Soziale Ungleichheit: Wie reich sind die Reichen?

Soziale Ungleichheit: Wie reich sind die Reichen?

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Menschen posieren auf der Amsterdamer Millionärsmesse neben einem Bugatti Veyron.

Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Reichen offenbar noch reicher sind als gedacht. Wie vermögend die Superreichen wirklich sind, weiß aber niemand. Braucht es offizielle Daten?

Die Vermögenden in Deutschland sind noch reicher als bisher angenommen. Wie reich sie aber genau sind, dass wissen wir nicht so genau. So lautet die Botschaft einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, welche im Auftrag der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung erstellt wurde.

Demnach ist das Vermögen in Deutschland noch ungleicher verteilt als es bisher den Anschein hatte. Den neuen DIW-Berechnungen zufolge besitzt das reichste Prozent der deutschen Bevölkerung sogar ein Drittel statt dem bisher angenommenen Fünftel des gesamten Privatvermögens.

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Auch das gesamte Vermögen der Bundesbürger ist durch die neuen Schätzungen demnach von 6,3 auf bis zu 9,3 Billionen Euro 2012 gestiegen. Nach alten Schätzungen besaßen die reichsten 0,1 Prozent der deutschen Haushalte rund fünf Prozent des Gesamtvermögens, nun sind es sogar bis zu 16 Prozent.

Stellt sich die Frage, warum wir so wenig über das Vermögen der Reichsten wissen und warum die Angaben bisher so ungenau waren. Und: Sind die Daten jetzt besser?

Bisher haben Forscher versucht, die Ungleichheitsfrage beispielsweise mit Daten aus dem sogenannten Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zu beantworten, einer großen Umfrage unter rund 12.000 privaten Haushalten in Deutschland. Auch Vermögensdaten der Bundesbank sind in die Berechnungen eingeflossen.

Befragt werden beim SOEP allerdings regelmäßig die gleichen Haushalte. Die Wahrscheinlichkeit, einen Milliardär dabei zu erwischen, der auch noch etwas über seine Vermögenssituation preisgibt, sei sehr gering, erklärt DIW-Verteilungsexperte Markus Grabka.

Keine offiziellen Daten

Besser als Umfragedaten wären offizielle Daten. Diese sind in Deutschland aber nicht verfügbar, unter anderem weil es keine Vermögensteuer gibt. "Wir müssen die Top-Vermögen also schätzen", erklären die DIW-Forscher.

Deshalb beruhen die neuen Berechnungen nicht nur auf dem SOEP, sondern auch auf anderen Vermögensdaten wie dem bekannten Ranking des US-Magazins "Forbes". Dort werden Personen gelistet, die ein geschätztes Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen. 2013 waren 57 Deutsche auf der vom mexikanischen Milliardär Carlos Slim angeführten Liste, darunter die Erben der Aldi-Brüder und die BMW-Erbin Susanne Klatten.

Tauchsieder Thomas Pikettys strittige Kapitalismus-Formel

Der Ökonom Thomas Piketty hat ein Buch geschrieben, das die Branche elektrisiert und politischen Sprengstoff birgt: Ist das Gesetz der zunehmenden Ungleichheit, eine Revolution oder nur kalter Kaffee?

Thomas Pikettys Buch wirft die Frage auf, ob Kapitalismus und Demokratie gemeinsam funktionieren können. Quelle: dpa/Montage

Es wurden verschiedene Szenarien errechnet, um die Daten der Forbes-Liste nicht zu hoch zu bewerten. Die Unterschiede zu den ursprünglichen Daten seien aber in allen Szenerien erheblich, so die Forscher.

Die Szenarien-Lösung lässt allerdings bereits erkennen, dass auch die neuen Berechnungen letztlich nur auf Schätzungen beruhen. Das räumen auch die DIW-Forscher ein.

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Auch wenn es sich um Schätzungen handelt, dürften die Daten die Debatte um soziale Ungleichheit und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich erneut befeuern. Dazu gehört auch die Forderung nach einer Vermögensteuer, wie sie unter anderem auch der französische Ökonom Thomas Piketty stellte, der in seinem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" die Gründe für Ungleichheit in Industrieländern untersuchte.

Aber in Deutschland ist die Reichen-Steuer höchst umstritten, auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich mittlerweile von der Idee verabschiedet. Viele Experten befürchten, dass eine solche Steuer vor allem den in Deutschland so wichtigen Mittelstand treffen würde, da Firmen- und Privatvermögen nur schwer voneinander zu trennen seien. Zudem sei zu befürchten, dass das Vermögen der Superreichen längst außer Landes sei - die neue Schwarzgeldaffäre rund um die Schweizer Tochter der HSBC ("Swissleaks") unterstreicht diese These leider.

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