Arbeitszeit: Die 35-Stunden-Woche ist bloß noch Theorie

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Arbeitszeit: Die 35-Stunden-Woche ist bloß noch Theorie

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Die IG Metall macht Arbeitszeit zum beherrschenden Tarifthema.

Die IG Metall hat ihre Mitglieder gefragt, wie sie arbeiten wollen. Die sagen: Hauptsache flexibel. Ab Dienstag berät die Gewerkschaft nun, wie sich diese Forderung in ein Tarifkonzept gießen lässt.

„Selbstbestimmt“ ist der zentrale Begriff in der aktuellen Arbeitszeitdiskussion der IG Metall. Selbstgewählte freie Tage, verlässliche Schichten und Teilzeit-Optionen über längere Zeiträume hinweg - die Liste möglicher Forderungen an die Arbeitgeber ist lang. „Die Beschäftigten wollen Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen“, sagt Gewerkschaftschef Jörg Hofmann, der mit der Arbeitszeit das Hauptthema seiner Amtszeit gefunden hat. Unterfüttert von den Ergebnissen einer Beschäftigtenbefragung mit 680.000 Teilnehmern will Deutschlands mächtigste Gewerkschaft am heutigen Dienstag, den 27. Juni, in Mannheim darüber beraten, wie man die Forderungen mit konkreter Tarifpolitik umsetzen kann.

Mit entschlossenem Widerstand der Arbeitgeber ist zu rechnen, denn im von der Globalisierung getriebenen Daueraufschwung ist die Arbeit vor allem für hoch qualifizierte Fachkräfte nicht knapper geworden. Die regionalen Arbeitsmärkte seien leer gefegt, klagen beispielsweise die Industrie- und Handelskammern Hessens.

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"Der Kunde bestimmt, wann gearbeitet wird"

Gefragt sei vor allem eine höhere Flexibilität für Betriebe und ihre Beschäftigten gleichermaßen, sagt der Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger: „Der Kunde entscheidet, wann was produziert werden muss - und daher, wann Arbeit geleistet werden muss.“ Höhere Kosten dürfe ein neues Arbeitszeitsystem aber auf keinen Fall bringen: „Wie auch immer eine neue Balance aussieht, sie darf Arbeit nicht noch teurer machen.“

Arbeitszeitumfrage 35 Stunden bleiben das Maß der Dinge

Die IG Metall hat rund 680.000 Beschäftigte in Deutschland befragt, wie sie arbeiten wollen. Das Ergebnis: alle lieben die 35-Stunden-Woche. Nur schade, dass die Mehrheit deutlich länger arbeiten muss.

Top-Verdiener-machen-die-meisten-Überstunden Quelle: fotolia

Die mit harten Arbeitskämpfen durchgesetzte 35-Stunden-Woche für Vollzeitkräfte ist 22 Jahre nach ihrer vollständigen Umsetzung in vielen Metallbetrieben nur noch blanke Theorie. Ohnehin gilt sie nur in Westdeutschland, im Osten sieht der Metall-Flächentarif weiter 38 Stunden Wochenarbeitszeit vor. Der IG-Metall-Umfrage zufolge arbeitet nur gut jeder fünfte Teilnehmer 35 Stunden oder weniger.

Im Schnitt aller Beschäftigten hierzulande wird die 35-Stunden-Woche zwar erreicht, aber nur unter Einbeziehung sämtlicher Teilzeitkräfte, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage von Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung berichtet. Die Inhaber von Vollzeitjobs arbeiten nach eigenen Angaben im Schnitt 41,7 Stunden die Woche und wollen daran zu 93 Prozent auch nichts ändern. Die IG Metall hält mit eigenen Zahlen dagegen: In ihren Branchen wünschten sich 68 Prozent eine Arbeitszeit von 35 Stunden oder weniger.

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