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Gesundheit: Burn-out: Gefahr für das Leben

von Redaktion: jochen.mai@wiwo.de

Manager in einem Weltkonzern, Top-Gehalt, Yachturlaube: Frank Krause führt scheinbar das perfekte Leben. Doch dahinter lauert ein Burn-out. Seine Geschichte vom Notausstieg schildert er in seinem Buch, das die WirtschaftsWoche exklusiv in Auszügen druckt. Seine Bilanz: Wer einen Burn-out überwindet, bleibt ein Leben lang gefährdet.

Frank Krause am See Quelle: Hardy Mueller für WirtschaftsWoche
Frank Krause am See Quelle: Hardy Mueller für WirtschaftsWoche

Ich passe nicht mehr zu dem Leben, das ich führe! Dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Schon während meiner Zeit als Unternehmensberater hatte ich das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Ich fühlte mich wie in einem Jetlag, der nicht mehr zu Ende geht. Ich kam morgens müde ins Büro, wurde dünnhäutig, reizbar, konnte nicht mehr viele Menschen um mich herum ertragen.

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Schon der bloße Gedanke an so etwas wie Glücklichsein machte mich aggressiv. Im Gespräch mit anderen war ich sarkastisch und zynisch, merkte das aber meist gar nicht und war verärgert, wenn andere mich darauf aufmerksam machten.

Es war mit etwa Ende 30, als ich spürte, dass ich sprichwörtlich außer Balance war. Da war ich seit zwölf Jahren im Beruf, erfolgreich, aber körperlich ausgepumpt.

Am Anfang dieses schleichenden Burn-out-Prozesses habe ich noch versucht, in meiner Freizeit nach ähnlichen Mechanismen zu leben wie im Job: Ich fiel in den berühmten Freizeitstress, fuhr ins Fitness-Center, wollte dort auch wieder Leistung bringen, setzte mich auch dort unter Druck. Ja, ich habe exzessiv Sport getrieben. Aber es half nichts.

Notbremse gezogen

Dann kam dieses Schlüsselerlebnis. Es war an einem Sonntag nach einer besonders stressigen Arbeitswoche. Ich hatte – wie so oft – fast nicht geschlafen und lag morgens gegen elf noch grübelnd im Bett. Mein Gehirn spielte dauernd einen anderen Film, eine Flut von negativen Bildern, gegen die ich mich nicht wehren konnte. Ich, der ich für das Lösen von Problemen bezahlt wurde, war offensichtlich unfähig, meine eigenen Probleme zu lösen.

Ich klappte mein Laptop auf, recherchierte unter dem Stichwort „Depression“ im Internet – und fand ein Forum zum Thema. Die Beiträge dort waren ein regelrechter Schock: Da diskutierten die anonymen Nutzer öffentlich über Selbstmord. „Scheiße“, dachte ich, „so weit kann es also kommen!“

Wenig später kam der Zusammenbruch. Ich kann mich auch an diesen Tag noch genau erinnern, es war ebenfalls ein Sonntagmorgen. Ich hatte plötzlich ein Gefühl von unerträglicher Enge in der Brust, dachte sofort an einen Herzinfarkt und bin in das nächste Krankenhaus gefahren. Der Arzt machte ein EKG, sagte mir aber, dass meine Symptome für Überarbeitung sprechen. Auch andere Mediziner bestätigten die Diagnose: Burn-out. Nichts ging mehr.

Ungefähr zwei Monate nach diesen Erlebnissen habe ich gekündigt. Ich sah einfach keinen anderen Ausweg. Ich fühlte, dass ich am Ende war. Es war wie der Nothalt eines ICE. Ich habe nur noch den roten Griff der Notbremse gesehen, und an dem habe ich gezogen.

Es war mein persönlicher Notstopp.

Nichts wie weg

In der Zeit nach meiner Kündigung habe ich zuerst krampfhaft überlegt, was ich als Nächstes beruflich tue. Es war wie eine Sucht, wie ein Verhalten, das sich längst verselbstständigt hat: Obwohl man den Prozess eigentlich gerade gewaltsam unterbrochen hat, kommt man nicht zur Ruhe, sondern denkt gleich wieder darüber nach, was man arbeiten könnte, wie es weitergehen muss. Ein Wahnsinn!

Diese Gedanken haben mich in den ersten Monaten ständig begleitet. Selbst in meiner größten Niedergeschlagenheit konnte ich nicht loslassen. Der Begriff „Workaholic“ trifft es wohl am besten: Ich arbeitete nicht mehr aus Freude oder für meine ökonomische Unabhängigkeit – ich war arbeitssüchtig.

Und mehr als früher noch bin ich heute davon überzeugt, dass es den meisten Burn-out-Opfern genauso ergeht. Sie sind krank. Dauerhaft. Aber nicht durch den Burn-out geworden, sondern vorher schon. Sie kompensieren persönliche Schwächen durch exzessives Arbeiten. Das wird man ein Leben lang nicht los. Wenn dann noch Perfektionismus dazu kommt, ist die Abwärtsspirale vorgezeichnet. Deshalb bringt es auch nichts, etwas Urlaub zu nehmen und danach weiterzumachen wie vorher. Man fällt nur in seine alte Sucht zurück. Wer einmal einen Burn-out hatte, der muss sein Leben ändern. Radikal und von Grund auf.

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24 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.11.2010, 16:46 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Unsere Politiker und Arbeitgeber fördern doch den burnout tatkräftig:

    Die Personaldecke der Festangestellten wird permanent zu dünn gehalten, weil man die Leute ja in Krisenzeiten nicht einfach loswerde. Auch die zusätzlichen, aber mäßig motivierten Zeitarbeiter können das nicht ausgleichen. Also müssen die wenigen Festangestellten ständig 120% geben. Lohnerhöhungen gibt´s dagegen nicht, weil das Geld für Amigos draufgeht, die der Vorstand mit Pöstchen versorgt oder aber für berater, die tolle Folien für den Vorstand erstellen mit Wörtern wie "process re-engineering" oder "value strategy". Meist kauft der Vorstand dann ein Unternehmen im "emerging market" Türkei, Russland oder brasilien, um nach ca. 2 Jahren festzustellen, dass das ein Fehlkauf war. Eine dicke Teilwertabschreibung folgt darauf. Damit ist wieder kein Geld da für mehr Mitarbeiter oder Gehaltserhöhungen. Eher gibt´s Kündigungen. Wer geht und nicht sofort etwas neues findet, ist nach 1 Jahr in der "Unterschicht" angekommen - egal, welche Ausbildung er hat oder welche Summen an Steuern und Abgaben er bisher bezahlt hat. Man muss sein gesamtes Hab und Gut verschleudern, um HartziV zu bekommen. Ach ja, das Eigenheim und die ETW darf man behalten. Fragt sich nur, wer sich angesichts der unsicheren Lebensverhältnisse heutzutage noch ein Haus oder eine Wohnung kauft.

    Unsere Sozialkassen werden ständig zusammengekürzt und wir sollen uns zusätzlich privat absichern. Ob das in Summe billiger ist, als die staatliche Absicherung, darf man bezweifeln Wer aber Vorerkrankungen hat, kann weder zusätzliche Kranken- Lebens- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen abschließen.

    Liebe Politiker, sind diese Rahmenbedingungen wirklich ein Anreiz zum Konsumieren, Häuserbauen, Autos Kaufen und Familien Gründen? Liebe Arbeitgeber - glaubt ihr wirklich, dass man mit sowas loyale und produktive Mitarbeiter bekommt?

  • 14.11.2010, 03:28 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    ich werde mir das buch wohl kaufen. ich habe mich in vielem wiedererkannt. ich war zuletzt auch gereizt, zynisch und meinte noch mehr Gas geben zu muessen. Nur hat mich das nicht mit Anfang 30 sondern mit Mitte 50 ereilt. ich habe die Notbremse gezogen, nach einem Jahr Auszeit mich in Kalifornien selbstaendig gemacht und lebe seit dem stressfrei und gluecklich, geniesse das Wetter und die Natur und mein Umfeld, habe wieder genuegend Schlaf und Muse auch anderes zu tun. Und ich habe glelernt, dass es nicht die naechste noch hoehere Position sein muss, der Dienstwagen und das Diensthandy nicht das Mass der Dinge sind und man auch mit weniger Geld durchaus gluecklich und zufrieden sein kann. Meine Familie hat mir dabei sehr geholfen und bewahrt mich auch heute noch davor wieder in den alten Trott zurueckzufallen. Man ist halt wie ein Suchtkranker, wenn er wieder ein Schlueckchen trinkt, ist er wieder abhaengig.

  • 13.11.2010, 21:00 UhrAnonymer Benutzer: Carolin

    Wer die Möglichkeit hat, lange auszusteigen und danach seinen Arbeitgeber zu wechseln, hat Glück.
    bei mir kam nach dem burn-Out das Mobbing... Nach meiner Rückkehr in die Firma war die Führungsposition weg, weil ich ja angeblich nicht nicht mehr leistungsfähig bin. Meine Abteilung wurde während meiner Abwesenheit aufgelöst, mein neues büro liegt am Ende eines toten Flures, wo niemand je vorbeikommt, Aufgaben habe ich keine mehr...
    Und das in einem DAX 30-Konzern, der behauptet, die Mitarbeiter seien das wichtigste Gut...
    Ein Kollege hat mir mal gesagt: "Erst haben sie dich verheizt und jetzt werfen sie dir vor, daß du verbrannt bist."
    Wo soll da noch Motivation oder Freude an der Arbeit herkommen.

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