Contra Social Freezing: Investiert in Arbeitsmodelle!

KommentarContra Social Freezing: Investiert in Arbeitsmodelle!

von Lin Freitag

20.000 Dollar Prämie für Frauen, damit die ihren Kinderwunsch nach hinten verschieben? Der völlig falsche Ansatz.

Würde mir mein Arbeitgeber 20.000 Dollar dafür bieten, meine Eizellen einfrieren zu lassen, würde ich wohl kündigen. Weil ich es als anmaßenden Eingriff in mein persönliches Lebensglück sehen würde. Weil ich finde, dass es für manche Dinge im Leben kein Preisschild geben sollte. Und weil ich denke, dass Karriere auch mit Kind möglich sein sollte.

Und das, obwohl ich mich als kinderlose End-Zwanzigerin mit beruflichen Ambitionen trotzdem schon frage, wie das mal werden soll mit dem Schreiben und dem Kind. Auch wenn noch nichts dergleichen geplant ist - ich gehöre zur Zielgruppe. Zumindest aus Sicht der beiden Technologiekonzerne Apple und Google.

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Denn weibliche Mitarbeiterinnen dieser Unternehmen sehen sich künftig genau mit dieser Frage konfrontiert: Subventioniertes Eizellen einfrieren, ja oder nein? Familie gründen, wenn man selbst mag - oder doch lieber, wenn es dem Konzern passt?

Pro Social Freezing Ein guter Service

Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen auf Wunsch demnächst 20.000 Dollar, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen. Die Konzerne haben ihre Rolle richtig erkannt.

Quelle: dpa

Social Freezing  - also das Einfrieren von Eizellen, um zu einem späteren Zeitpunkt Kinder bekommen zu können - mag für manche Frauen der richtige Weg sein. Denn es verschafft ihnen Zeit.

Fehlte bis Mitte 30 der richtige Mann oder hatte die Karriere Priorität, mussten sich Frauen bislang in der Regel mit ihrer Kinderlosigkeit abfinden. Das Einfrieren der Eizellen gibt ihnen nun zehn, vielleicht 15 Jahre länger Zeit, doch noch eine Familie zu gründen. Doch das Wichtigste ist: Es sollte allein die Entscheidung der Frau bleiben - und nicht die des Arbeitgebers.

Doch das könnte sich durch einen finanziellen Anreiz, wie bei Apple und Facebook geplant, ändern. So bekommen Frauen, die bei Facebook arbeiten und ein Kind bekommen, einen Bonus von 4000 Dollar. Frauen, die ihren Kinderwunsch zurückstellen, bekommen hingegen 20.000 Dollar.

Das ist sogar noch deutlich mehr als die Behandlung kostet: Social Freezing ist in den USA für 10.000 Dollar zu haben. Bleiben 10.000 Dollar als Bonus für jedes Kind, das jetzt noch nicht geboren wird.

Facebook und Apple machen ihren Mitarbeiterinnen dieses Angebot sicherlich nicht, um sich für die Selbstbestimmung der Frau einzusetzen. Dahinter verbergen sich finanzielle Beweggründe: Mittlerweile sind rund 30 Prozent der Apple- und Facebook-Belegschaft weiblich. Und jung.

Bei Facebook sind die Mitarbeiter im Schnitt 26 Jahre alt, bei Apple 31. An diesen Zahlen lässt sich das Problem, das den beiden Unternehmen in naher Zukunft bevorsteht, gut ablesen: Sie werden einen nicht unerheblichen Teil ihrer weiblichen Angestellten durch eine Schwangerschaft verlieren. Denn für die meisten Frauen bedeutet die Babypause immer noch ein Karriereknick.

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Und schon offenbart sich das Hauptproblem hinter der 20.000-Dollar-Offerte: Es verhindert nämlich nicht die Karrierefalle, in die viele Frauen mit Kinder tappen.

Denn auch wenn sie erst mit 40 Kinder bekommen, fehlt es immer noch an Angeboten für die erfolgreiche Wiedereingliederung in den Beruf nach der Pause und an guten Betreuungsangeboten. Die meisten Unternehmen schotten ihre frischgebackene Mütter immer noch völlig ab: Die E-Mail-Adresse wird gesperrt, nach der Pause wartet ein weniger anspruchsvoller Job.

Ob der Karriereknick also mit 25 oder 40 kommt – ist doch völlig egal. Der Punkt ist: Er sollte gar nicht kommen. Facebook und Apple sollten deshalb lieber in familienfreundliche Arbeitsmodelle als in Social Freezing investieren. Dafür, lieber Arbeitgeber, würde auch ich die 20.000 Dollar herzlich gerne annehmen.

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