Allianz-Hauptversammlung: Lob und Tadel für den Konzernumbau

Allianz-Hauptversammlung: Lob und Tadel für den Konzernumbau

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Allianz-Chef Oliver Bäte vor der Hauptversammlung.

von Matthias Kamp

Auf der Hauptversammlung holt sich Vorstandschef Oliver Bäte wertvolle Unterstützung für seinen umstrittenen Umbau des Versicherers. Doch es rumort auch im Unternehmen und unter den Aktionären.

Den unangenehmen Fragen muss Oliver Bäte sich schon gleich zu Beginn des Aktionärstreffens in München stellen. Von „Verärgerung in den oberen Konzernetagen über den Führungsstil“ des Allianz-Chefs habe er gehört, ruft Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger in das weite Rund der Olympiahalle. Ob die Unzufriedenen denn Manager seien, die um ihre Jobs fürchten, will Bauer wissen. „Und was unternimmt denn der Konzern dagegen?“

Das zuletzt deutlich vernehmbare Rumoren bei der Allianz über den von Bäte angestoßenen Umbau des Traditionshauses ist eines der beherrschenden Themen auf dem Aktionärstreffen. Mit seiner so genannten Erneuerungsagenda für das bald 130 Jahre alte Unternehmen mit rund 140.000 Mitarbeitern stößt der frühere McKinsey-Berater einige Allianz-Manager vor den Kopf. So will Bäte Manager künftig nicht mehr nur daran messen, ob und in welchem Umfang sie ihre Ziele erreichen, sondern auch, wie sie dies tun: Bäte nimmt den Führungs- und Managementstil seiner Leute unter die Lupe.

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Darüber hinaus will der Allianz-Chef die Ländergesellschaften enger zusammenführen, will einheitlichere und vor allem einfachere Produkte entwickeln lassen. Kurzum: Bäte will den Tanker Allianz von Fesseln der Vergangenheit befreien und das bisweilen schwerfällige Unternehmen fit machen fürs digitale Zeitalter. Da haben einige Führungskräfte manchmal über Jahrzehnte lieb gewonnene Privilegien und Erbhöfe zu verlieren. Oftmals argumentieren die Bremser, die Gewinne sprudelten doch, der Allianz gehe es prächtig.

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Allianz-Chef Oliver Bäte / Geschäftsreiseflugzeug Dassault Falcon 2000. Quelle: Collage

Doch das kann sich, wenn Bäte nicht aufpasst, durch die digitale Revolution schnell ändern. Von vielen Anlegern bekommt der Allianz-Chef denn auch Lob für seinen Kurs. „Lassen Sie sich nicht durch interne Widerstände von ihrem Kurs abbringen“, sagt etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Ein „Weiter so“ sei angesichts der möglicherweise zu erwartenden Angriffe durch Internetkonzerne wie Google, Amazon, Facebook oder Apple keine Option. „Herr Bäte, Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und mit der „Renewal Agenda“ einen Konzernumbau gestartet, um die Allianz aus einer Position der Stärke heraus fit zu machen für das digitale Zeitalter“, sagt Speich.

Ein Seitenhieb auf die Störer und Bremser

Der scheidende Aufsichtsratschef Helmut Perlet fühlt sich bemüßigt, Bäte demonstrativ Schützenhilfe zu leisten. Es könnte der Eindruck entstanden sein, ruft Perlet den Aktionären zu Beginn der Hauptversammlung zu, dass bei der Umsetzung der Erneuerungsagenda nicht an einem Strang gezogen werde. Dem sei nicht so, versichert er. „Sowohl im Aufsichtsrat als auch innerhalb der Organisation stößt die Strategie auf breite Zustimmung“, behauptet der scheidende Chefkontrolleur. Allerdings gebe es immer einige, schränkt er ein, die das Ausmaß der Notwendigkeit zur Veränderung nicht erkennen oder erkennen wollten: ein Seitenhieb auf die Störer und Bremser im Unternehmen.

Sicher, Bäte muss den Konzern verschlanken, muss an die Kosten ran. Vor allem aber muss er wieder für Wachstum sorgen. Zwar ist die Allianz noch einmal stark ins neue Jahr gestartet. So stieg der Umsatz zwischen Januar und März um 2,5 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2016 schrumpfte der Umsatz allerdings um 2,2 Prozent auf 122,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte im vergangenen Jahr gerade Mal noch um 0,9 Prozent. Bäte weiß, dass das Geschäftsmodell der Allianz, so wie es jetzt existiert, allmählich an seine Grenzen stößt. Die Kosten des Versicherers sind zu hoch, im hart umkämpften Markt mit Sachversicherungen verliert die Allianz Marktanteile. Der Wettbewerb durch Start-ups und kleinere Versicherer wie etwa HUK Coburg wird immer schärfer.

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Allianz-Chef Oliver Bäte Quelle: dpa

„Wachsen Sie doch mal“, sagt denn auch Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger und hält einen Aktienchart der Allianz der vergangenen Jahre ins Publikum. „Da ist noch Platz für Wachstum“, sagt der Aktionärsvertreter und zieht den Vergleich mit der französischen Axa, die bei der Digitalisierung deutlich weiter ist und sich über stabiles Wachstum freut.

Trotz der Wachstumsschwäche will Bäte aber bei Übernahmen anderer Versicherer vorsichtig agieren. Zukäufe, beispielsweise von Sachversicherern, sind für den Allianz-Chef eine Option, „externes Wachstum um jeden Preis“ allerdings nicht.

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Es ist eine Strategie, für die Bäte Lob von den Aktionären bekommt. Union-Investment-Vertreter Speich etwa findet es gut, dass der Allianz-Chef „nicht auf Biegen und Brechen überteuerte Akquisitionen gemacht“ habe. Daniela Bergdolt von der DSW fordert Bäte auf, sich mit Blick auf mögliche Zukäufe trotz prall gefüllter Kasse nicht verführen zu lassen. „Gegen kleinere Akquisitionen“, sagt Speich, „haben wir weiterhin nichts einzuwenden.“ Gelegenheiten könnten sich etwa ergeben, wenn Konkurrenten ins Straucheln gerieten.

Bei seinem Konzernumbau bekommt Bäte nun auch Hilfe von bewährter Seite. In den kommenden Tagen tritt der langjährige Vorstandschef der Allianz, Michael Diekmann, sein Amt als Aufsichtsratschef des Versicherers an. Manche Anleger sprechen von einem „wichtigen Gegenpart“ für den forschen Ex-McKinsey-Mann Bäte. DSW-Vertreterin Bergdolt findet, Diekmanns „konservativer Führungsstil“ passe gut zu Bätes „forderndem, forcierendem und vorantreibendem“ Stil.

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