Ukraine: Kalter Krieg, überhitzte Börsen

KommentarUkraine: Kalter Krieg, überhitzte Börsen

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Auf die Finanzmärkte hatte die Eskalation in der Ukraine bislang kaum Auswirkungen.

von Frank Doll

Die sich von Tag zu Tag zuspitzende Krise in der Ukraine juckt an den Finanzmärkten niemanden – noch nicht.

An den Finanzmärkten geht es bemerkenswert ruhig zu. Die extremen Risiken aus dem Streit der USA und der Europäischen Union (EU) mit Russland um die Ukraine wurden rasch abgehakt oder gar ganz ignoriert. Gerade einmal einen Tag hat es gedauert, bis die Märkte die Krim-Krise verdaut hatten. Die Entwicklung in der Ost-Ukraine ist überhaupt nicht auf den Radarschirmen. Niemand rechnet offenbar mit größeren Problem für die Weltwirtschaft, die aus dem Konflikt in der Ukraine entstehen könnten. So erwarten alle 67 Volkswirte, die monatlich vom Börsendienst Bloomberg befragt werden, in den nächsten sechs Monaten steigende Zinsen. Das ist eine erstaunlich einseitige Konsensmeinung. Auch Fondsmanager machen sich anscheinend keine größeren Sorgen um die Konjunktur. Sie sind laut einer Umfrage von JP Morgan so stark untergewichtet in US-Staatsanleihen wie nur ein Mal in den vergangenen sieben Jahren.

Sollten die USA und die EU aber weiter auf Konfrontationskurs bleiben gegenüber Russland und ähnliche Handelssanktionen beschließen wie etwa gegen den Iran, dann wäre zumindest für Europa der Rückfall in die Rezession ein durchaus realistisches Szenario. Immerhin ist Russland hinter den USA und China der drittgrößte Handelspartner der EU. Der Warenaustausch erreichte 2012 einen Gesamtwert von 462 Milliarden Dollar, während er zwischen den USA und Russland nur 40 Milliarden Dollar betrug.

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IWF spielt ein falsches Spiel

Das 17 Milliarden Dollar schwere Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Ukraine soll angeblich die Zahlungsfähigkeit des Landes gewährleisten. Tatsächlich aber dürfte es vor allem darum gehen, den internationalen Banken den Ausstieg aus den ukrainischen Staatsanleihen zu finanzieren – wie in Griechenland. Laut Informationen von Bloomberg basiert das Hilfsprogramm auf der Annahme einer fünfprozentigen Kontraktion der ukrainischen Wirtschaft in diesem Jahr.

OSZE-Geiseln in Slawjansk Merkel bittet Putin um Hilfe

Im Fall der entführten OSZE-Beobachter bittet Bundeskanzlerin Merkel Russlands Präsidenten Putin um Unterstützung. In der Ost-Ukraine ist die Lage weiter eskaliert: Separatisten stürmten ein Justizgebäude.

Angela Merkel Wladimir Putin Quelle: dpa

Doch das ist Augenwischerei. Ein Wert zwischen 15 und 20 Prozent dürfte realistischer sein. Aber darum geht es nicht. Das Hilfspaket des IWF macht nämlich den Weg frei für zusätzliche Hilfsprogramme, etwa der EU. Die neue ukrainische Regierung hatte zur Vermeidung der Zahlungsunfähigkeit und der Bezahlung lebenswichtiger Importe ein Hilfspaket von 35 Milliarden Euro angefordert. Doch das wird nicht reichen. Ohne den russischen Absatzmarkt wird die Ukraine dauerhaft auf die Hilfe des Westens angewiesen sein.

Der Kredit an die Ukraine wird auch den IWF verändern. Die großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) drängen schon seit mehr als drei Jahren auf ein stärkeres Stimmengewicht im IWF. Das wurde aber im Januar im US-Kongress abgelehnt. Als größter Beitragszahler des IWF mit einem Stimmenanteil von 16,5 Prozent können die USA jede Reform blockieren. Offensichtlich ist die Geduld der BRIC jetzt am Ende. Vadim Lukov, Sonderbotschafter des russischen Außenministeriums, kündigte bereits an, dass die BRIC-Staaten bis 2016 als Ersatz für IWF und Weltbank eigene funktionsfähige Institutionen installiert haben werden.

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