Amazon Web Services: „Ein eigenes Datenzentrum macht keinen Sinn“

InterviewAWS-Chef Andy Jassy: „Deutschen Firmen ist wichtig, wo Daten gespeichert werden”

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Andy Jassy ist CEO von Amazon Web Services.

von Matthias Hohensee

Die Cloud-Sparte Amazon Web Services ist die wichtigste Profitquelle von Amazon. Jetzt will Andy Jassy, Chef von Amazon Web Services, mit eigenen Rechenzentren in Deutschland Mittelständler überzeugen.

WirtschaftsWoche: Mr. Jassy, Sie haben Amazon Web Services 2006 mit aus der Taufe gehoben. Wann wurde Ihnen bewusst, dass in der Idee ein milliardenschweres Geschäft steckt, derzeit der wichtigste Profitquelle von Amazon?
Andy Jassy: Dass es so groß werden könnte, hat damals niemand von uns vorhergesehen. Wir haben gedacht, wenn Amazon einen Dienst benötigt, mit dem man rasch und flexibel Internet-Bandbreite und Rechenleistung zuschalten kann, haben sicherlich auch andere Unternehmen diesen Bedarf. Aber wenn man etwas ganz Neues startet, weiß man nie wie die Sache ausgeht.

Wann kam der Wendepunkt?
2008, als der Online-Videodienst Netflix seine Infrastruktur in unsere Hände legte. Sie hatten wirklich sehr kompetente Experten für Internet-Infrastruktur, die auch wir mit Kusshand genommen hätten. Netflix entschied, sich lieber ganz auf das Geschäft mit Videos zu fokussieren und sich so vom Wettbewerb abzusetzen.

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Zu dem auch Amazon Video als ärgster Herausforderer gehört. Hat es deshalb noch nie Ärger gegeben?
Nein, noch nie. Es ist uns ganz wichtig, dass Netflix genauso gleichrangig behandelt wird wie auch Amazons Videogeschäft. Schließlich haben wir auch noch andere Kunden, mit denen Amazons Handelssparte im Wettbewerb steht.

Zur Person

  • Andy Jassy

    Andy Jassy, 48, hat das Cloud-Geschäft bei Amazon aufgebaut und wurde dafür im Frühjahr von Gründer Jeff Bezos mit dem CEO-Titel belohnt.

Amazon Web Services hat in diesem Jahr die Zehn-Milliarden-Dollar-Schwelle beim Umsatz überschritten. 2014 waren es noch 4,6 Milliarden Dollar. Wie lange können Sie dieses Tempo halten?
Wir legen laut unseren jüngsten Quartalszahlen 55 Prozent jährlich zu, was einem hochgerechneten Jahresergebnis von 13 Milliarden Dollar entspricht. Das ist schon ein erheblicher Umsatz. Trotzdem glauben wir, dass wir noch ganz am Anfang stehen. Nicht nur in den USA. Sondern auch international, wo das Geschäft mit Cloud Computing je nach Land zwölf bis 24 Monate hinterher ist. Das Geschäft mit Internet-Infrastruktur und Software hat ein Volumen von mehreren Billionen Dollar. Wir schauen optimistisch in die nächsten zehn Jahre.

Wo steht Deutschland aus Ihrer Sicht im internationalen Vergleich?
Da hat sich sehr viel getan, besonders seit wir mit eigenen Rechenzentren in Frankfurt präsent sind. Das hat unserem Geschäft richtig Schwung verliehen. Zwei Drittel der Dax-Unternehmen nutzen Amazon Web Services bereits. Aber wir sehen auch viel Wachstum bei mittelständischen Kunden in Deutschland. Beispielsweise migrieren Firmen wie Carl Zeiss Meditec, Kärcher und Peek & Cloppenburg ihre Anwendungen in die Cloud. Mittelständler profitieren gleichermaßen von der Agilität, der Kostenersparnis, der Elastizität und der großen Bandbreite an Funktionalität wie alle anderen Kunden von AWS. Es war den deutschen Kunden sehr wichtig, ihre Kundendaten vor Ort speichern zu können.

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Glauben Sie, dass Amazon Web Service das Kerngeschäft von Amazon überflügeln wird?
Das Potenzial ist da, dass es das größte Geschäft innerhalb von Amazon werden kann. Und dass, obwohl das Handelsgeschäft von Amazon bereits mehr als 100 Milliarden Dollar beträgt, wir also noch weit entfernt sind. Aber noch mal: Wir sprechen hier von einem Geschäft, in dem Billionen von Dollar stecken.

Sie betonen „innerhalb von Amazon“. Gibt es keine Pläne, sich selbständiger vom Mutterkonzern zu machen?
Wir haben das nicht vor. Nun bin ich fast zwanzig Jahre bei Amazon und habe gelernt, dass man nie etwas kategorisch ausschließen sollte. Aber was sollte der Vorteil sein, wenn wir uns von Amazon abspalten?

Sie könnten unabhängiger und agiler auftreten.
Das sind wir jetzt schon, weil Amazon sehr dezentral organisiert ist und die einzelnen Abteilungen ihr eigenes Management-Team haben und autonom agieren.

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