Achim Kassow: Ex-Commerzbanker leitet künftig Ergo Deutschland

exklusivAchim Kassow: Ex-Commerzbanker leitet künftig Ergo Deutschland

Bild vergrößern

Achim Kassow war bereits bei der Oldenburgischen Landesbank, der Commerzbank und der Allianz.

von Melanie Bergermann

Ergo-Chef Markus Rieß kommt bei seinem Restrukturierungsplan voran: Der Ex-Commerzbanker Achim Kassow wird nach Informationen der WirtschaftsWoche neuer Chef der Ergo Deutschland AG.

Als er noch bei der Commerzbank als Privatkundenvorstand weilte, war Achim Kassow der Sunnyboy der Bankenbranche. Er hatte stets ein Lächeln auf den Lippen, plauderte ausgelassen auch mit einfachen Mitarbeitern und hatte meist einen Scherz parat. Er hatte auch allen Grund gut gelaunt zu sein. Mit gerade einmal 38 Jahren hatte Kassow schon eine traumhafte Karriere hinter sich und durfte sich sogar Hoffnung auf den Chefposten bei der Commerzbank machen.

Doch stattdessen musste er einige Rückschläge hinnehmen. Bei der Ergo Versicherungsgruppe in Düsseldorf soll er nach Informationen der WirtschaftsWoche nun eine neue Chance bekommen.

Anzeige

Kassow hat die ersten Jahre seiner Karriere bei der Deutschen Bank verbracht, zuletzt als Vorstand der Privatkundentochter Deutsche Bank 24. Im Jahr 2002 wechselt er als Chef zur Commerzbanktochter Comdirect. Die Direktbank steckte damals, ähnlich wie die Ergo heute, in einer Restrukturierungsphase. Mitarbeiter mussten entlassen und das verlustreiche Auslandsgeschäft abgebaut werden. Danach entwickelte sich die Comdirect zur Perle des Commerzbank-Konzerns. Dieser Erfolg wird Kassow häufig zugeschrieben, wenngleich die Sanierung schon vor seinem Amtsantritt begann.

Bis 2020 Versicherungskonzern Ergo baut 2400 Stellen ab

Deutschlands zweitgrößter Versicherungskonzern Ergo wird umstrukturiert: Bis 2020 sollen 2400 Vollzeit-Stellen in Deutschland abgebaut werden. Das teilte der neue Vorstandschef Markus Rieß am Mittwoch mit.

Krise bei Ergo: Der Versicherer streicht großzügig Stellen. Auch aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen steigt Ergo vollständig aus. Quelle: dpa

Nach nur zwei Jahren auf dem Posten wurde Kassow mit 38 Jahren Privatkundenvorstand der Commerzbank – eine äußerst herausfordernde Aufgabe. Die Commerzbank hatte ihre private Kundschaft viele Jahre vernachlässigt und verdiente über Provisionen, die Banken etwa erhalten, wenn sie einen Fonds verkaufen, nur wenig Geld. Kassow hatte zwar viele Ideen. So wollte er etwa die Filialen samstags öffnen. Doch schlussendlich brachte er den Geschäftsbereich nicht voran.

Kassow hatte viele Ideen, aber kaum Erfolge

Zugegeben: Im Zuge der Finanzkrise war es auch schwer für sein Ressort geworden. Viele Kunden wollten keine Kapitalmarktprodukte mehr kaufen, was sich in den Provisionsergebnissen der meisten Banken niedergeschlagen hat.

Der heute 49-Jährige wurde sogar als Nachfolger des langjährigen Commerzbankchefs Klaus Peter Müller gehandelt. Schlussendlich erhielt 2008 jedoch Kassows Kollege Martin Blessing den Job. Seitdem ging es für Kassow genauso rasant bergab wie es einst bergauf gegangen war. Blessing hatte sich einst dafür eingesetzt, dass Kassow in den Commerzbank-Vorstand einzieht. Doch 2010 will der Bankchef seinen Vorstandskollegen los werden. Weil es Streit um seine Abfindung gibt, bleibt Kassow zwar, darf sich aber nicht mehr um das Privatkundengeschäft kümmern. Er wird zum Chef des Osteuropa-Geschäfts degradiert und wirft schließlich im Folgejahr hin.

Bei seinem neuen Arbeitgeber, der Oldenburgischen Landesbank, wird er zwar Chef. Aber auch hier produziert Kassow keine Erfolge. Der operative Überschuss sinkt in seiner Amtszeit. Die Muttergesellschaft Allianz zieht Kassow vom Chefposten ab und degradiert ihn zum Regionalleiter Süd bei Allianz Deutschland. Kassows Nachfolger, der im vergangenen Jahr ins Amt kam, verordnete der Bank erst einmal ein Sparprogramm.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche wird Kassow nun Chef der Ergo Deutschland AG und wird hier vor allem sanieren müssen. Der Versicherungskonzern aus Düsseldorf verliert schon seit Jahren Marktanteile, die Personalkosten sind zu hoch und die IT-Plattformen veraltet. Kassow muss Personal entlassen und dem Vertrieb einheizen. Die Ergo-Mutter Münchener Rück will endlich Ergebnisse sehen. Dass Kassow eine solche Sanierung bewerkstelligen kann, hat der 49-Jährige bislang nicht bewiesen.

Allerdings dürften die beiden Herren, die hinter der Personalentscheidung stehen, ziemlich genau wissen was sie tun. Ergo-Chef Markus Rieß kennt Kassow aus seiner Zeit bei der Allianz. Der Chef der Munich Re, Nikolaus von Bomhard, war lange Mitglied des Aufsichtsrats der Commerzbank.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%