Yahoo: Konzern rutscht tief in die roten Zahlen

Yahoo: Konzern rutscht tief in die roten Zahlen

, aktualisiert 20. April 2016, 08:33 Uhr

Bei Yahoo läuft es auch inmitten des Bieterwettstreits um das Internet-Urgestein nicht rund. Zu Jahresbeginn gab es einen deutlichen Umsatzrückgang und einen hohen Verlust.

Yahoo ist inmitten des Bieterwettstreits um den Internet-Konzern tief in die roten Zahlen gerutscht. Im ersten Quartal gab es einen Verlust von gut 99 Millionen Dollar (87 Millionen Euro). Auslöser war unter anderem ein Umsatzrückgang von über elf Prozent auf 1,09 Milliarden Dollar.

Zugleich flossen aber auch fast 228 Millionen Dollar an andere Online-Dienste ab, weil über sie Nutzer zu Yahoo kamen. Das war ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Damit muss sich Yahoo die Präsenz der Internet-Nutzer auf seinen Seiten zunehmend teuer erkaufen. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch über 21 Millionen Dollar verdient.

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Der einstigen Google-Vorzeigemanagerin Marissa Mayer ist es in mehr als drei Jahren nicht gelungen, das Anzeigengeschäft bei Yahoo in Schwung zu bringen. Sie setzte vor allem darauf, die Umsätze aus neuem Geschäft etwa auf mobilen Geräten, mit Video-Werbung und in sozialen Medien zu steigern. Im vergangenen Quartal legten sie im Jahresvergleich um 6,8 Prozent auf 390 Millionen Dollar zu - und damit deutlich langsamer als im vergangenen Jahr, wo es noch Sprünge von bis zu 60 Prozent gegeben hatte.

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

  • Platz 10

    Im Jahr 2010 schluckte Microsoft die norwegische Suchmaschine Fast. Das 1997 gegründete Unternehmen ist auf Suchmaschinenprogramme für Firmenkunden spezialisiert. Der Kaufpreis soll 1,2 Milliarden US-Dollar betragen haben.
    Quelle: Statista

  • Platz 9

    2006 übernahm Google Youtube für 1,65 Milliarden US-Dollar. Youtube, damals noch ein defizitäres Start-Up-Unternehmen, war für Google zu diesem Zeitpunkt der teuerste Kauf in der achtjährigen Firmengeschichte.

  • Platz 8

    2014 überrasche Facebook Branchenkenner mit dem Kauf von von Oculus VR. Zwei Milliarden US-Dollar zahlte Facebook für den Hersteller von VR-Brillen, die speziell für PC-Spiele ausgelegt sind. Mit dem Unternehmen hat Mark Zuckerberg großes vor. „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform überhaupt zu werden“, sagte er anlässlich der Übernahme.

  • Platz 7

    Nur ein Jahr nach der Youtube-Übernahme kaufte Google für sage und schreibe 3,1 Milliarden US—Dollar den Anzeigenriesen Doubleclick. Auch Microsoft, AOL und Yahoo waren interessiert, hatten allerdings das Nachsehen. Schon vor dem Zukauf hatte Google die führende Stellung im Geschäft mit der Internet-Werbung inne. Mit der Übernahme konnte Google diese Position noch weiter ausbauen.

  • Platz 6

    Ähnlich viel wie für Doubleclick zahlte Google für den Kauf Nest Labs: 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Firma, die smarte Thermostate und Rauchmelder herstellt hat für Google ein ganz besonderes Potenzial: Sie ermöglicht Google das Sammeln von Daten in der analogen Welt.

  • Platz 5

    Nur einen Monat, nachdem Google Microsoft Doubleclick vor der Nase weg kaufte, legte Microsoft 2007 nach und kaufte für 6,3 Milliarden US-Dollar Aquantive – einen Wettbewerber Doubleclick. Für Microsoft war das bis dato der größte Zukauf der Firmengeschichte. Letztendlich war es ein Flop für Microsoft.

  • Platz 4

    Im Jahr 2013 kaufte Microsoft für 5,4 Milliarden US-Dollar die Handysparte von Nokia. Bereits seit 2011 hatten beide Unternehmen zusammengearbeitet – Nokia war der wichtigste Hersteller für Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

  • Platz 3

    2011 tätigte Microsoft den bis dato teuersten Kauf seiner Firmengeschichte: Für 8,5 Milliarden US-Dollar übernahm Microsoft den Online-Telefondienst Skype. Rentiert hat sich das bis heute nicht. Skype fehlt es an zahlenden Kunden.

  • Platz 2

    Im August 2011 kündigte Google an, den Mobilfunk-Pionier Motorola Mobility zu übernehmen. Insgesamt 12,5 Milliarden US-Dollar zahlte Google dafür. Interessant seien für Google nach eigenen Angaben vor allem das 17.000 Eintragungen umfassende Patentportfolio Motorolas gewesen. Die Liasion hielt nicht lange. 2014 verkaufte Google das Unternehmen für knapp drei Milliarden US-Dollar an Lenovo.

  • Platz 1

    Im Februar 2014 kündigte Facebook an, den Messanger-Dienst Whatsapp zu übernehmen. Der damalige Kaufpreis: 19 Milliarden US-Dollar. Facebook hat Whatsapp wegen des schnell Nutzerzuwachs übernommen. Mittlerweile hat Whatsapp 700 Millionen Nutzer weltweit.

Die Entwicklung in diesem Geschäft hatte Mayer immer wieder als Beleg für den Erfolg ihrer Reformen präsentiert. Die Medienangebote, in die sie stark investiert hatte, wurden zuletzt bereits deutlich gestutzt.

Am Tag vor den Quartalszahlen lief die Frist für erste Gebote für das Yahoo-Geschäft ab. Als aussichtsreichster Anwärter gilt der Telekommunikations-Konzern Verizon, zu dem auch die Online-Sparte AOL mit Medien wie die „Huffington Post“ gehört. Medienberichten zufolge sind auch noch die britische Zeitung „Daily Mail“ sowie Finanzinvestoren und die Online-Werbefirma YP Holdings im Rennen.

Die Gebote lägen zwischen vier und acht Milliarden Dollar, schrieb das „Wall Street Journal“ am Mittwoch. Das Unternehmen prüfe sie nun, bevor eine Frist für endgültige Offerten gesetzt werde.

Yahoo machte am Dienstag keine Angaben zu Interessenten und Geboten. Mayer sagte lediglich, sie und Finanzchef Ken Goldman hätten mit den bekanntesten und am meisten respektierten Leuten in der Industrie gesprochen. Sie wies Vorwürfe einiger Aktionäre zurück, Yahoo betreibe den Verkauf nicht ernsthaft genug. Anonyme Kaufinteressenten hatten sich in Medienberichten beschwert, es sei schwer gewesen, von Yahoo konkrete Prognosen zur künftigen Entwicklung zu bekommen.

Yahoo Woran Marissa Mayer gescheitert ist

Yahoo verzeichnet einen Milliardenverlust, 15 Prozent der Mitarbeiter müssen gehen: Marissa Mayer ist mit ihrem Konzept bei dem einstigen Internet-Riesen gescheitert – sie konnte die Kernprobleme von Yahoo nicht lösen.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer Quelle: Bloomberg

Mayer wollte ursprünglich die Beteiligung von 15 Prozent an der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, die nach aktuellen Kursen fast 29 Milliarden Dollar wert ist, verkaufen und den Erlös an die Aktionäre ausschütten. Doch dann weigerten sich die US-Behörden zuzusichern, dass der Deal steuerfrei bleiben würde. Deshalb wurde kurzerhand stattdessen der Rest zum Verkauf gestellt. Der Konzern prüfe auch weiterhin, Patente und Landbesitz abzustoßen, hieß es jetzt.

Die Yahoo-Aktie legte nachbörslich trotz der schwachen Zahlen um rund ein Prozent zu. Der Gewinn pro Aktie fiel wie an der Wall Street prognostiziert aus, und der Umsatz übertraf die Erwartungen. Mayer demonstrierte Gelassenheit: Kurz nach Vorlage der Zahlen veröffentlichte sie ein Foto, auf dem sie ausgelassen mit ihren im Dezember geborenen Zwillingen lacht.

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