Hochzinsanleihen: Anlegerabzocke in drei Akten

Hochzinsanleihen: Anlegerabzocke in drei Akten

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Viele Anleger haben mit hochverzinsten Mittelstandsanleihen schon Geld verloren, als die Unternehmen pleite gingen. Bis dahin folgt der Ablauf oft einer Dramaturgie wie bei einem Theaterstück.

von Annina Reimann

Unternehmen, Banker und Berater kassieren bei Mittelstandsanleihen systematisch ab. Die Schmierenkomödie ist immer gleich, nur die Darsteller wechseln. Auf welche Dramaturgie Anleger hereinfallen.

Am Anleihemarkt sieht es in letzter Zeit oft so aus, als ob gewiefte Anwälte und pfiffige Banker den Spielplan schon vorab geschrieben hätten. Meist fängt der erste Akt so an: Ein klammes Unternehmen benötigt dringend Geld, die Bank will schließlich nichts mehr geben. Also legt es eine Hochzinsanleihe auf, auch Junkbond genannt – übersetzt Schrottanleihe, Müll eben.

Damit Anleger anbeißen, werden sie nicht nur mit einem hohen Zins von um die sieben, acht Prozent geködert. Um Sicherheit zu suggerieren, bekommen sie zusätzlich die Zusicherung, dass das Unternehmen Finanzkennzahlen einhalten wird (Covenants). Sinkt dann etwa die Eigenkapitalquote unter eine vorab festgelegte Schwelle, dürfen Anleger ihr Geld zurückfordern.

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Zur Regeländerung erpresst

Allein in der Praxis funktioniert das nicht: Immer, wenn ein Unternehmen Covenants reißt, wird Anlegern die Pistole auf die Brust gesetzt. Falls sie nicht zustimmten, dass die Regeln geändert würden, wäre das Unternehmen pleite, ihr Geld futsch. Die anfänglich vollmundig versprochenen Garantien erweisen sich als gut aufgeführtes Schauspiel.

So kommen Anleger in Hochzins-Unternehmensanleihen durch das Zinstal

  • Was passiert wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Hochzinspapiere sind relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen

    Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich

  • Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen

    Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen

  • Was passiert wenn die Zinsen steigen?

    Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten

    Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern

  • Was tun wenn die Zinsen steigen?

    Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv

    Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell

  • Fazit

    In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds perfekt. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren selten geben, wenn überhaupt

Heftig ging es zuletzt bei Mifa zu: Die Anleihe kam im August, Mifa sammelte 25 Millionen Euro ein. Gläubiger dürfen kündigen, wenn die Eigenkapitalquote unter 25 Prozent sinkt. Kürzlich hat der Fahrradhersteller dann für 2013 und das Vorjahr Bilanzierungsfehler eingeräumt. Bilanzverlust: circa 28 Millionen Euro. Nun sollen Anleger bis zum 13. Juni abstimmen, ob sie Zinsen stunden, sie sollen auch den „vorübergehenden Ausschluss von Kündigungsrechten“ beschließen. Falls nicht, dürfte wohl die Sanierung scheitern.

Eigentümergeld lockt weitere Anleger

Nichts fürchten Banker und Unternehmer mehr, als dass die Platzierung floppt und nicht genug Geld zusammenkommt. Hier greifen sie in die Trickkiste: Reichen Covenants nicht aus, um Anleger zu ködern, nehmen Eigentümer Geld in die Hand. Immer wieder hört man, dass privat Millionen in eigene Papiere investiert wurden –, die aber schnell wieder verkauft werden, nachdem man Anlegern die Jubelnachricht überbracht hat, dass das Ding platziert werden konnte. Für Sparer sieht es dann so aus, als ob die Anleihe ein voller Erfolg wäre.

Anleihen des Start-ups MBB Clean Energy, berichtete das Manager Magazin, sollen gar gratis geliefert worden sein. „Ohne Bezahlung hat die Gesellschaft keine wirksamen Bonds ausgegeben“, schreibt der Wind- und Solarparkfinanzierer dazu in einer Stellungnahme für die WirtschaftsWoche.

Das klingt, als sei hinter den Kulissen etwas gewaltig schief gelaufen. Seine Zinsen jedenfalls ist das Unternehmen wochenlang schuldig geblieben. Offenbar gibt es Probleme mit der Abwicklung, weil bestimmte Investoren auf Zinsen verzichtet haben sollen, aber für einen wirksamen Verzicht noch nicht alle notwendigen Dokumente vorliegen.

Wie eine Erfolgsgeschichte

Allgemein gilt: Wenn Anleihen gratis ausgegeben werden, dann sieht es nach außen hin aus wie eine Erfolgsgeschichte. Das Manöver könnte andere Anleger daher dazu verleiten, echtes Geld zu investieren. So oder so: MBB hat jetzt die Globalurkunde seiner Anleihe für „unwirksam“ erklärt, in der die Rechte aller Anleger auf ihren jeweiligen Anteil verbrieft ist.

„Die Ansprüche der berechtigten Gläubiger werden bedient. Die Zinsen sind auf einem Treuhandkonto hinterlegt“, hieß es dazu in einer Mitteilung.

Hilft alles nichts mehr, so hört man, sollen auch gerne mal Kick-backs an Verkäufer fließen: Diese verdeckten Provisionen machen es manch einem schmackhaft, eine Schrottanleihe zu verticken.

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3 Kommentare zu Hochzinsanleihen: Anlegerabzocke in drei Akten

  • Analysieren Sie bitte auch einmal die Anleihebedingungen der beiden CMBS-Anleihen aus 2013 der Gagfah SA.

    Da stehen auf 450 Seiten Absurditäten drin für die die Berater zig Millionen erhielten. Und Rechte hat der Emmitent kaum noch welche.
    Solche Texte zeigen, dass die internationale Finanzwelt, London und Dublin besonders, nur noch abkassiert, und dies mit Anleihebedingungen, die keiner mehr versteht. Deshalb ist deren Lesen ja auch in USA verboten. Diese Bedingungen sind extrem aufgebläht und undurchsichtig - eben moderner Unfug der beratenden Sozietäten.

    Hat der Firmen-Vorstand diese Bedingungen je gelesen, die Auswirkungen auf die eigene Gesellschaft analysiert, wohl kaum. Man vertraut eben Goldman Sachs oder der Deutschen Bank. Die machen das schon richtig.

  • Dieser Artikel ist sehr gut in der Analyse und sollte eine Pflichtlektüre für Anleger werden - Finger weg von jeglicher "Mittelstandsanleihe". Unbedingt archivieren! Leider sehen Gerichte wie z.B. LG Koblenz in Sachen SIAG mit der Brille "Junk Anleihe- daher Spekulativ " den Betrogenen als "selber schuld=doof" an mit der Folge,daß dem Anleger der minimalste Rechtsschutz gegen den Betrug verweigert wird. Bei den Nutznießern müssen doch bei einer derartigen "Rechtsfindung" jeden Tag die Champagnerkorken knallen! Und die Politik hat (durch Gesetze) dies erst ermöglicht. In Frankreich z.B. gibt es klare,starke Regeln zum Schutz der Anleger. Hierzulande ist noch nicht eine gemeinsame Klage (schon wg. der Kosten der Verfahren) gegen diesen Betrug am Anleger möglich.

  • Prinzipiell gute Analyse, wie hier "Gier schaltet Hirn aus" für einige "Anleger" in die Hose gehen kann.
    Was mich - zugegeben als Banker - aber sehr stört ist, dass mal wieder auf die Banker als (Mit-)Profiteure eingeprügelt wird. Ist natürlich chique und herrlich einfach - aber trotzdem falsch.
    Banken spielen bei diesen Emissionen in aller Regel überhaupt keine Rolle, sondern vor allem Anwälte und "Emissionshäuser". Erstgenannte kreiieren die Bedingungen dieser Papiere so, daß ein Normalverbraucher kaum versteht, was er da kauft. Letztere sind also trotz BaFin-Beaufsichtigung keinerlei Banken !!!! Ein schneller Blick ins Gestz, konkret KreditwesenGesetz, hilft da ganz enorm. Also, liebe Redaktöse der WiWo, schreiben Sie bitte nicht so einen Quatsch.

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