Volkswagen-Zukunftspakt: Osterloh fordert neues Modell für deutsche Werke

Volkswagen-Zukunftspakt: Osterloh fordert neues Modell für deutsche Werke

, aktualisiert 09. August 2017, 09:32 Uhr
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„Damit haben wir das Ziel für 2017 schon jetzt übererfüllt und starten gut ins Jahr 2018. Im Übrigen: Die Einsparungen sind nachhaltig und kommen jährlich“, so der VW-Betriebsratsvorsitzende.

Quelle:Handelsblatt Online

VW-Betriebsratschef bernd Osterloh sorgt sich um die Auslastung der deutschen Standorte. Er fordert die Konzernführung auf, ein neues Modell in Deutschland zu bauen. Fortschritte gebe es dagegen beim “Zukunftspakt“.

WolfsburgVolkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat den Autobauer zum Bau eines neues Modells in Deutschland aufgefordert, um die Auslastung der Standorte zu gewährleisten. „Wir erwarten, dass ein zusätzliches Modell in die Drehscheibe Emden – Zwickau – Wolfsburg kommt", teilte Osterloh der Nachrichtenagentur Reuters in einer E-Mail am Mittwoch mit. Die Arbeitnehmer würden in der kommenden Budget-Planungsrunde im November nur zustimmen, wenn die deutschen Werke entsprechend der vereinbarten Personalzahlen im „Zukunftspakt“ ausgelastet seien. Der nach monatelangem Ringen mit den Arbeitnehmern im vergangenen Jahr vereinbarte Zukunftspakt soll der Kernmarke VW mit einem Umbau neuen Schwung geben und sieht den Abbau Tausender Arbeitsplätze vor.

Eine hohe Auslastung der deutschen Werke sei entscheidend für den Erfolg des Unternehmens und des gemeinsam vereinbarten Pakts, betonte Osterloh. „Nur mit einer hohen Auslastung können wir auch die Produktivitätsziele erreichen.“ Der Vorstand müsse jetzt in die deutschen Werke investieren.

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In Wolfsburg zum Beispiel müsse endlich die Fertigung des in die Jahre gekommenen Klassikers Golf zugunsten des erfolgreichen Tiguan umgebaut werden. „Wir könnten dann derzeit sicherlich rund 40.000 Tiguan zusätzlich produzieren, die der Markt auch verlangt“, erklärte Osterloh. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass die schwächelnde Nachfrage nach dem Golf und dem Passat das Management zu weiteren Einschnitten veranlassen könnte.

Mit Hilfe des Zukunftspakts will Volkswagen die Rendite seiner Hauptmarke, die die Hauptlast der Diesel-Affäre trägt, steigern, um Milliarden-Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität, die digitale Vernetzung und neue Mobilitätsdienste zu stemmen. Bei den Einsparungen sieht Osterloh den Konzern auf gutem Kurs. Die Volkswagen-Kernmarke komme bei der Umsetzung deutlich schneller voran als geplant.

„Der Pakt greift“, betonte Osterloh im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als 8000 unterschriebene Altersteilzeitverträge lägen sechs Monate nach dem Start vor, damit seien fast 90 Prozent des Ziels erreicht, mit dem Volkswagen die Belegschaft bis 2020 über Altersteilzeit um 9000 Beschäftigte reduzieren will.

Mehr Tempo mahnte Osterloh aber bei der Transformation und dem Entstehen neuer Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, Vernetzung und Mobilitätsdienstleistungen an. Zudem strebt der Betriebsratschef ab September einen offenen internen Arbeitsmarkt bei der Marke VW an.

Die Volkswagen-Kernmarke galt lange als renditeschwach im Vergleich mit der Konkurrenz - und war ein Sorgenkind des VW-Konzerns, der von ertragreicheren Töchtern wie Porsche und Audi profitiert hatte. Daher vereinbarte das Unternehmen zusammen mit dem Betriebsrat den „Zukunftspakt“, der unter anderem den Wegfall von weltweit bis zu 30.000 Stellen vorsieht - ohne betriebsbedingte Kündigungen. Im Gegenzug sollen Tausende Arbeitsplätze in neuen Zweigen entstehen.

Bei den finanziellen Effizienz-Zielen seien 1,5 Milliarden Euro bereits eingefahren und eine weitere halbe Milliarde Euro in der Umsetzungsphase. „Damit haben wir das Ziel für 2017 schon jetzt übererfüllt und starten gut ins Jahr 2018. Im Übrigen: Die Einsparungen sind nachhaltig und kommen jährlich“, betonte Osterloh.


Interner Arbeitsmarkt soll im September starten

Zugleich forderte er mehr Tempo. „Wir müssen vorankommen bei den Zukunfts-Arbeitsplätzen rund um Digitalisierung und Mobilitätsdienstleistungen, aber auch Batteriezellforschung.“ Die Forschung an Batteriezellen im Motorenwerk Salzgitter sei genehmigt - „wir werden eine kleine Versuchsanlage aufbauen, wie es im Zukunftspakt beschrieben ist. Wir werden uns dort auch personell noch mal verstärken“.

Osterloh unterstrich: „Das heißt nicht, dass wir die Entscheidung für den Bau einer Zellfabrik schon getroffen haben - es muss auch wirtschaftlich sein. Das wird noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die letztendliche Entscheidung getroffen wird.“ Er hätte sich gewünscht, dass die deutsche Autoindustrie sich darüber unterhält, zusammen eine Batterie- oder Zellentwicklung aufzubauen. Der Anteil der Batterie an der Gesamtwertschöpfung künftiger Autos werde bei 40 Prozent liegen. „Ich weiß nicht, ob wir es uns leisten können, auf 40 Prozent der Wertschöpfung keinen Einfluss zu haben.“

Der interne Arbeitsmarkt bei der Marke VW starte im September und solle dann im Konzern auf Audi, Porsche und MAN ausgerollt werden, sagte Osterloh. Jeder solle offene Stellen sehen und sich mit seiner Qualifikation einbringen können. Der Betriebsrat setzt auf eine technische Lösung per App, mit der die Beschäftigten auf freiwilliger Basis via Smartphone ihre Daten selbst eingeben, pflegen, Qualifikationen angeben und auch ihre Lohnabrechnung abrufen können.

„Auf der nächsten Betriebsversammlung im September will ich das dem Vorstand noch einmal nahebringen“, kündigte Osterloh an. Seiner Vorstellung nach soll der sogenannte „Employee Self Service“ zum 1. Januar 2018 starten, dafür müssten die Mittel jetzt vom Management freigegeben werden. „Es wäre aber nicht das erste Mal, dass da Widerstände auftauchen.“

Der mächtige Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat sich für ein eigenes Konzernvorstandsressort für IT, Digitalisierung und Mobilitätsdienstleistungen ausgesprochen. Bislang gebe es viele „Marken-Egoismen“: „Da braucht man auf der Konzernebene einen eigenen Vorstand, jemanden, der Schulterklappen hat und das Thema vorantreibt“, betonte Osterloh im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund sei, dass „wir glauben, dass die Bedeutung, die die Themen in den nächsten Jahren haben werden, so groß ist, dass die bisherige Vorgehensweise nicht angemessen ist“, erklärte der Betriebsrats-Boss, der die Funktion eines „Co-Managers“ stets zurückweist. „Wir müssen versuchen, über den Konzern Synergien maximal zu bündeln.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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