Hohes Tempo, hoher Druck, hohes Gehalt: Investmentbankern ist ihr Job zu anstrengend

ThemaBanken

Hohes Tempo, hoher Druck, hohes Gehalt: Investmentbankern ist ihr Job zu anstrengend

von Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Extreme Arbeitszeiten und schärfere Kontrollen machen den Job trotz hoher Gehälter unattraktiver. Ehrgeizige Nachwuchskräfte verlassen die Banken oder fangen gar nicht dort an. Die Institute wollen sich wandeln. Doch das ist schwierig.

Das Wasser des Springbrunnens blitzt im herbstlichen Sonnenlicht, sämtliche Plätze vor dem Café Brera am Cabot Square im Londoner Finanzviertel Canary Wharf sind besetzt. Doch mehr als ein schnelles Sandwich ist für die Banker nicht drin. Auch James hat nur 15 Minuten Zeit, dann muss er zurück in den von Bloomberg-Terminals matt erleuchteten Handelsraum einer großen Investmentbank. „Der Markt macht nie Pause, ich will ja nicht draußen sein, wenn Putin irgendwo einmarschiert“, sagt der 25-Jährige, der seit zwei Jahren als Händler für Unternehmensanleihen arbeitet und seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Euro Finance Week Banker klagen über zu strenge Aufsicht

Im fünften Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise beschweren sich die wichtigsten deutschen Bankchefs schon wieder über die schärferen Regeln für ihre Branche.

Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, während einer Veranstaltung im Rahmen der "Euro Finance Week" in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Dabei ist James gerne bei der Investmentbank. Er hat sich schon immer für Finanzen interessiert, schwärmt von den „superintelligenten Kollegen“ aus vielen Ländern und dem Tempo im Handelsraum. Dafür opfert er viel. Sein Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr, um sieben Uhr steht die erste Besprechung im Team an, dann telefoniert er fast durchgehend mit Kunden – meist Fondsmanagern bei großen Pensionskassen oder Hedgefonds. Handelsschluss ist um 18 Uhr, danach bleibt er noch im Büro, wenn auch nicht bis spät in die Nacht wie Kollegen anderer Abteilungen. „Der Druck ist hoch, wer damit nicht umgehen kann, ist hier fehl am Platz“, sagt James. Er selbst kann und will den Job etliche Jahre machen.

Anzeige

Das ist längst nicht mehr selbstverständlich. Denn Attraktivität und Perspektiven des einstigen Traumjobs der besonders Ehrgeizigen haben deutlich gelitten. Die Finanzkrise 2008 hat das Ansehen ramponiert, gesetzliche Vorschriften begrenzen die Höhe der Boni, die zudem nur noch verzögert ausgezahlt werden. Banker verdienen zwar immer noch blendend, doch die Rechnung, nach einigen Jahren größtmöglicher Selbstausbeutung ausgesorgt zu haben, geht kaum noch auf. Interne Kontrollen schränken zudem die Freiheit im Handelssaal drastisch ein, Entlassungswellen haben das Vertrauen in die Sicherheit des Arbeitsplatzes lädiert. Selbst erste Adressen der Branche wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank tun sich schwerer, die Besten für sich zu gewinnen und zu halten.

Mythos Unverwundbarkeit

Die Banken wollen reagieren, achten auf mehr Freizeit und interessantere Aufgaben auch für jüngere Angestellte, wollen mehr Frauen und Quereinsteiger rekrutieren. Doch der Wandel ist schwierig. Das liegt am Selbstverständnis einiger Führungskräfte, die ihren Job immer noch für die Krönung jeder Karriere halten. Und auch an den Erwartungen der Nachwuchsbanker selbst, die sich, so gut es geht, an die vermeintlichen Erwartungen der Bank anpassen wollen.

Über Jahre war die Kultur der Investmentbanken soldatisch geprägt und auf Selbstaufopferung aufgebaut. „Jeder wollte zeigen, dass er noch mehr einsetzt als andere, dass er bedingungslos loyal ist“, sagt ein Ex-Investmentbanker.

Gbureks Geld-Geklimper China rettet die Weltwirtschaft

Derzeit ist es üblich, der chinesischen Wirtschaft und Börse den Niedergang zu prophezeien. Doch schon nach dem Gasgeschäft mit Russland zeigt sich: Für Anleger führt kein Weg an China vorbei.

Wachstumsmotor oder Kollapskandidat? Weltweit blicken Anleger besorgt auf die Konjunktur in China. Quelle: REUTERS

„Natürlich war man ein Held, wenn man möglichst lange am Schreibtisch gesessen und Nächte durchgearbeitet hat“, sagt ein anderer. „Das war zwar Schwachsinn, aber den hat keiner hinterfragt.“ Im Gegenteil: Dass ein Vorgesetzter um 23 Uhr einen Auftrag auf den Tisch knallte und anordnete, den bis zum ersten Morgenmeeting zu erledigen, passte zum Verständnis als Elitetruppe der Finanzwelt.

Schon die Finanzkrise hat dem einen Dämpfer versetzt. Seit weltweit die Staaten Banken retten mussten, ist der Mythos der eigenen Unverwundbarkeit dahin. Und seit sich vor allem die USA bemühen, den Banken mit Milliardenstrafen ihre Vergehen vor der Krise zumindest teilweise heimzuzahlen, ist der Kulturwandel in jedem größeren Institut ein Thema.

Anzeige

2 Kommentare zu Hohes Tempo, hoher Druck, hohes Gehalt: Investmentbankern ist ihr Job zu anstrengend

  • Och nee, von 6 bis 18 Uhr? Die armen Banker. Ich bekomme gleich Heulkrämpfe.

    Handwerker haben ähnliche Arbeitszeiten, allerdings nicht nur "...etliche Jahre...", sondern mindestens 45, damit die Rente die gerade so ausreicht nicht gekürzt wird.

    Die Banker jammern auf extrem hohem Niveau. So läßt sich die angesprochene hohe Intelligenz schlecht nachvollziehen. Und sympatischer werden sie so auch nicht.

  • Best things in life are free.

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%