Russische Investoren: "Geschäfte mit Russland sind kein Nullsummenspiel"

Russische Investoren: "Geschäfte mit Russland sind kein Nullsummenspiel"

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Thomas Borer-Fielding arbeitet als Unternehmensberater in Deutschland, Russland und in der Schweiz. Von 1999 bis 2002 war er Schweizer Botschafter in Berlin

Russische Investoren auf großer Shoppingtour im Westen: Die Sberbank steigt bei Opel ein, dubiose Moskauer Geschäftsleute retten die Wadan-Werft, der Technologieriese Sistema will erst die Telekom und nun Infineon kaufen. Das sorgt für Skepsis. Doch Thomas Borer-Fielding, Berater des russischen Oligarchen Viktor Wekselberg, wirbt im wiwo.de-Interview für mehr Verständnis.

Herr Borer-Fielding, können Sie uns erklären, warum sich russische Investoren so stark für westeuropäische Firmen interessieren?

Borer-Fielding: Die russische Wirtschaft ist abhängig vom Öl- und Gasexport. Jenseits des Rohstoffsektors herrscht noch großes Entwicklungspotenzial. Das soll sich ändern, deswegen kaufen Investoren wie Viktor Wekselberg im Ausland Firmen mit Know-how, um mit ihnen auf dem russischen Markt zu expandieren. Diese Firmen bieten Hightech-Wissen, das für die Modernisierung der russischen Wirtschaft dringend notwendig ist. Ich halte es für selbstverständlich, dass Russland und die westeuropäischen Volkswirtschaften stärker zusammenwachsen. Wir sind auf Öl und Gas angewiesen, die Russen brauchen unsere Expertise beim Bau von Maschinen und Anlagen. Also sollte das Ziel eine intensive und offene Wirtschaftskooperation sein. In dieser Hinsicht bin ich mit dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder ganz auf einer Linie.

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Hinter vielen russischen Investoren steckt der Staat. Können Sie nachvollziehen, dass das Ängste weckt?

Borer-Fielding: Nachvollziehen schon, aber verstehen kann ich das nicht. Auch der deutsche Staat ist an Unternehmen beteiligt, die im Ausland expandieren. Beispiele hierfür sind Deutsche Bahn, Commerzbank und Volkswagen. In Russland hat die Liberalisierung der Wirtschaft erst begonnen. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die heutigen Staatsunternehmen vollständig in privater Hand sind. Damit müssen wir uns abfinden. Auch ein Unternehmen mit Staatsanteil muss Gewinn machen. In Deutschland ist jeder stolz darauf, dass Konzerne wie Siemens oder VW im Ausland expandieren und global wachsen. Warum will man das den Russen nicht auch zugestehen?

Vielleicht, weil wir Gefahr laufen, Know-how an Russland zu verlieren?

Borer-Fielding: Diese Gefahr sehe ich nicht. Mir ist kein russisches Unternehmen bekannt, das Maschinen etwa von Sulzer oder Oerlikon auseinanderschraubt und nachbaut, um es dann unter dem Siegel „made in Russia“ auf dem Weltmarkt zu günstigeren Preisen anzubieten. Wer Angst hat, im Zeitalter der Globalisierung an Know-how an fremde Staaten zu verlieren, darf keinerlei Geschäfte in China machen. Das kann sich aber niemand leisten.

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