Berliner Flughafen: Deutschland kann alles - nur keinen Flughafen

KommentarBerliner Flughafen: Deutschland kann alles - nur keinen Flughafen

von Christian Schlesiger

Kein Zweifel: Hartmut Mehdorn leitet Deutschlands peinlichste Baustelle. Warum der Bau so grandios daneben ging.

Über Hartmut Mehdorn ergeht seit Jahren viel Häme und Kritik - und oft auch zurecht. Doch dieses Mal muss man eine Lanze für ihn brechen. Dass einer seiner wichtigsten Leute allem Anschein nach korrupt gewesen ist - das ist dem Flughafenchef nicht anzukreiden. Kriminelle Energie ist ja gerade deshalb möglich, weil sie als solche auf den ersten Blick nicht erkennt. Auch dann nicht, wenn man Menschen ins Gesicht schaut und mit ihnen zusammenarbeitet.

Deshalb ist Mehdorns Antwort auf den jüngsten Skandal um Technikchef Jochen Großmann, der selbst keine Stellung bezieht, auch vollkommen richtig. Er schickte den leitenden Angestellten höchstpersönlich in den vorübergehenden Zwangsurlaub, bis alle Vorwürfe geklärt sind. Zudem setzte er heute eine Arbeitsgruppe ein, die sämtliche Ausschreibungen im Zusammenhang mit Großmanns Arbeit überprüfen soll. Das ist richtig und konsequent.

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Deutschlands peinlichste Baustelle

Dennoch hat Deutschlands peinlichste Baustelle das Land wieder ein Stück weiter blamiert. Man mag hierzulande dichten und denken können, aber bauen gehört nicht zum Repertoire der Deutschen. Warum ist das nur so? Oder was lief eigentlich falsch am Berliner Flughafen, kurz BER? Wahr ist: Er bietet die perfekte Basis für ein Drama in fünf Akten.

Kapitel 1: Das dumme Volk

Die Bürger wollen hören, was sie hören wollen. Dazu gehört, dass Infrastruktur quasi zum Nulltarif zu haben ist. Der Flughafen Berlin stand anfangs mit nur 1,7 Milliarden Euro zu Buche - ein Preis, der der Öffentlichkeit zu vermitteln war.

Zudem neigt der gemeine Bürger auch zu einer gewissen Bequemlichkeit. Projektvorschläge, den Flughafen mitten in die brandenburgische Pampa zu setzen, schienen nicht vermittelbar. Zu weit weg. Dann hätte man zwar auch nachts fliegen können. Doch ein Hauptstadtflughafen gehört nun mal nach Berlin, wohin auch sonst. Allein die Lärmschutzanforderungen kosten nun wohl rund 750 Millionen Euro - damit mehr als ein Drittel der ursprünglichen Kosten.

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Der Tower des Flughafens BER.

Kapitel 2: Die gierigen Politiker

Eine politische Weisheit besagt: Sage ich dem Wähler die halbe Wahrheit, trägt mein Nachfolger die Konsequenzen. So in etwa müssen auch die damals Verantwortlichen gedacht haben, als sie die Kosten des neuen Flughafens auf 1,7 Milliarden Euro taxierten. Denn wie in Deutschland üblich, sind Kostensteigerungen bei solchen Infrastrukturprojekten in den Planzahlen nicht enthalten.

Doch allein die Inflation treibt die Gesamtkosten jedes Jahr ganz automatisch um rund 2,5 Prozent nach oben. Am Ende wundert sich das Volk über die Kostenexplosion. Es wäre ehrlicher gewesen, von vorne herein transparent zu informieren. Doch diese Trendwende gibt es erst seit dem Volksaufstand gegen den Bahnhofsbau S21.

Noch schlimmer als die verheimlichte Preissteigerung ist aber das überhebliche Gehabe, die Politik könne besser bauen als die Privatwirtschaft. Es gab Zeiten, da wurde der Flughafen öffentlich ausgeschrieben. Aber die eingereichten Angebote von Baukonzernen lagen etwa 400 Millionen Euro über den eigenen Vorstellungen.

Bund und Länder lehnten ab, weil man doch selber besser und billiger bauen könne - und ganz nebenbei einen Neubau besser legitimieren könne. Nun fehlt ein Konsortialführer, der die Planungen koordiniert und die Haftung übernimmt.

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