Mittelstand „euphorisch“ - aber auch wachsende Sorgen

Umfrage: Mittelstand „euphorisch“ - aber auch wachsende Sorgen

Viele kleine und mittlere Firmen in Deutschland strotzen aktuell vor Kraft, die Zahl der Optimisten unter ihnen ist so hoch wie lange nicht. Der gesamte Ausblick aber ist nicht ungetrübt.

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Ein Auszubildender arbeitet.

Der industrielle Mittelstand ist so optimistisch wie seit mehr als zehn Jahren nicht - sorgt sich aber zunehmend um Fachkräftemangel und Cybersicherheit.

In der aktuellen Mittelstands-Umfrage für den Industrieverband BDI und die Unternehmensberatung A.T. Kearney bezeichnen 59 Prozent der Betriebe ihre Wirtschaftslage als gut oder sehr gut. Dies sei der höchste Anteil der Optimisten seit der ersten Erhebung im Jahr 2005 und spiegele eine außergewöhnlich stabile Lage wider. 2016 hätten dies „nur“ 47 Prozent erklärt. Nur jedes tausendste Unternehmen befinde sich derzeit in einer sehr schlechten Lage. „Die Stimmung im industriellen Mittelstand ist euphorisch“, heißt es.

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Der Ausblick auf 2018 fällt zwar etwas verhaltener, aber immer noch sehr zuversichtlich aus. 52 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer guten bis sehr guten Geschäftslage aus. Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit einem schlechten Jahr.

Die innovativsten deutschen Mittelständler

  • Platz 15

    Lamilux
    Hauptsitz: Rehau (BY)
    Produkt: Lichttechnologie
    Umsatz: 187 Mio Euro
    Innovationsscore: 169

  • Platz 14

    Windmöller Holding
    Hauptsitz: Augustdorf (NRW)
    Produkt: Bodenbeläge
    Umsatz: 120 Mio Euro
    Innovationsscore: 170

  • Platz 13

    Maja-Maschinenfabrik
    Hauptsitz: Kehl (BW)
    Produkt: Lebensmittelverarbeitung
    Umsatz: 23 Mio Euro
    Innovationsscore: 171

  • Platz 12

    Mekra Lang
    Hauptsitz: Ergersheim (BY)
    Produkt: Spiegel für Nutzfahrzeuge
    Umsatz: 260 Mio Euro
    Innovationsscore: 172

  • Platz 11

    Brandt Zwieback
    Hauptsitz: Hagen (NRW)
    Produkt: Zwieback
    Umsatz: 189 Mio Euro
    Innovationsscore: 175

  • Platz 10

    Edelmann
    Hauptsitz: Heidenheim (BW)
    Produkt: Verpackungslösungen
    Umsatz: 235 Mio Euro
    Innovationsscore: 177

  • Platz 9

    Insiders Technologies
    Hauptsitz: Kaiserslautern (RP)
    Produkt: Software
    Umsatz: 18 Mio Euro
    Innovationsscore: 178

  • Platz 8

    Arburg
    Hauptsitz: Loßburg (BW)
    Produkt: Spritzgießmaschinen
    Umsatz: 548 Mio Euro
    Innovationsscore: 181

  • Platz 6

    Fischerwerke
    Hauptsitz: Waldachtal (BW)
    Produkt: Befestigungssysteme
    Umsatz: 625 Mio Euro
    Innovationsscore: 185

  • Platz 7

    Aquatherm
    Hauptsitz: Attendorn (NRW)
    Produkt: Rohrleitungssysteme
    Umsatz: 91 Mio Euro
    Innovationsscore: 182

  • Platz 5

    C. Josef Lamy
    Hauptsitz: Heidelberg (BW)
    Produkt: Schreibgeräte
    Umsatz: 71 Mio Euro
    Innovationsscore: 186

  • Platz 4

    Leica Camera
    Hauptsitz: Wetzlar (HE)
    Produkt: Kameras
    Umsatz: 276 Mio Euro
    Innovationsscore: 189

  • Platz 3

    Gebr. Kemper
    Hauptsitz: Olpe (NRW)
    Produkt: Gebäudetechnik
    Umsatz: 270 Mio Euro
    Innovationsscore: 190

  • Platz 2

    Bahlsen
    Hauptsitz: Hannover (NI)
    Produkt: Süßgebäck
    Umsatz: 515 Mio. Euro
    Innovationsscore: 194

  • Platz 1

    Rimowa
    Hauptsitz: Köln (NRW)
    Produkt: Koffer
    Umsatz: 273 Mio. Euro
    Innovationsscore: 197

  • Ranking: Die Krönung der Champions

    Wer zu Deutschlands innovativsten Mittelständlern gehören will, muss ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Die Münchner Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) wertete im Auftrag der WirtschaftsWoche zunächst die Daten von 3500 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften: Sie analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden, Branchenexperten, Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten. Danach nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes einzelne errechneten die Berater einen eigenen Innovationsscore. „Dabei achten wir darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuerungen auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat“, erklärt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold die Kriterien. Zudem flossen auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatzwachstum und Ertragskraft in die Bewertung ein. Theopolds Fazit: „Wer innovativ ist, wächst auch schneller und erzielt nachhaltigere Erträge.“ Die MSG-Berater analysierten bereits um dritten Mal für die WirtschaftsWoche die Innovationskraft deutscher Mittelständler (Heft 15/2014 und Heft 42/2015). Während beim ersten Ranking noch Maschinenbauer dominierten, sind nun mehr Konsumgüterhersteller unter den Siegern. Die meisten innovativen Unternehmen kommen aus Baden-Württemberg. Den ersten Platz belegt der Kölner Kofferhersteller Rimowa. Rang zwei nimmt der Keksbäcker Bahlsen ein. „Die beiden Vertreter der ,Old Economy’ sind Vorreiter bei der Digitalisierung“, sagt Studienleiter Theopold.

Dabei sind Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern sehr optimistisch. Zwei Drittel gehen von einer guten Lage aus, 7 Prozent von einer sehr guten weiteren Entwicklung. Unter Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten beurteilen 51 Prozent die Geschäfte für 2018 gut oder sehr gut. Treiber ist den Angaben zufolge die Binnenkonjunktur: 44 Prozent der Mittelständler gehen von steigenden Inlandsumsätzen aus, 27 Prozent erwarteten dies im Auslandsgeschäft.

Fachkräftemangel und nationalistische Strömungen im Ausland trüben jedoch die Stimmung. Jeweils 35 Prozent der Befragten befürchten negative Auswirkungen durch die protektionistische Rhetorik der US-Regierung unter Donald Trump sowie durch den EU-Austritt Großbritanniens. Nationalistische Strömungen in den EU-Staaten betrachten 42 Prozent als Risiko für ihr Geschäft.

„Auch nach der Bundestagswahl muss Deutschland ein Gegengewicht zu Abschottungstendenzen sein“, fordert Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. 52 Prozent der Befragten nennen fehlendes qualifiziertes Personal als größtes Risiko.

„Besorgniserregend“ sei, dass nur 35 Prozent die Digitalisierung als Chance sehen. „Dem deutschen Mittelstand geht es gut, aber die Digitalisierung lässt keine Zeit zum Ausruhen“, mahnt Martin Eisenhut von A.T. Kearney. Der Megatrend sei im Mittelstand zwar angekommen. „Wissen und Handeln liegen jedoch noch ein gutes Stück auseinander.“

Alarmierend sei, dass sich fast jedes fünfte Unternehmen mit dem Thema überhaupt nicht auseinandersetze. Weitere 28 Prozent geben an, die Auswirkungen noch nicht verstanden zu haben. Mit großem Abstand als größte Herausforderung sieht ein Drittel der Befragten die Cyber- und Datensicherheit.

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