganz schnell war Dobrindt dann aber auf der Seite der deutschen Automobilhersteller angelangt. Trump rege sich völlig zu Unrecht darüber auf, dass in New York vor vielen Gebäuden ein Mercedes parke, die US-Marke Chevrolet im Unterschied dazu in Deutschland aber kaum zu sehen sei. „Das ist Marktwirtschaft“, betonte der Minister – und hatte sich den Beifall der rund 300 Zuhörer in der „Classic Remise“ gesichert.

Zuvor hatte bereits VDA-Präsident Matthias Wissmann, früher selbst einmal Verkehrsminister, ein flammendes Plädoyer für den Freihandel ausgesprochen. „Die Globalisierung ist nie eine Einbahnstraße gewesen“, sagte Wissmann. Die deutschen Autohersteller hätten immer sehr darauf geachtet, dass auch außerhalb der Bundesrepublik Fabriken von BMW & Co. errichtet werden.

Das eindringlichste Argument von Wissmann: In deutschen Autowerken werden heute jährlich etwa 5,5 Millionen Fahrzeuge produziert, in den ausländischen Fabriken der deutschen Hersteller sind es hingegen zehn Millionen pro Jahr. „Wir werden weiterhin für den freien Welthandel werben müssen“, lautete Wissmanns Fazit.

Der oberste VDA-Vertreter hatte gleich auch eine Warnung in Richtung Großbritannien parat. Natürlich seien die deutschen Automobilhersteller an einem freien Warenverkehr mit Großbritannien interessiert. Denn auf der Insel verkaufen sie jedes Jahr Hunderttausende von Fahrzeugen. Doch wenn es zu Konflikten wegen des Brexit kommen sollte, würden sich die deutschen Hersteller weniger an Großbritannien und mehr am europäischen Kontinent orientieren. „Der Zusammenhalt der 27 verbleibenden EU-Länder ist einfach wichtiger“, sagte Wissmann.

Ein sich anbahnender Handelsstreit mit den USA macht das Leben für die Kölner Ford-Werke und für Opel, Tochter des US-Autobauers GM, auch nicht einfacher. Beide Unternehmen sind als deutsche Hersteller ordentliche Mitglieder des VDA, haben aber den großen Mutterkonzern in den USA. Offene Worte zu sprechen fällt in dieser Situation schwer, neue Konfliktlinien könnten aufbrechen.

Als Opel-Chef Karl-Thomas Neumann beim VDA-Neujahrsempfang zu einem Kommentar über Donald Trump gefragt wird, winkt er unverzüglich ab und sagt überhaupt nichts. Wahrscheinlich hätte er sich kritisch geäußert – und will sich den möglichen Ärger lieber ersparen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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