VW-Abgasaffäre und die Folgen: Autohersteller wollen auf den Diesel nicht verzichten

VW-Abgasaffäre und die Folgen: Autohersteller wollen auf den Diesel nicht verzichten

, aktualisiert 04. Juli 2016, 16:08 Uhr
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Ein Auto wird mit Diesel betankt: Die deutschen Hersteller rechnen mit einem starken Jahr.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Die Automobilhersteller verbreiten Optimismus. Trotz der Dieselaffäre verkaufen sich die Fahrzeuge deutscher Hersteller weltweit gut. Neue Tests sollen dafür sorgen, dass sich eine Affäre wie bei VW nicht wiederholt.

Düsseldorf/BerlinVon Dieselkrise keine Spur: Mehr als 800.000 neue Diesel-Pkw sind im ersten Halbjahr in Deutschland zugelassen worden. Für die deutschen Automobilhersteller ist das ein neuer Rekord, niemals zuvor wurden so viele Dieselmodelle verkauft. „Die Kunden sind weiterhin von den Vorteilen des modernen Diesel überzeugt“, sagte dazu am Montag in Berlin Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilhersteller (VDA).

Nicht nur beim Diesel, sondern für die gesamte Produktpalette gibt sich Deutschlands oberster Branchenverband optimistisch. Auf den wichtigsten Automärkten der Welt sind die deutschen Hersteller gut unterwegs und müssen in diesem Jahr keine Einbußen befürchten. Der Automarkt in China wird nach Einschätzung des VDA 2016 etwa um acht Prozent zulegen, die Verkaufszahlen in den USA wachsen um ein Prozent. Auf dem für die deutschen Hersteller besonders wichtigen europäischen Automarkt geht es für die Branche ebenfalls voran, der Verband rechnet mit einem Plus von fünf Prozent. Unterstützung bekommt der VDA dabei von Experten. „Die Verkaufszahlen in Europa bleiben stark, angetrieben von Italien und Spanien“, meint Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI in London.

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„Der Blick auf die Automobilmärkte gibt – von Ausnahmen abgesehen – allen Grund zur Zuversicht“, betonte VDA-Präsident Wissmann. Überall gehe es nach oben, besonders dynamisch sei die Entwicklung in Westeuropa. Die deutschen Hersteller seien in der Lage dazu, die zu erwartenden Herausforderungen zu meistern.

Sehr zufrieden ist der Verband mit der Entwicklung auf dem Heimatmarkt. In den ersten sechs Monaten von 2016 sind in Deutschland mehr als 1,73 Millionen neue Pkw zugelassen worden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Zuwachs von sieben Prozent. Mit einer ähnlichen Zuwachsrate dürfte es auch im zweiten Halbjahr weitergehen. Für Wissmann sind die Zulassungszahlen der Beweis dafür, „dass die Kunden weiterhin Vertrauen in die Automobilindustrie haben“.

Die gute Konjunktur besonders in Europa hat dazu geführt, dass die deutschen Automobilhersteller die Zahl ihrer Beschäftigten wieder erhöht haben. Bis einschließlich April zählte der Verband 801.100 Mitarbeiter in den Stammbelegschaften, 15.600 mehr als im Jahr zuvor. Der Umsatz erhöhte sich in den ersten vier Monaten um drei Prozent auf knapp 137 Milliarden Euro.


Warnung vor Eingriffen der Politik

Wissmann machte keine Angaben zur Ertragslage der Unternehmen und zur Entwicklung von Rabatten und anderen Verkaufshilfen der Hersteller, mit denen sie die Absatzzahlen stabil halten. Insbesondere Volkswagen war nach dem Bekanntwerden der Dieselaffäre dazu gezwungen, mehr Geld für die Absatzförderung in die Hand zu nehmen. Die Marke Volkswagen hatte im ersten Quartal dieses Jahres kaum noch etwas verdient.

Trotz der Dieselkrise glaubt der Herstellerband, dass die Antriebsart eine Zukunft hat. Zumindest in Europa und speziell in Deutschland, wo der Diesel bei den Neuzulassungen auf einen Anteil von etwa 50 Prozent kommt. In anderen Teil der Welt spielt der Diesel keine besonders große Rolle. Die deutschen Hersteller wollten den Motor besonders in Nordamerika voranbringen. Doch die Dieselaffäre fordert ihren Preis, VW musste den Verkauf von Dieselfahrzeugen in den USA sogar komplett einstellen.

Wissmann drängte darauf, dass in Europa jetzt vermehrt Dieselmodelle der jüngsten und damit saubersten Generation auf den Markt kommen. Je mehr Fahrzeuge der Euro-6-Norm angeboten würden, desto größer sei der Fortschritt für die Luftqualität.

Der VDA-Präsident, selbst einmal Verkehrsminister in von CDU/CSU geführten Regierungen, verbat sich von der Politik ausdrücklich größere Eingriffe beim Diesel. Es sei weder klimapolitisch, industriepolitisch noch sozialpolitisch sinnvoll, bis zum Jahr 2030 das Ende des Verbrennungsmotors zu fordern. „Das geht auf keinen Fall, und das geht in keinem Industrieland der Welt“, betonte Wissmann. Volkswagen beispielsweise kalkuliert damit, dass der Anteil der Verbrennungsmotoren in 15 Jahren noch etwa bei zwei Dritteln liegen wird.


Neue Tests auf der Straße

In Sachen Diesel versprach Wissmann gleichwohl Veränderungen. „Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim“, betonte er. Die Branche habe sich zu sehr auf Grauzonen und Schlupflöcher verlassen. Die Autohersteller wollten nach den Unregelmäßigkeiten bei den Dieselabgasen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Der VDA kündigte deshalb mehr Offenheit gegenüber den Zulassungsbehörden an. „Die Hersteller bieten an, ihre Softwarekonzepte für die Abgasnachbehandlung den Genehmigungsbehörden zugänglich zu machen“, sagte der VDA-Chef. Damit gebe die Branche Einsicht in praktisch alles Wesentliche, was die Software eines Fahrzeugs ausmache. „Wir wollen dabei nichts verschweigen.“ Abschalteinrichtungen könnten damit künftig nicht mehr unentdeckt bleiben.

Bessere Testmethoden sollen zudem für mehr Klarheit sorgen. Die Hersteller seien für den künftig vorgeschriebenen Straßentest („Real Driving Emissions Test“), der von Januar an schrittweise eingeführt werden soll, sagte Wissmann. Dabei wird der Stickoxid-Ausstoß unter echten Fahrbedingungen und nicht mehr im Labor gemessen.

Einige Hersteller waren in den vergangenen Monaten in die Kritik geraten, weil sie gesetzliche Regelungen weit ausgelegt hatten. Hintergrund ist die im April verkündete Rückrufaktion Hunderttausender Dieselfahrzeuge in Europa, bei denen auffällig hohe Abgaswerte festgestellt worden waren. Anders als Volkswagen haben andere deutsche und ausländische Autohersteller nach Erkenntnissen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zwar keine illegale Software eingesetzt, dafür aber eine Lücke im EU-Recht genutzt. So beriefen sich die Autobauer auf sogenannte Thermofenster – eine Steuerung, die bei niedrigen Außentemperaturen die Abgasreinigung herunterfährt, damit der Motor keinen Schaden nimmt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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