Papiere für die nächste Generation: Diese Aktien können Sie ruhig vererben

Papiere für die nächste Generation: Diese Aktien können Sie ruhig vererben

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Über Generationen hat sich die Anlage in Aktien gelohnt.

von Christof Schürmann

Eine Exklusivstudie der Uni Regensburg zeigt, wie viel reale Rendite Aktionäre seit Bismarcks Zeiten eingefahren haben. Wir haben 15 Aktien ausgewählt, die diesen Erfolg in den kommenden Jahrzehnten wiederholen könnten.

Wenn das Deutsche Aktieninstitut Zahlen zum Aktienbesitz meldet, beklagen die von den Dax-Unternehmen finanzierten Lobbyisten in schöner Regelmäßigkeit einen Rückschlag für die Aktienkultur: „Gerade einmal 8,9 Millionen Deutsche oder 13,8 Prozent der Bevölkerung besaßen Aktien oder Aktienfonds“, so das Institut.

Doch sind das wirklich so wenig? Nach menschlichem Ermessen kauft nur Aktien, wer über gesichertes Einkommen und Kapital verfügt. Auf Menschen unter 30 trifft das in der Regel nicht zu, und die Generation über 70 verbraucht ihre Altersvorsorge. Bleibt eine Kernzielgruppe von Anlegern zwischen 30 und 65 Jahren – in Deutschland rund 40 Millionen Menschen. Demnach hätte immerhin gut ein Fünftel der infrage kommenden Zielgruppe Aktien.

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Demnächst könnten es zudem wieder mehr werden: Zum einen, weil Zinsanlagen bei Banken so gut wie gar nichts bringen. Zum anderen, weil sich dank seit 2012 praktisch ohne nennenswerte Einbrüche steigender Börsen die langjährige Erfolgsbilanz von Aktien weiter verbessert.

Doch rechnet sich die Aktienanlage wirklich? Taugt sie zum Vermögenserhalt – oder ist die Aktie, wie oft kolportiert, nur eine Kurzfristinvestition für Zocker?

Aktien haben sich über mehrere Generationen gelohnt

Sie rechnet sich. Das zeigt eine Studie des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre der Universität Regensburg. Die Wissenschaftler haben exklusiv für die WirtschaftsWoche berechnet, wie viel Rendite Aktionäre seit Bismarcks Zeiten einfahren konnten. Der Clou dabei: Lehrstuhlinhaber Klaus Röder und sein Team haben erstmals die reale Rendite, nach Abzug der Inflationsrate, untersucht. Die Idee dahinter: Die schönsten Erträge nutzen nichts, wenn Anleger sich wegen stark gestiegener Preise immer weniger davon kaufen können.

Über die Studie

  • Die Grundlagen

    Um die reale, also inflationsbereinigte Rendite von Aktien zu berechnen, zogen die Wissenschaftler der Universität Regensburg die Verbraucherpreisindizes beider Länder heran. Wie deutsche Aktien abgeschnitten haben, zeigen seit 1992 der Dax und für die Zeit davor ein von Finanzwissenschaftler Gregor Gielen ermittelter Aktien-Index, den dieser bereits vor 20 Jahren als historisch repräsentativ erarbeitet hatte (WirtschaftsWoche 49/2008).

  • Rückwirkende Indizes

    Gielen hatte rückwirkend Indizes für den deutschen Aktienmarkt entwickelt, in die Unternehmen so weit wie möglich mit ihrem Börsenwert einflossen. Gielen war sich darüber im Klaren, dass keine Institution dauerhaft alle Aktien, die dem Gesamtmarkt entsprachen, über 100 Jahre im Portfolio haben konnte. Zu unterstellen, dass Anleger aber in jeder Periode wie der Gesamtmarkt abgeschnitten hatten, sah er als die am weitesten repräsentative Methode an, zumal diese auch Kapitalvernichtung und -verluste am besten widerspiegle.

  • Shiller-Index

    Für die USA berufen sich die Wissenschaftler auf den von Professor Robert J. Shiller auf Basis des US-Index S&P 500 zurückgerechneten Shiller-Index. Analog zur Berechnung des Dax wurde unterstellt, dass Dividenden wieder in Aktien gesteckt wurden. Der deutsche und der US-Index wurden jeweils so umbasiert, dass sie 1871 einem Wert von 100 Währungseinheiten entsprachen. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich von Anfang 1871 bis Mai 2014.

  • Bereinigung der Indizes

    Der abgebildete US-Index gibt die Rendite eines US-Investors in Dollar wieder. Der deutsche Index notiert bis 1948 in Reichsmark, bis Ende 1998 in D-Mark und dann in Euro (siehe Grafik unten). Zuletzt wurden die Indizes um die jeweilige Inflation (in Zeiten fallender Preise um die Deflation) bereinigt, um unterm Strich die reale Rendite ausweisen zu können.

Gleichzeitig analysierte Röder, ob Aktien vor Inflation oder dem Gegenteil davon, vor Deflation, schützen können. Bei Inflation verliert Bargeld an Wert, bei Deflation dagegen gewinnt es, weil Konsumenten bei sinkenden Preisen für die gleiche Summe mehr in den Einkaufskorb legen können. In den USA etwa gingen zwischen 1873 und 1895 die Verbraucherpreise konstant nach unten. Betrachtet werden die realen Renditen vor Steuern, sowohl für US- als auch für deutsche Aktien (Details siehe Kurztextgalerie oben).

Ein Ergebnis der Studie: Über Generationen hat sich die Anlage in Aktien gelohnt, Weltkriegen und Wirtschaftskrisen zum Trotz. Betrachtet man Zehnjahreszeiträume, ist – wenig überraschend – der Einstiegszeitpunkt entscheidend für Erfolg oder Misserfolg: Wer in der Gründerzeit nach 1871 Geld an die Börse trug, konnte sich über gut 40 Jahre an realer Wertsteigerung erfreuen. 1000 Prozent gewannen deutsche Anleger im Schnitt, sie wurden tatsächlich reicher.

Reale Gewinne trotz Wirtschaftskrise

Rendite deutscher und amerikanischer US-Aktien und die Entwicklung der Verbraucherpreise (für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.)

Rendite deutscher und amerikanischer US-Aktien und die Entwicklung der Verbraucherpreise (für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.)

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 fielen die Kurse am deutschen Markt dann heftig. Die nominelle Kurserholung nach dem Krieg machte die Hyperinflation dann wieder zunichte. Von Dezember 1921 bis Ende 1923 verloren Anleger mit heimischen Papieren real fast die Hälfte. „Und auch während der folgenden Weltwirtschaftskrise konnten weder deutsche noch amerikanische Aktien reale Gewinne erzielen“ sagt Röder.

Auf längere Sicht wäre es dennoch kein Fehler gewesen, nach Ende der Hyperinflation in Aktien zu gehen. Von 1924 bis 1947 waren mit deutschen Papieren pro Jahr real 4,30 Prozent Rendite drin. Wer danach noch an Dividendenpapieren festhielt, erlebte jedoch erneut einen Schock: Die Börsenkurse brachen nach der Währungsreform 1948 um rund 90 Prozent ein.

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