Zukunft der Elektroautos: Vom Ladenhüter zum Verkaufsrenner

Zukunft der Elektroautos: Vom Ladenhüter zum Verkaufsrenner

, aktualisiert 15. Dezember 2016, 09:42 Uhr
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Polizisten stehen vor neuen Elektrofahrzeugen der sächsischen Polizei in Dresden. 44 Fahrzeuge der Typen Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive und Renault Zoe sind als Streifenwagen unterwegs.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Auf den Straßen ist von den neuen Elektroautos noch nicht viel zu sehen. Hersteller und Händler tun sich schwer damit, die teuren Fahrzeuge zu verkaufen. Doch in fünf Jahren dürfte sich das schlagartig ändern.

DüsseldorfElektroautos sind Ladenhüter. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für viele andere Länder in der Welt. „Von wenigen Ausnahmen abgesehen zeigen die aktuellen Absatztrends derzeit noch ein geringes Interesse an der E-Mobilität“, unterstreicht Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM), in Bergisch Gladbach bei Köln. Für den Automobilprofessor ist das allerdings nur eine Momentaufnahme. Weil die meisten Autohersteller in aller Welt inzwischen an einer neuen Generation von Elektrofahrzeugen arbeiten, sei voraussichtlich vom Jahr 2020 an „mit einem rasanten weltweiten Wachstum“ bei den Elektroautos zu rechnen.

Mit der Elektromobilität geht es im Moment in vielen Staaten nur sehr schleppend voran. Eine Ausnahme ist dabei allerdings China. Weil die Umweltprobleme vor allem in den Ballungsräumen entlang der chinesischen Ostküste besonders groß sind, treibt die Regierung in Peking den Verkauf von Elektroautos stärker als andere Länder voran. In China sind in diesem Jahr bislang etwa 340.000 Elektrofahrzeuge (rein batteriegetrieben oder Hybrid-Modelle) verkauft worden, binnen Jahresfrist haben sich die Elektroverkäufe damit ungefähr verdoppelt. Bei einem Gesamtmarkt mit mehr als 20 Millionen Neuzulassungen pro Jahr ist der Anteil der Elektromodelle in China auch jetzt noch vergleichsweise klein (1,7 Prozent), heißt es in einer neuen CAM-Studie über die jüngsten Trends bei der Elektromobilität, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

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In den USA sieht es für die Elektroautos schon deutlich schlechter aus. Mehr als 133.000 verkaufte Elektrofahrzeuge in diesem Jahr bedeuten zwar ein Plus von 33 Prozent. Ihr Anteil von gerade einmal 0,8 Prozent fällt allerdings klar niedriger als in China aus.

Im klassischen Automobilland Deutschland steht es um die Elektroautos noch etwas schlechter. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen des Jahres liegt gerade einmal bei einer Quote von 0,7 Prozent, unverändert gegenüber dem Vorjahr. Automobilprofessor Bratzel spricht für Deutschland von einer „ernüchternden Bilanz“. Die Verkaufszahlen für Elektroautos sind im zurückliegenden Jahr gerade einmal um zehn Prozent gestiegen. Auch die im Sommer eingeführte staatliche Prämie für Elektrofahrzeuge hat daran wenig ändern können.

Für Stefan Bratzel sind drei Gründe entscheidend für den Misserfolg der Elektromobile: die geringe Reichweite, das Fehlen einer wirklich nutzbaren Infrastruktur und der hohe Preis der Autos. Solange sich an diesen zentralen Punkten keine Änderung zum Besseren ergebe, solange werde es keine wirklich steigenden Verkaufszahlen geben.


Norwegen als Vorreiter

In Europa schneiden Länder wie Frankreich, Großbritannien und Norwegen deutlich besser als die Bundesrepublik ab. Im „Dieselland“ Frankreich ist der Verkauf von Dieselautos massiv unter Druck geraten. Maßgeblich ist dabei etwa die anhaltende Diskussion in Paris: Aufgrund der hohen Luftbelastung wird in der französischen Hauptstadt intensiv über Fahrverbote für Dieselfahrzeuge diskutiert. Unter den Käufern sorgt das für eine bislang unbekannte Unsicherheit.

Eine Sonderrolle in Europa spielt nach wie vor Norwegen. Weil der Staat dort den Verkauf von Elektroautos etwa über Steuervorteile besonders stark angekurbelt hat, entscheiden sich vergleichsweise viele Käufer für ein Elektrofahrzeug. Der Elektro-Anteil an allen Neuzulassungen liegt in dem kleinen skandinavischen Land in diesem Jahr schon bei fast 30 Prozent. In keinem anderen Land gibt es einen solch hohen Anteil von Elektroautos.

Automobilprofessor Bratzel ist allerdings zuversichtlich, dass sich die Elektroverdrossenheit in Europa und in anderen Teilen der Welt nicht mehr allzu lange halten wird. „Es steht ein massiver Umbruch der Antriebstechnologien bevor“, prophezeit der Hochschullehrer. Die Trendwende habe just in diesem Jahr eingesetzt, angetrieben vom Volkswagen-Dieselskandal, vom Elektroboom in China und einer verschärften Umweltgesetzgebung. In den optimistischsten Schätzungen des CAM kommen die Elektromobile im Jahr 2025 auf einen Anteil von etwa 25 Prozent bei allen Pkw-Neuzulassungen. Nur fünf Jahre später könnten es sogar schon 40 Prozent sein.

Nicht alle Autokonzerne treiben im selben Umfang die Entwicklung von Elektrofahrzeugen voran. Vorreiter bei der Fertigung von rein batteriegetriebenen Fahrzeugen sind aus Sicht des CAM-Instituts Tesla und Renault, gefolgt von Volkswagen, General Motors und Daimler. Plug-in-Hybride sind eine besondere Spezialität aller deutschen Hersteller. Diese Hybride sind allerdings zugleich auch umstritten: Weil sie wahrscheinlich nur eine Übergangstechnologie darstellen, bis es eine funktionierende Ladeinfrastruktur gibt, die den Verkauf von rein batteriegetriebenen Fahrzeugen antreiben würde.

Professor Bratzel spricht von einer „erheblichen Produktdynamik in den nächsten fünf Jahren“. Auch ein Automobilhersteller wie Toyota, der der Elektromobilität bislang skeptisch gegenüber gestanden habe, leite jetzt die Trendwende zum rein batteriegetriebenen Elektroauto ein. Künftig sei in jedem Fahrzeugsegment mit einem wettbewerbsfähigen Angebot an Elektroautos zu rechnen.

Insbesondere die deutschen Automobilhersteller haben eine neue Produktstrategie zur Elektromobilität eingeleitet und konzentrieren sich künftig auf die Entwicklung rein batteriegetriebener Fahrzeuge. Zugleich arbeiten sie auf Aufbau einer Ladeinfrastruktur in Europa, für Bratzel ein „wichtiger Meilenstein“. „Nicht alle Hersteller werden diesen Wandel überleben. Wichtige Erfolgs- und Überlebensparameter werden Innovation, Qualität und Kostenstrukturen sowie die damit verbundenen Mobilitätsdienstleistungen sein.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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