Russlands Automarkt rast aus der Krise

VW, BMW und Co.: Russlands Automarkt rast aus der Krise

, aktualisiert 09. Dezember 2017, 16:32 Uhr
von André BallinQuelle:Handelsblatt Online

Der russische Automarkt meldet zweistellige Wachstumsraten. Nach Jahren der Krise soll es jetzt auch auf längere Sicht aufwärts gehen. Profitieren wollen davon auch deutsche Automarken.

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Der russische Automarkt verzeichnet wieder rasantes Wachstum.

Das Fließband im Volkswagen-Werk Kaluga hat wieder einen Gang höher geschaltet: Mitten in der Montagehalle auf rund zweieinhalb Meter Höhe erhält das neue Tiguan-Modell gerade seinen spritzigen Zweilitermotor. Gerade einmal zwei Minuten dauert die Zusammenführung von Karosserie und Motor, dann steht schon ein Skoda Rapid als nächster auf der Platte. Dank Vollautomatisierung in der Fabrik sind hierbei nicht einmal menschliche „Zeugen“ nötig.

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Wladimir Putin kämpft um Herz und Hirn der Deutschen – und wendet sich dazu an deutsche Konzerne. Denn Russlands Prädienten und die deutsche Wirtschaft verbindet derzeit mehr, als Putin und die deutsche Politik.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte deutsche Wirtschaftsvertreter und den kasachischen Präsidenten ans Schwarze Meer eingeladen. Quelle: dpa

Die rund 4000 Angestellten in Kaluga haben auch so genug zu tun: Löten, schweißen, schleifen, Elektronik und Zubehörteile einpassen. Der Lärm in der Fabrikhalle hält bis nach Mitternacht an. „Seit zwei Wochen fahren wir wieder Samstagsschichten, weil wir Produktion aufholen müssen“, erklärt der Generaldirektor der Volkswagen-Gruppe in Russland, Marcus Osegowitsch. Zudem sei die zunächst geplante Schließung zur katholischen Weihnacht – die in Russland kein Feiertag ist – vom Tisch. „Wir geben Gas und machen bis zum 31. Dezember durch“, fügte er hinzu.

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Nicht nur bei VW wird geklotzt: Nur 30 Kilometer weiter westlich schraubt der Autokonzern PSA eilig eine Montagefabrik zusammen, weil ab Anfang nächsten Jahres dort die Kleintransporter Peugeot Expert und Citroёn Jumpy vom Band laufen sollen. Und in Russlands zweiter Automobilhauptstadt St. Petersburg haben die drei dort ansässigen Autowerke von Nissan, Hyundai und Toyota im Oktober einen neuen Produktionsrekord aufgestellt: 32.500 Fahrzeuge bedeuten zugleich ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr für den Standort.

Alle Autobauer in Russland versuchen krampfhaft, die Produktion anzukurbeln. Denn: Wer tief fällt, kann hoch steigen. Vier Jahre lang stürzten die Absätze auf dem russischen Automarkt ins beinah Bodenlose. Von seinem Hochstand 2012, als 2,78 Millionen Neuwagen verkauft wurde, war 2016 gerade einmal die Hälfte übrig (1,426 Millionen Fahrzeuge). Die Hersteller reagierten mit Entlassungen, Kurzarbeit und – manche wie General Motors in St. Petersburg – sogar radikal mit einer Werkschließung.

Doch nun geht es wieder aufwärts, und zwar ebenfalls in zweistelligem Tempo. Derzeit wächst der Markt um rund elf Prozent, doch er beschleunigt gerade noch einmal am Berg. Im Oktober lag das Plus bei 17,3 Prozent. Es sei bereits der achte Monat in Folge, dass die Umsätze steigen.

Zuletzt habe es das 2012 gegeben, freute sich Jörg Schreiber, der Chef des Automobilkomitees bei der Vereinigung Europäischer Unternehmen in Moskau (AEB): „Natürlich ist der Umsatz des heutigen Marktes weit entfernt vom damaligen Rekord.“ Aber bei den derzeitigen Wachstumsraten habe der Markt die Chance immerhin das Ergebnis von 2015, also etwa 1,6 Millionen Neuwagen, einzustellen, schätzt er.

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