Zwischen Dieselskandal und Autokartell: Volkswagen kann Gewinn kräftig steigern

Zwischen Dieselskandal und Autokartell: Volkswagen kann Gewinn kräftig steigern

, aktualisiert 27. Juli 2017, 09:19 Uhr
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Die Geschäftszahlen bei den Wolfsburgern entwickelten sich zuletzt gut.

Quelle:Handelsblatt Online

Finanziell hat Volkswagen den Dieselskandal überwunden. Dank Sanierungserfolgen bei der Kernmarke legt der Gewinn zu. Angesichts der schweren Kartellvorwürfe drohen die guten Zahlen jedoch zur Nebensache zu verkommen.

WolfsburgDer Wolfsburger Volkswagen-Konzern hat den Gewinn dank weiterer Sanierungserfolge seiner Hauptmarke VW deutlich gesteigert. Der Betriebsgewinn legte im Zeitraum April bis Juni auf 4,5 Milliarden Euro zu, wie die Wolfsburger am Donnerstag mitteilten.

Vor Jahresfrist hatten wegen der Kosten für die Dieselkrise lediglich knapp 1,9 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Der Umsatz erhöhte sich binnen Jahresfrist um 4,7 Prozent auf rund 59,7 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einem Betriebsgewinn etwa in dieser Größenordnung gerechnet.

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Den Ausblick für den Umsatz hob Volkswagen leicht an. Demnach geht das Management um Konzern-Chef Matthias Müller für das Gesamtjahr bei moderat steigenden Auslieferungen nun von einem Umsatzzuwachs von mehr als vier Prozent aus. Bisher waren bis zu vier Prozent Plus erwartet worden. Die Prognose für die operative Rendite blieb dagegen unverändert bei 6,0 bis 7,0 Prozent.

Angesichts der Kartellvorwürfe gegen die Autobranche dürften die Zahlen jedoch fast zur Nebensache werden. Am Mittwochabend war der Aufsichtsrat zuvor vom Vorstand über die Lage bei dem Thema informiert worden. Nach außen schweigt das Unternehmen weiter zu dem Verdacht gegen deutsche Autobauer, hält den Austausch zwischen Konzernen zu technischen Fragen aber für „weltweit üblich“. Wenige Tage vor dem Berliner „Diesel-Gipfel“ ist am Donnerstag Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu Gast im VW-Stammwerk in Wolfsburg.

Zur Frage von Gesprächen unter den Herstellern hieß es in einer VW-Mitteilung, davon profitierten auch Kunden, „weil innovative Lösungen schneller verfügbar und preiswerter sind als aufwendigere Einzelentwicklungen“. Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche in verschiedenen Fragen mutmaßlich abgesprochen haben sollen. Einige VW-Kontrolleure gaben an, vom Kartellverdacht aus den Medien erfahren zu haben.

„Die Information gegenüber dem Aufsichtsrat ist offen diskutiert worden“, teilte Volkswagen mit. „Der Vorstand wird den Aufsichtsrat in entsprechenden Angelegenheiten vollumfänglich informiert halten.“


Diesel-Gipfel bewegt die Branche

In Berlin betonte ein Sprecher von Hendricks, der Auftakt ihrer Sommerreise sei nicht mit Blick auf den Verdacht illegaler Absprachen deutscher Autobauer geplant worden. „Aber es trifft sich, denke ich, sehr gut“, fügte er hinzu. Denn es gehe um Mobilität der Zukunft, Elektromobilität und „die Herausforderungen, die sich VW konkret jetzt vorgenommen hat“. Die Ministerin will sich auch mit Konzernchef Müller und Betriebsratschef Bernd Osterloh treffen. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sowie Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) – sie sitzen im Aufsichtsrat von VW – hatten Aufklärung verlangt.

Die Geschäftszahlen bei den Wolfsburgern entwickelten sich zuletzt gut. Im ersten Halbjahr 2017 übergab der Konzern knapp 5,2 Millionen Fahrzeuge – 0,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni legten die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,2 Prozent auf 920.700 Neuwagen zu. Die Kernmarke VW Pkw profitiert derzeit vom Aufschwung in Europa sowie von der Erholung auf dem russischen und dem südamerikanischen Markt. Im wichtigsten Einzelmarkt China dagegen schwächelte die Tochter Audi weiter.

Am kommenden Mittwoch will die Bundesregierung mit mehreren Ländern und Autobauern beim „Diesel-Gipfel“ Wege finden, um einen geringeren Schadstoffausstoß zu erreichen. Hintergrund ist der VW-Abgas-Skandal mit Millionen manipulierten Dieselmotoren. Thema wird den Angaben zufolge sein, ob und wie ältere Diesel nachgerüstet werden können, um Fahrverbote zu vermeiden. Ob Software-Updates dafür ausreichen, ist unter Politikern und Experten umstritten. Hendricks ist zusammen mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Gastgeberin des Treffens.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck mahnte die Branche, den Wandel zu neuen Antriebsarten auch angesichts der Diesel-Debatte nicht zu verpassen. „Wenn unsere Autoindustrie mit ihren zigtausend Arbeitsplätzen eine Zukunft haben soll, dann nicht mit Benzin und Diesel“, sagte der Grünen-Politiker der „Heilbronner Stimme“. „Die sind in 15 Jahren so veraltet wie Pferdekutschen vor 60 Jahren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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