Katjes-Chef Tobias Bachmüller: "Kofferträger? Brauch ich nicht"

InterviewKatjes-Chef Tobias Bachmüller: "Kofferträger? Brauch ich nicht"

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Katjes-Chef Tobias Bachmüller liest viel, um seinen Horizont zu erweitern - und würde heute vermutlich Soziologie studieren.

von Manfred Engeser

Der Katjes-Chef Tobias Bachmüller arbeitet lieber im Mittelstand als im Konzern. Was er als Berater für seine Karriere gelernt hat - und welche Fähigkeiten er bei Mitarbeitern besonders schätzt.

WirtschaftsWoche: Herr Bachmüller, Sie kommen gerade von einer Dienstreise aus Chicago. Wie viel Zeit haben Sie sich gegönnt, um Ihr Jetlag zu überwinden?

Tobias Bachmüller: Ich habe nach der Landung in Frankfurt kurz am Flughafen geduscht und bin dann direkt ins Büro gefahren.

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Muss man so hart gegen sich selbst sein, um an die Spitze eines Unternehmens zu kommen?

Nein, überhaupt nicht. Es kommt darauf an, was man im Kopf hat. Aber es schadet nicht, wenn man wie ich gut schlafen kann.

Sie sind jetzt seit 18 Jahren an der Spitze von Katjes. Hätten Sie bei Vertragsunterzeichnung gedacht, dass Sie so lange in dieser Position bleiben?

Ich wurde damals mit fünf Prozent am Unternehmen beteiligt, später kamen noch mal fünf Prozent hinzu. Beim zweiten Schritt hat sich in der Tat ein sehr langfristiges Engagement abgezeichnet. Dass die Marke sehr viel Potenzial hat, habe ich schon bei Vertragsunterschrift erkannt. Ja, ich bin gekommen, um zu bleiben. Bei Familienunternehmen ja durchaus nichts Ungewöhnliches.

12 Karriere-Mythen

  • Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

    Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

    Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

  • Ohne Doktortitel geht es nicht

    „Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

  • Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

    Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

  • Nur wer sich anpasst kommt weiter

    Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

  • Der MBA ist ein Karriere-Turbo

    Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

  • Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

    Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

  • Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

    Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

  • Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

    Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

  • Der erste Job muss der richtige sein

    Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

  • Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

    Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

  • Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

    Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

  • In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

    „In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Sie waren vorher angesehener Manager bei Suchard, hatten die Verantwortung für eine Milliarde Mark, haben für Ihre Arbeit Preise bekommen. Warum haben Sie Ihre sichere Konzernkarriere drangegeben, um zu einem Familienunternehmen zu wechseln, an dessen Spitze sich in den sechs Jahren zuvor drei Geschäftsführer aufgerieben hatten?

Mir haben in der Tat viele Menschen von diesem Schritt abgeraten. Ich hatte auch andere Angebote in großen Unternehmen.

Warum haben Sie keines davon angenommen?

Wie sieht es denn in vielen Konzernen aus? Da arbeiten viele Manager, die ihr Dasein über eine Komfortzone aus schönen Meetings und riesigem Stab definieren. Unsere Büromöbel sind aus Bauholz, wir haben im Moment nur zwei Sekretärinnen. Ich brauche weder Kofferträger, Kaffeekocher oder zeitfressende PowerPoint-Präsentationen. Ich halte das für überflüssiges Tamtam. Kurze Wege sind mir viel lieber – sonst verliert man den einzigen Vorteil, den man als Kleiner gegenüber den Großen hat – Geschwindigkeit.

Was Bewerber wissen müssen

Wie schnell war Katjes bei Ihrem Start?

Weil damals einige versucht haben, hier eine Konzernkultur zu etablieren, habe ich erst mal einen Zettel ans Schwarze Brett gehängt: „Bist du einsam, trinkst du gerne Kaffee? Dann mach ein Meeting“. Das hat geholfen. Katjes ist heute ein großer unternehmerischer Spaß.

Auf welchen Erfolgsgeheimnissen ruht dieser Spaß?

Steve Jobs hat seinem Nachfolger Tim Cook empfohlen, sich nie zu fragen, was er in seiner Situation getan hätte, sondern einfach das Richtige zu tun. Genau darauf kommt es an. Das können die wenigsten von sich behaupten. Wir versuchen, genau das umzusetzen.

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