Plötzlich Chefin: In den Schuhen des Vaters

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Plötzlich Chefin: In den Schuhen des Vaters

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Eva Clüsserath gehört zu den Winzertöchtern, die Weine von Weltrang produzieren – von diesen Frauen gibt es immer mehr.

Welche Herausforderungen fünf deutsche Unternehmertöchter meistern.

Eva Clüsserath: Konservativ handeln

Am Anfang hat Ansgar Clüsserath manchmal geschimpft: „Ich denke, ich stehe statt mit meiner Tochter mit meinem eigenen Vater im Weinkeller.“ Was ihn in Rage brachte: Seine Eva, die 2001 in das preisgekrönte Riesling-Weingut eingestiegen war, hatte noch konservativere Ansichten beim Weinmachen als er.

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„Verkehrte Welt“, sagt Eva Clüsserath, die jede Art von Hochtechnologie für ihren Betrieb ablehnt: „Mein Vater tut das zwar auch, aber ich bin noch puristischer.“ Im Herzen war der Vater trotz gelegentlichem Dissens wohl doch froh, dass die beiden in die gleiche Richtung denken.

Noch ist das Gut im Besitz des Vaters. Der kleine, aber feine Betrieb produziert mit acht Mitarbeitern jährlich nur 40.000 Flaschen. Die Weine aus bekannten Lagen wie Trittenheimer Apotheke werden auch in Norwegen, Taiwan, Japan und den USA gerne getrunken. Winzerin Clüsserath gehört zu den Trendsetterinnen in der deutschen Wirtschaft. Denn in keiner mittelständischen Branche übernehmen so viele Töchter die Betriebe ihrer oft sehr erfolgreichen Väter wie gerade beim Weinbau.

Sie scheinen das richtige Näschen zu haben – denn oft machen sie die Güter noch berühmter. So reiht sich mittlerweile ein klangvoller Name an den nächsten: Dorothee Zilliken (Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken), Caroline Diel (Schlossgut Diel), Meike Näkel (Weingut Meyer-Näkel), Carolin Spanier Gillot (Weingut Kühling-Gillot), Sandra Sauer (Weingut Horst Sauer) – sie alle sind Weinkennern ein Begriff.

Die Kaderschmiede dieser Könnerinnen liegt in den meisten Fällen in Geisenheim am Rhein. Auch wenn damals die Männer dort noch überwogen. Von den 60 Studenten des Fachs Weinbau aus Clüsseraths Abschluss-Jahrgang vor 14 Jahren war gerade ein Zehntel weiblich. Heute, schätzt die 38-Jährige, „ist das Verhältnis 50 zu 50“. Insofern ist mit noch mehr weiblichen Erfolgsgeschichten zu rechnen. Gleichzeitig gilt die Universität als Heiratsmarkt, wie Clüsserath lachend erzählt. Auch in ihrem Fall war es so: Den Eltern ihres Kommilitonen und heutigen Ehemannes Philipp gehört das rheinhessische Weingut Wittmann.

Dreifach Belastung

Das macht Clüsseraths Leben organisatorisch nicht einfacher. In Trittenheim an der Mosel betreut sie den väterlichen Weinbau und im Büro des Gatten in Westhofen bei Worms macht sie die kaufmännische Abwicklung. So wurde sie zur Dauer-Pendlerin.

Dass sich das mit der Betreuung der beiden Kinder vereinbaren lässt, ist vor allem den Großeltern zu verdanken. Alle vier beteiligen sich an der Betreuung der vierjährigen Tochter und des zehn Monate alten Sohnes. Bei Clüsserath keimt zeitweilig das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern auf. Doch meistens schiebt sie es erfolgreich beiseite. Sie ist gern Unternehmerin und denkt an Expansion: „Ein paar gute Lagen würde ich schon noch dazukaufen.“

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