Rocket Internet: Start-up-Schmiede sammelt Millionen ein

Rocket Internet: Start-up-Schmiede sammelt Millionen ein

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Der Rocket Internet Capital Partners Fund soll neues Kapital für langfristige Investitionen bringen.

Aktienkurs im Keller, Aufsichtsratschef ausgewechselt, ein wichtiger Börsengang abgeblasen - Rocket Internet braucht nun gute Nachrichten. Gründer Oliver Samwer versucht es mit viel Geld.

Die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet lehnt trotz stark gesunkenen Aktienkurses einen Strategiewechsel ab. „Der Kurs unseres Unternehmens ist, dass wir über viele Jahre noch im Investitionsmodus sind“, sagte Gründer und Vorstandschef Oliver Samwer am Dienstag in Berlin. Man sei dagegen, „kurzfristig der Börse immer alle drei Monate Häppchen zu zeigen“.

Neues Kapital für langfristige Investitionen bringt demnach der Rocket Internet Capital Partners Fund. In einer ersten Runde habe man dafür mehr als 420 Millionen US-Dollar (gut 385 Mio Euro) eingesammelt, gab Samwer bekannt. „Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis in das Rocket-Geschäftsmodell.“ Von der Summe kommen 50 Millionen Dollar von Rocket selbst.

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Insgesamt werden mehr als 500 Millionen Dollar angestrebt. Der Fonds mit Sitz in Luxemburg sei auf zehn bis zwölf Jahre angelegt und soll sein Geld gemeinsam mit Rocket Internet in aussichtsreiche Jungunternehmen stecken. Zu den Investoren zählen nach Samwers Worten Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen.

Beteiligungen von Rocket Internet (mit Aussicht auf Börsengang)

  • Hellofresh

    Hellofresh nimmt Online-Bestellungen an und liefert Zutaten für Speisen. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und hat bis 2014 eine Umsatz von 70,1 Millionen Euro erwirtschaftet, davon rund 15 Millionen Euro Verlust. Der Unternehmenswert liegt bei 620 Millionen Euro. Rocket Internet gehören 51,7 Prozent des Unternehmens.

  • Delivery Hero

    Auch Delivery Hero nimmt Online-Bestellungen an, liefert neben Lebensmitteln aber auch Getränke. 2014 hat das Unternehmen 88 Millionen Euro Umsatz gemacht, davon ganze 70 Millionen Euro Verlust. Rocket Internet hält 38,5 Prozent der Anteile des 2,8 Milliarden schweren Unternehmens.

    Quelle: Unternehmen

Mit eigenen Barmitteln von 1,7 Milliarden Euro könne Rocket nun insgesamt 2,1 Milliarden Euro investieren, sagte Samwer. „Damit spielen wir international in der Top-Liga der Investoren.“

Die Rocket-Aktie hatte in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren. Am Dienstag notierte sie zwischen 18,50 Euro und 19 Euro. Beim Börsengang im Oktober 2014 waren 42,50 Euro erzielt worden.

Nach einigen Personalwechseln widersprach Samwer Berichten, wonach es Konflikte im Unternehmen oder mit einem seiner Teilhaber, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, gebe. „Das Rocket-Kernteam ist unverändert.“ Es habe zu keinem Zeitpunkt Streit im Aufsichtsrat gegeben.

Zitate über Oliver Samwer

  • Über negative Äußerungen über Oliver Samwer

    „Es sind oft dieselben zwei Gründe, weshalb sich Leute negativ über ihn äußern: Man hat seine eigentlich sehr direkte und klare Art nicht verstanden und fühlt sich unfair behandelt. Viele denken aufgrund seiner gewinnenden Art aber auch, dass sie mit Oliver Samwer eng befreundet sind. [...]Wer das, was Oliver Samwer sagt, für bare Münze nimmt und nicht angepasst in seine eigene Sprache übersetzt, macht aber ohnehin etwas falsch.“

    Jambas langjähriger Pressechef Tilo Bonow über die Arbeit mit Oliver Samwer

  • Über die Arbeit bei Ebay-Klon Alando

    „Es herrschte eine gute und tolle Stimmung bei Alando und obwohl am Tag 12 bis 13 Stunden gearbeitet wurde und man auch am Wochenende im Büro war, spürte jeder diese Aufbruchstimmung. Wir haben auch viel gelacht. [...] Die Samwers hatten noch keinen großen Namen, Presseaufmerksamkeit gab es kaum, das Internet war noch nicht so gehypt, und es steckten keine 100 Millionen in Alando. Alles war viel entspannter und es herrschte eben echte Goldgräberstimmung.“

    Samwer-Wegbegleiter Ole Brandenburg über die Stimmung bei Ebay-Klon Alando

  • Über die Arbeitsweise

    „Oliver Samwer hat Benzin statt Blut in den Adern. Er arbeitet härter als jeder, den ich kenne, und als Manager hat man genau deshalb großen Respekt vor ihm. Er hat ja auch nie Zeit, was einem das Gefühl vermittelt, dass seine Aufmerksamkeit ein sehr wertvolles Gut ist. [...] Der Vergleich ist sicherlich sehr krass, aber ein wenig ist das wie bei einer Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird: Es löst Glücksgefühle aus, wenn du keine Schläge abbekommst.“

    Eine ehemalige Führungskraft über Oliver Samwer

  • Über die Atmosphäre bei Jamba

    „Die Atmosphäre bei Jamba war in der Anfangszeit oft wie in einem Bienenstock. Kam man zwei Minuten zu spät, gab es sofort einen Anschiss, egal ob man am Tag zuvor bis spät in den Abend im Büro saß oder das Wochenende durchgearbeitet hatte. Auch Raucherpausen wurden stets moniert, besonders wenn ein Mitarbeiter Verantwortung trug und deshalb ein Vorbild sein sollte.“

    Ein ehemaliger Mitarbeiter über die Atmosphäre bei Jamba

  • Über sein Sozialverhalten

    „Oliver Samwer hat eine völlige Abneigung gegenüber Smalltalk. Wenn er eine Person für unbedeutend hält oder sich nicht für ihre Belange interessiert, verbringt er auch praktisch keine Zeit mit ihr, sondern lässt sie einfach stehen. Er sagt nicht Hallo, er sagt nicht Auf Wiedersehen, sondern lässt Leute völlig im Regen stehen. Auch bei Telefonaten fängt er einfach an loszureden und legt auf, sobald er gesagt hat, was er sagen wollte. Er praktiziert diese soziale Kälte mit einer derart frappierenden Skrupellosigkeit, dass man sich unmittelbar eingeschüchtert fühlt und in der Regel irritiert zurückbleibt.“

    Ein ehemaliger Manager über Oliver Samwers Sozialverhalten

  • Über den Führungsstil

    „[Oliver Samwer] ist smart und sehr flink im Kopf, wodurch er nicht gefestigte Standpunkte ganz schnell auseinandernehmen kann. Bullshitten kann man bei ihm deshalb nicht. Er durchschaut jegliche Ahnungslosigkeit und passiert dies mehrfach, verliert man seinen Respekt und kann gehen. Umgekehrt sind die Möglichkeiten aber fast grenzenlos, hat man es erst einmal in seinen engen Zirkel geschafft. [...] Ab einem bestimmten Punkt lässt er einen aber nicht mehr lernen, weil er nicht will, dass man ein Unternehmen alleine vollumfassend realisieren kann. [...]“

    Eine ehemalige Mitarbeiterin über Oliver Samwers Führungsstil

  • Über Zuckerbrot und Peitsche

    „Das Konzept von Zuckerbrot und Peitsche beherrscht Oliver Samwer bis ins Detail, nur dass er dabei sogar das Zuckerbrot weglässt. Die Messlatte liegt so hoch und es gibt so wenig Lob, dass es einen eigentlich demotivieren sollte. Aber während Oliver Samwer öffentlich oft aggressiv und pushy ist, kann er im Einzelgespräch auf einmal so charmant sein, dass viele ihm anschließend ihre Qualität beweisen wollen.“

    Ein ehemaliger Groupon-Mitarbeiter über Oliver Samwers Methoden

  • Über Samwers Einfluss auf andere

    „Das Krasse an Oliver Samwers Führungsstil ist, dass er andere dazu bewegt, latent sadistische Tendenzen zu entdecken und mit der Zeit immer mehr auszuleben. Menschen, die anfangs noch freundlich und normal mit anderen umgingen, beginnen unter seiner Führung damit, andere zu quälen und zu schikanieren. Sie nehmen Olis aggressiv-unsoziale Art an und lassen sich berauschen von der Macht, die er ihnen über andere vermittelt. Das ist ein wenig wie in Diktaturen, bei denen man sich als neutraler Beobachter hinterher immer fragt, wie es geschehen konnte, dass so viele Menschen dieser offensichtlich destruktiven Propaganda folgten.“

    Ein ehemaliges Management-Mitglied über die Führungskräfte der Samwers

  • Quelle

    Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Im Herbst hatte das Unternehmen den geplanten Börsengang des Lebensmittel-Versenders Hello Fresh aufs Eis gelegt. Hello Fresh sei extrem erfolgreich, man wolle aber auf ein besseres Umfeld warten. „Am Ende gehen sie mit einem Schiff raus, wenn der Wind gut ist.“

Samwer sagte, die Verluste seiner wichtigsten Beteiligungen („Proven Winners“) hätten 2015 ihren Höchststand erreicht. „Von nun an geht es runter.“ Vom vierten Quartal 2017 an sollen drei dieser zwölf Unternehmen dauerhaft profitabel sein. Auch der Schuh- und Modehändler Zalando, der inzwischen Gewinn macht, sei über Jahre für seine Verluste kritisiert worden, verteidigte Samwer den Kurs.

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